
Initiative gegen Radikalisierung junger Muslime
Integrationsminister Sebastian Kurz und der Präsident der Islamische Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Fuat Sanac, haben am Sonntag eine gemeinsame Initiative gegen die Radikalisierung Jugendlicher und den Missbrauch des Islam gestartet. Jugendliche sollen mit Foldern und in Peer Groups vor den Gefahren der Radikalisierung gewarnt werden, hieß es in einem Bericht der Austria Presse Agentur (APA).
Kurz und Sanac haben bei ihrem Treffen auch vereinbart, das neue Islam-Gesetz im Dialog auszuarbeiten und gemeinsam umzusetzen. Sanac hatte den Gesetzesvorschlag ja als teilweise verfassungswidrig kritisiert. Nach dem Gespräch mit Kurz sah er "die Chance", durch Dialog noch "einige Schieflagen auszugleichen". Der Außen- und Integrationsminister versicherte, dass man im Dialog mit der Glaubensgemeinschaft bleiben werde, "aber die Regierung hält Kurs".
Eine "verfassungskonforme Alternative" zum neuen Islamgesetz will die als dessen scharfe Kritikerin aufgetretene Muslimische Jugend Österreich am Dienstag vorstellen.
Mit Koran und Mohammed gegen Radikalismus
Einig zeigten sich Kurz und Sanac im gemeinsamen Kampf gegen die Radikalisierung Jugendlicher: Der Info-Folder soll österreichweit in allen Moscheen, Schulen und Islamischen Vereinen verteilt werden. Darin äußern sich Musliminnen und Muslime klar gegen Krieg und Terror, ergänzt durch Zitate aus dem Koran und Aussprüche des Propheten Mohammed. Die IGGiÖ werde Jugendliche qualifizieren, die dann in Peer-Groups gegen Radikalisierung auftreten sollen, so die Ankündigung.
Einige weitere Maßnahmen werden vorbereitet: eine Videokampagne mit österreichischen Muslimen, die sich gegen den Terror der Miliz "Islamischer Staat" aussprechen ("Not in our name") im Oktober, eine Expertentagung zum Thema "Identität" im November, die Entwicklung einer "Charta" gegen Radikalisierung zur Unterzeichnung durch muslimische Vereine, Verbände und Institutionen sowie Anti-Radikalisierungs-Workshops beim Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Außerdem soll das Thema bei Fachkursen für Imame berücksichtigt werden.
"Wenn wir als gläubige Muslime entschieden gegen die Pervertierung unserer Religion auftreten, können wir aufklären und durch religiöses Wissen eine Art Immunisierung gegen die Terrorpropaganda erreichen", zeigte sich Sanac überzeugt. "Wir sind sehr besorgt, dass sich Tendenzen breitmachen, Muslime unter eine Art Generalverdacht zu stellen. Umso wichtiger ist das gemeinsame Auftreten. Muslime selbst sind wichtige Akteure in der Bekämpfung von Extremismus." Kurz will auch "deutlich machen, dass in Österreich das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionen kein Problem sein soll und möglich ist."
Balkan-Konferenz in Wien verurteilt "Gewaltideologie"
Islamische Geistliche und Experten aus der Balkan-Region hatten bereits am Samstag zum Abschluss einer von der IGGiÖ veranstalteten Konferenz "die Gewaltideologie und den Terrorismus von Extremisten" scharf verurteilt. In der Schlusserklärung des Treffens wurden als solche die "Daish" ("Islamischer Staat"/IS, Anm.), die "Boko Haram" und "ähnliche Terrorgruppen" genannt.
Weiters hieß es, Muslime sollten "durch ihr Agieren als positive Akteure in einer gemeinsamen Anstrengung, das friedliche Zusammenleben zu sichern, wahrgenommen werden". Zurückgewiesen wurde ein Generalverdacht gegen Muslime ebenso wie Tendenzen, Muslime persönlich haftbar zu machen für Verbrechen, mit denen sie nichts zu tun haben.
An der zweitägigen Konferenz nahmen die Großmuftis Serbiens, Kroatiens, Rumäniens, Montenegros, Mazedoniens und des Sandschak (mehrheitlich muslimische Region in Serbien) sowie hohe Vertreter der islamischen Gemeinschaften von Albanien, Bosnien, Bulgarien, Kosovo, Slowenien, Ungarn und Deutschland teil.