
Ruf nach Barmherzigkeit für gescheiterte Ehen
Die Weltbischofssynode hat am Mittwoch das "heiße Eisen" der wiederverheirateten Geschiedenen aufgegriffen: Die diesbezüglichen Schwierigkeiten mit der kirchlichen Lehre zur Ehe waren am Nachmittag ein Schwerpunktthema der "Familiensynode" im Vatikan. In ihren Redebeiträgen hätten viele Synodenteilnehmer das Verhältnis zwischen katholischer Lehre und dem Gebot der Barmherzigkeit gegenüber Menschen mit gescheiterten Lebensentwürfen und wiederverheirateten Geschiedenen thematisiert, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi bei der Pressekonferenz.
Etliche Redner zitierten demnach ein Wort des Konzilspapstes Johannes XXIII. (1958-1963), der damals von der "Medizin der Barmherzigkeit" gesprochen hatte. Es dürfe auch nicht übersehen werden, dass viele dieser Menschen unverschuldet in solche, für sie oft leidvollen Situationen gerieten, hieß es in einer vom Vatikan veröffentlichten Zusammenfassung der bisherigen Redebeiträge am Mittwoch.
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Der argentinische Erzbischof Victor Fernandez betonte bei der Pressekonferenz im Vatikan, die Suche nach einer besseren pastoralen Begleitung der Betroffenen könne nicht gelingen, wenn man dabei die Komplexität der kirchlichen Lehre ausklammere. Diese Lehre sei immer wieder weiterentwickelt worden, doch diese Entwicklung brauche Zeit, so der Rektor der Päpstlichen Universität in Buenos Aires, der als enger Vertrauter von Papst Franziskus gilt. An der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe könne es jedoch keine Abstriche geben, darin seien sich die Synodenväter einig.
Am Mittwoch befassten sich die Teilnehmer nach Angaben Lombardis auch mit den besonderen Problemen von Familien im Zeitalter der Globalisierung und der Krisen. Dabei kamen insbesondere Afrikanerinnen und Afrikaner zu Wort.
Es bestehe die Gefahr, dass ein starker westlich-säkularer Einfluss die religiösen und kulturellen Traditionen der afrikanischen Katholiken zerstöre, sagte der Erzbischof von Jos (Nigeria), Ignatius Kaigama. Dies betreffe insbesondere die massive Propagierung der Empfängnisverhütung. "Sie geben uns Kondome, doch wir brauchen Ernährung, Bildung, Gesundheitswesen und Infrastruktur", so Kaigama.
Nach 50 Jahren Unabhängigkeit seien die afrikanischen Länder in der Lage, selbst für sich zu denken. Afrikas Familien seien materiell arm, doch besäßen dafür einen großen spirituellen Reichtum.
Kaigama wehrte sich gegen Vorwürfe, die katholische Kirche, besonders in Afrika, befürworte ein repressives Vorgehen gegen Homosexuelle. Vielmehr vertrete sie die Würde jedes Menschen, lehne die Ehe zwischen Homosexuellen aber entschieden ab. "Lehre bleibt Lehre", so der afrikanische Geistliche.
Quelle: Kathpress