
Synode: Bereits intensive Debatten am ersten Tag
Schon der erste Tag der Sonderbischofssynode im Vatikan brachte intensive Debatten unter den Teilnehmern. So betonte etwa der Pariser Kardinal Andre Vingt-Trois, die Diskussion über den Eucharistieempfang für wiederverheiratete Geschiedene dürfte nicht zu einer Spaltung der laufenden Synode führen. "Es gibt keine Pro-Kasper- oder Contra-Kasper-Partei". Die Synode dürfe nicht mit einer Parlamentsdebatte verwechselt werden, bei der Mehrheiten gegen Minderheiten stünden. Stattdessen gehe es darum, in brüderlicher Verbundenheit einen gemeinsamen Willen zu entwickeln, "in aller Freiheit und mit Respekt voreinander", so Vingt-Trois, der Generalrelator der Synode ist.
In seinem Eröffnungsreferat zum Kardinals-Konsistorium im Februar hatte Kasper unter anderem angeregt, das Verbot des Kommunionsempfangs für wiederverheiratete Geschiedene für gewissen Einzelfälle zu überdenken. Damit hat er innerhalb der Kirche eine teils heftige Debatte ausgelöst. Der seelsorgerische Umgang mit den wiederverheirateten Geschiedenen steht erstmals am Mittwoch auf der Tagesordnung der Synode, die bis zum 19. Oktober dauert.
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Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx ging in seinem Redebeitrag auf die Worte von Papst Franziskus ein, wie Vatikansprecher Federico Lombardi am Montag mitteilte. Marx war einer von fünf Kardinälen, die insgesamt rund 25 Minuten auf die päpstlichen Eröffnungsworte antworteten. Über den Inhalt der Beiträge ließ Lombardi nichts verlauten.
Entfremdung von der Basis
Mit einem drastischen Vergleich hat der spanische Kardinal Lluis Martinez Sistach die Entfremdung zwischen der katholischen Leitung und der Basis beschrieben. Mit Verweis auf das biblische Gleichnis vom Hirten, der 99 Schafe zurücklässt, um ein verlorenes Tier zu suchen, sprach Martinez von einer "Tatsache, dass sich heute in verschiedenen Breiten der Kirche die Zahl umkehrt".
Martinez, Erzbischof von Barcelona, rief die Synodenväter bei einem Gebet in einer Sitzungspause auf, den Missionseifer wiederzugewinnen und zu vermehren. In dem Sinn sollten Bischöfe von der "Schönheit der Familie" sprechen, aber zugleich jene im Blick haben, denen es nicht gelinge, ein glückliches Familien- und Eheleben zu führen.
Hoffnung auf kontroverse Debatten
Indes hat der renommierte deutsche Moraltheologe Eberhard Schockenhoff in einem Interview für das Online-Portal "katholisch.de" seine Hoffnung auf kontroverse Debatten unter den Synodenvätern unterstrichen. Die katholische Sexual- und Ehelehre solle eine Ethik für Menschenwürde und Verantwortung sein. Der Freiburger Wissenschaftler plädierte für ein neues Nachdenken darüber, wie die Kirche aus der Natur des Menschen und der Vernunft ihre Morallehre entwickelt.
Schockenhoff äußerte sich zu Fragen, die teils auch Gegenstand der gegenwärtig im Vatikan tagenden Bischofssynode sind. Künstliche Empfängnisverhütung lehnte er nicht generell ab, wies aber auf Vorteile der natürlichen Empfängnisregulierung hin. "Das Urteil über die verschiedenen Formen der Empfängnisregulierung sollten grundsätzlich die Paare selber sprechen, das gehört mit zur verantworteten Elternschaft, wie sie das Konzil definiert", so Schockenhoff. Die Empfängnisverhütung sei kein lebensfeindlicher Akt, sondern dort, wo sie in gemeinsamer Verantwortung gewählt würde, ein Dienst am Leben und positiv zu würdigen.
Eine kontroverse Debatte über Familie und Sexualität fordere auch Papst Franziskus. "Es wäre schon viel gewonnen, wenn man darauf verzichten würde, die lehramtlichen Äußerungen zur Empfängnisregulierung nochmals zu bekräftigen", so Schockenhoff. Stattdessen sollten die positiven Grundwerte der Kirche zum Eheleben in den Mittelpunkt gestellt werden: "Dass die Ehe eine auf Dauer angelegte, umfassende Lebensgemeinschaft von Mann und Frau ist, die auch ihren sexuellen Ausdruck findet als Sinnbild und Symbol der Liebe."
Der katholische Glaube sei Glaube der Katholiken und keine abstrakte Vorstellung der Kirche, so Schockenhoff weiter. Er forderte die Bischöfe auf, die ihnen bekannten Lebenserfahrungen der Gläubigen in die Synode einzubringen. Die am Sonntag eröffnete Bischofsversammlung in Rom dauert noch bis 19. Oktober.
Quelle: Kathpress