
Heftige Debatte um Erdö-Zwischenbericht
Der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz hat Vorbehalte gegen eine mögliche Liberalisierung der katholischen Ehelehre. Entsprechende Positionen im Zwischenbericht der im Vatikan tagenden Bischofssynode wichen von der Lehre Johannes Pauls II. (1978-2005) ab, kritisierte Erzbischof Stanislaw Gadecki im polnischen Sender von "Radio Vatikan" (Montagabend). Der am Montag von Kardinal Peter Erdö veröffentlichte Zwischenbericht ("Relatio post disceptacionem") zeige Spuren einer gegen die Ehe gerichteten Ideologie.
Das Dokument sei für "viele Bischöfe nicht akzeptabel", so Gadecki, der für die Polnische Bischofskonferenz an der Synode über Ehe und Familie teilnimmt. Seelsorgliche Hauptaufgabe solle die Unterstützung der Familie sein und "nicht ein Schlag gegen sie".
Der Posener Erzbischof bemängelte unter anderem eine zu wohlwollende Bewertung von eheähnlichen Lebensgemeinschaften und eine mögliche Billigung der Kindererziehung durch gleichgeschlechtliche Paare. Der Zwischenbericht scheine "alles zu akzeptieren, was es gibt", beklagte Gadecki.
Der Zwischenbericht aus der Feder des Generalrelators der Synode, Kardinal Peter Erdö, fasst die 240 Redebeiträge aller teilnehmenden Bischöfe zusammen. Diskutiert wurden demnach unter anderem Möglichkeiten einer Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zu den Sakramenten. Ein Schlussdokument zu den Beratungen der rund 190 Bischöfe soll am Wochenende veröffentlicht werden.
Marx: Positive Zwischenbilanz
Eine positive Halbzeitbilanz der in Rom tagenden Weltbischofssynode zur Familie zieht der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. "Wir haben bisher eine offene und ehrliche und in den Themen breitgefächerte Diskussion erlebt", heißt es in einer am Dienstag in Bonn verbreiteten Erklärung des Münchner Erzbischofs. Die unterschiedlichen Gesichtspunkte seien auf den Tisch gekommen.
Laut Marx befasste sich die Synode intensiv mit der realen Situation der Familien weltweit. "Es ist gut, über die Stärkung der Ortskirchen bei den dringenden pastoralen Fragen zu sprechen und zu überlegen, wie wir den Ehen und Familien nahe sein können, die Brüche und Verletzungen erfahren haben", so der Kardinal.
Es gebe durchaus Spannungen zwischen denjenigen Synodenteilnehmern, die "die Lehre ins Zentrum stellen und denen, die vom Leben der Menschen ausgehen", räumte Marx ein. "Ich hoffe sehr, dass wir mit einem starken, pastoral orientierten Zuspruch in die nächste Etappe gehen können." Jesus habe kein Gesetzbuch geschrieben, sondern Wege zum Leben gezeigt.
Die Familienreferentin der Erzdiözese Berlin, Ute Eberl, die ebenfalls an der Synode teilnimmt, zeigte sich beeindruckt von der offenen Debatte. Für sie müsse die Synode auch die Frage beantworten, wie "wir in unserer säkularen Stadt den Menschen, mit denen wir leben, das Evangelium als eine wirklich frohmachende Botschaft anbieten können". Sehnsucht nach gelingenden Beziehungen hätten Christen wie Menschen ohne Religion. "Wenn wir zuerst ins Wohnzimmer der Familien schauen und nicht ins Schlafzimmer, dann hilft uns das, offene Augen zu haben für ihre Sehnsucht und für das fragile Gefäß Ehe und Familie."
Eberl gehört neben den Kardinäle Reinhard Marx, Gerhard Ludwig Müller sowie Walter Kasper zu den vier deutschen Synodenteilnehmern.