
Bischöfe appellieren an Geduld der Gläubigen
An die Geduld der Katholiken hat der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), Markus Büchel, vor dem Hintergrund der laufenden Bischofssynode in Rom appelliert. Er habe in seinem Plenumsstatement vergangene Woche darauf hingewiesen, "dass die Sexualmoral der Kirche kaum rezipiert wird und dass wir spüren, dass der Umgang der Kirche mit den wiederverheirateten Geschiedenen für viele nicht stimmt", sagte Büchel im Interview mit der "Schweiz am Sonntag". Die Schweizer Gläubigen hätten viele Erwartungen, die man nicht enttäuschen dürfe.
Dennoch dämpfte der Bischof von St. Gallen die Erwartungen auf schnelle Entscheidungen. Die Anstöße zur Ehe- und Sexualmoral würden diese Woche in kleinen Kreisen diskutiert; 2015 kämen die Bischöfe dann erneut zusammen, um Leitlinien zu erarbeiten. "Die Menschen müssen noch etwas Geduld haben", so Büchel wörtlich. "Ich hoffe aber, dass wir dann Antworten auf ihre Fragen geben können und etwas erarbeiten, das ihnen einen Weg weist."
Für den SBK-Vorsitzenden liegt die Stärke der Synode im Wahrnehmen von Lebensrealität. Die Freuden und Sorgen der Menschen seien dank der Umfrage zur Partnerschafts-, Ehe- und Familienpastoral, die letzten Dezember auch in der Schweiz durchgeführt wurde, ins Arbeitspapier der Bischofssynode eingeflossen. "Wie präzis darin die Anliegen der Schweiz aufgenommen wurden und dass nichts ausfiltriert wurde, finde ich sehr positiv", sagte Büchel im Interview.
"Nicht dieselben Antworten wie vor 20 Jahren"
Die vatikanische Synode über Ehe und Familie wird auch nach Einschätzung des Erzbischofs von Dublin, Diarmuid Martin, keine schnellen Entscheidungen zu den seit Jahren diskutierten theologischen Fragen treffen. Die Synode sei Teil eines Prozesses, der noch dauern werde, sagte der Primas von Irland am Samstag im Vatikan. "Wir können aber auch nicht dieselben Antworten geben wie vor 20 Jahren", betonte er zugleich.
Martin lobte eine "relaxte Atmosphäre" bei den Debatten in der Synodenaula. Die Rednerbeiträge seien durch große Offenheit geprägt. "Mir ist bisher niemand begegnet, bei dem ich das Gefühl hatte, dass er sich mit seiner Meinung zurückgehalten hat." Die katholische Kirche dürfe in ihrem Engagement für das christliche Lebensideal nicht rigide vorgehen, so der Primas. "Wir müssen die Menschen erreichen, die in der Grauzone leben." Im Umgang mit Abweichungen von diesem Ideal müsse die Kirche dazulernen.
Martin plädierte besonders für eine intensivere Vorbereitung junger Menschen auf die Ehe. Vielen sei die Dimension der Entscheidung für eine lebenslange Partnerschaft nicht bewusst. "Diese Probleme vermeiden wir nicht durch einen zweitägigen Ehekurs", so der Dubliner Erzbischof.
An fast allen Debatten der ersten Woche nahm Papst Franziskus als Zuhörer teil. Nur am Mittwochvormittag war dies wegen seiner traditionellen Generalaudienz nicht der Fall. Am Wochenende ruhen die Beratungen der rund 250 Synodenteilnehmer. Jedoch begann bereits am Freitag der weitere Austausch der Kardinäle, Bischöfe, Priester und Laienvertreter in den nach Sprachgruppen gebildeten "kleinen Zirkeln". In der kommenden Woche diskutieren diese über den Zwischenbericht zur bisherigen Debatte, den der Generalrelator der Synode, der ungarische Kardinal Peter Erdö, am Montag vorlegen wird.