
"Zeugnis christlicher Familien ist Quelle der Kirche"
Die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Europas - darunter Kardinal Christoph Schönborn - haben zum Abschluss ihrer Plenarversammlung in Rom, die der am Montag beginnenden Weltbischofssynode vorausgegangen ist, die Bedeutung des Lebenszeugnisses von Ehepaaren hervorgehoben. "Die wahre Quelle der Kirche besteht aus dem Zeugnis christlicher Familien, die auch inmitten einer oft individualistisch geprägten Kultur ihre Treue leben", heißt es im Abschluss-Kommunique, das am Montag am Sitz des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) im Schweizer St. Gallen veröffentlicht wurde. CCEE-Präsident ist der ungarische Primas Kardinal Peter Erdö, neuer Vizepräsident der italo-albanische Erzbischof Angelo Massafra (Shkodra).
Im Rahmen ihrer Jahrestagung waren die Mitglieder des CCEE auch mit Papst Franziskus zusammen getroffen, der dabei eine europaweit bessere Vernetzung der "good practice"-Modelle im Bereich der Familienseelsorge gefordert hatte. Die Bischöfe wiederum erinnerten an die Wichtigkeit einer engagierten Familienpolitik in Europa, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des dramatischen Geburtenrückgangs in vielen Ländern.
» Katholisch.at-Dossier zur Familiensynode
Die Bischöfe betonen im Kommunique, dass christliche Familien die Anziehungskraft des Ehekonzeptes und der Öffnung für neues Leben zeigten. "Für die eigenen, christlichen Familien Sorge zu tragen wird auch der ganzen Gesellschaft zugute kommen." Familie sei für das neue Europa "kein Problem, sondern eine Lösung". Die Kirche müsse sich bemühen, jedes einzelne Familienmitglied - Ehefrau, Ehemann, Kinder, Großeltern - "mit seiner jeweiligen Besonderheit, und gleichzeitig die Familie als Einheit, wie sie im Licht der Wahrheit durch die Person Christi über den Menschen offenbart wurde, ans Licht zu rücken", heißt es im Blick auf einige von Gender-Theoretikern vorgebrachten und für die Kirche inakzeptable Thesen.
Weiter heißt es, dass das kurz vor der Bischofssynode über die Familie geplante Treffen des CCEE in Rom vor allem dazu dienen sollte, "Überlegungen über jene Fragen und Phänomene anzustellen, welche die Familien und die heutige Familienpastoral in Europa am meisten betreffen und die zu einer überzeugten Handlung verpflichten". Aufgelistet werden u.a. die europäische und jeweilige nationale Gesetzgebung zu Ehe/Familie; eine positive Darstellung des Ehekonzepts; eine Pastoral abseits "des grünen Tisches", sondern "in der Begleitung" nach der Methode von Karol Wojtyla/Johannes Paul II.; eine Vermittlung des Wertes stabiler Bindungen; eine Erleichterung von Ehenichtigkeitserklärungen im Falle des Scheiterns; schließlich eine Pastoral, die "die Schönheit der Familie auch in Krisenzeiten verkündet".
Neues griechisches Religionsgesetz
Abschließend wird im Kommunique der CCEE-Plenartagung begrüßt, dass Griechenland ein neues Religionsgesetz verabschiedet hat. Durch das Gesetzespaket hat die katholische Kirche den Status einer Rechtspersönlichkeit erworben.
Bisher war Griechenland ein griechisch-orthodoxer Staat, andere "bekannte" Kirchen und Religionen wurden nur toleriert. Wie sonst nur in der islamischen Welt war ihnen lediglich eine eng beschränkte Kultfreiheit gewährt, ihre Gotteshäuser durften von außen nicht als solche erkennbar sein. Jede bauliche Veränderung musste vom Ortsbischof der orthodoxen Staatskirche, der "Ekklisia tis Ellados" (EtE/Kirche von Griechenland), genehmigt werden. Die Konversion von Orthodoxen zu einem anderen Glauben war als "Proselytismus" unter Strafe gestellt. Eine Regelung, die immer wieder zu Prozessen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg führte. Das neue Gesetz verspricht allen Nicht-Orthodoxen öffentliche Anerkennung und gesetzlichen Schutz. Griechenland zieht damit religionsrechtlich mit den anderen Staaten der EU gleich, der es schon seit 1981 angehört.
Auf Einladung des Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fouad Twal, wird die nächste CCEE-Plenarversammlung vom 11. bis 16. September 2015 im Heiligen Land stattfinden.
Quelle: Kathpress