Votum gegen Job-Nachteile für Wiederverheiratete
Das Thema "wiederverheiratete Geschiedene" stand am Mittwochnachmittag auf der Tagesordnung der vatikanischen Bischofssynode. Dazu hörten die versammelten 190 Kardinäle und Bischöfe auch den Erfahrungsbericht des südafrikanischen Ehepaars Stephen und Sandra Conway, das nach 21 Ehejahren beinahe die Scheidung eingereicht hätte.
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Zum kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen äußerte sich der Präsident des päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa" (Donnerstag). Dabei wandte er sich gegen arbeitsrechtliche "Diskriminierungen" von Betroffenen. Als Beispiel nannte Fisichella die Nichtzulassung wiederverheirateter Geschiedener als Lehrer an katholischen Schulen. "Warum sollen wiederverheiratete Geschiedene, die in der Gemeinde aktiv sind, nicht die Möglichkeit haben, an katholischen Schulen zu unterrichten?", so Fisichella. Er ist einer der 25 Leiter vatikanischer Behörden, die an der Weltbischofssynode über Ehe und Familie teilnehmen.
Von der Ehekrise zur Beratertätigkeit
Das Ehepaar Conway hat laut dem vom Vatikan veröffentlichten Redetext einen Neuanfang in ihrer Beziehung geschafft. Unterstützt worden seien sie von der internationalen christlichen Eheberatungsorganisation "Retrouvaille". Für diese Initiative seine sie mittlerweile beraterisch tätig.
Das Paar Conway erläuterte aus ihrer Beratungspraxis, dass eine unglückliche Ehe verschiedene Stadien durchlaufe: Auf die Anfangsromantik folge Desillusionierung und schließlich partnerschaftliches Unglück. Daraus könne zwar auch wieder eheliche Freude erwachsen, doch viele Paare schafften diesen Versuch einfach nicht mehr. Kinder litten unter unglücklichen wie unter geschiedenen Ehen.
Das Ehepaar aus Südafrika ging auch auf das katholische Eucharistieverbot für wiederverheiratete Geschiedene ein. Viele Betroffene fühlten sich von der Kirche alleingelassen. Als Beispiel nannten sie eine wiederverheiratete Geschiedene, die zum Katholizismus konvertieren wollte, sich schließlich aber von der Gemeinde abwandte, nachdem ihr Eheannullierungsverfahren gescheitert war. "Wenn Gott der letzte Vergebende und voll Mitgefühl ist, dann sollten diesen Paaren ihre früheren Fehler verziehen werden. Sie werden aber ständig daran erinnert und wegen ihrer vergangenen Beziehungen oder Fehler für schuldig erklärt, indem sie nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen", betonte das Beraterpaar.
Der Erzbischof von Aparecida in Brasilien, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, sprach sich für eine intensivere Begleitung wiederverheirateter Geschiedener durch die Kirche aus. Diese Menschen "erleben ihre Erfahrungen als tiefe Wunde in ihrem eigenen Menschsein, in ihrer Beziehung zu anderen und zu Gott", so Assis, den Papst Franziskus als einen von drei Synodenpräsidenten berufen hat. Es gelte, gemeinsam "die Kunst des Begleitens" zu erlernen, wie sie Franziskus in seinem Lehrschreiben "Evangelii gaudium" beschreibe.
"Frei sprechen ohne Angst vor Müller"
Der argentinische Erzbischof Viktor Manuel Fernandez scherzte am Mittwoch vor Journalisten im vatikanischen Presseamt, Franziskus habe darauf hingewiesen, alle könnten frei reden, "ohne dass ihnen gleich Kardinal Müller auf den Leib rückt". In Kommentaren zu der Pressekonferenz hieß es am Donnerstag, solche Äußerungen über einen amtierenden Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation machten Bischöfe früher allenfalls hinter vorgehaltener Hand.
Anders als früher macht das vatikanische Presseamt nur allgemeine Angaben zum Verlauf der Beratungen und zu Inhalten. Namen nennt es jedoch nicht. So berichtete die an sich gut mit dem Vatikan vernetzte französische Tageszeitung "La Croix" am Donnerstag über eine stark begrüßte Wortmeldung mit der Forderung nach radikalem Abgehen von der üblichen lehramtlich-moralisierenden Sprache. Den Namen des Redners konnte "La Croix" jedoch ebenfalls nicht nennen.
"Die Ausdrücke 'intrinsice malus', wie es unter anderem auch für Masturbation verwendet wird, 'Verhütungsmentalität' oder 'In Sünde leben' helfen nicht, eine Person zu Christus führen - und ebenfalls das Reden über 'das Naturrecht' oder ' das Naturgesetz'", zitierte "La Croix" den Sukkus der Intervention.
Quelle: Kathpress