
Kardinal Assis: Manche haben Angst um Lehre
Neue Zugänge der Seelsorge zu Wiederverheirateten und Homosexuellen, wie sie unter anderem im Synoden-Zwischenbericht angedacht sind, bergen nach Ansicht der konservativen Synodenvertreter eine Gefahr für die kirchliche Lehre.
"Unter einem Teil der Synodenväter herrscht Angst, dass eine seelsorgliche Öffnung die Doktrin der Kirche über Ehe und Familie beeinflussen könnten", sagte dazu am Mittwoch der Ko-Präsident der Weltbischofssynode, Kardinal Raymundo Damasceno Assis, im portugiesischsprachigen Kanal von Radio Vatikan. Der Brasilianer Assis war im April von Papst Franziskus gemeinsam mit dem französischen Kardinal Andre Vingt-Trois und dem Filipino Kardinal Luis Antonio Tagle für das Präsidium der Synode ernannt worden. Assis sagte, er selbst habe diese Ängste nicht. Er glaube, dass lehrmäßig nichts in Frage gestellt werde.
Kardinal Christoph Schönborn - er will sich am Donnerstag beim Synoden-Pressebriefing ausführlich äußern - stellte am Dienstagabend in einem Interview für die Schweizer französischsprachige katholische Presseagentur APIC klar, dass der von Assis erwähnte Punkt noch ausführlich diskutiert werden muss. Dafür gebe es noch Zeit bis Oktober 2015, wenn die Ordentliche Bischofssynode zusammentritt.
Es habe Kritik gegeben, dass der Zwischenbericht überhaupt veröffentlicht worden sei, doch dies sei bisher in jeder Synode so erfolgt. "Vielleicht ist aber das Thema diesmal doch etwas brennender", räumte der Wiener Erzbischof APIC gegenüber ein.
Auch eine vom Vatikan am Dienstag veröffentlichte Erklärung verhehlte nicht, dass es unter einigen Teilnehmern der Bischofssynode zu Ehe und Familie Kritik an dem am Montag veröffentlichten Zwischenbericht gibt. Einige Redner hätten deutlichere Worte zur Unauflöslichkeit des Ehesakraments angemahnt, hieß es. Der Text konzentriere sich zu sehr auf die Situation unvollkommener Ehen und stelle zu wenig die Schönheit der lebenslangen Treue heraus.
"Verwirrung durch Begriff Gradualität"
Die Kritiker warnten laut Erklärung vor einer "Verwirrung" durch den Begriff der "Gradualität". Damit bezeichnet der Zwischenbericht die Möglichkeit, dass auch viele nicht der katholischen Lehre entsprechende Partnerschaften, etwa von wiederverheirateten Geschiedenen, sittlich wertvoll sein könnten.
Die Kritiker hätten jedoch darauf hingewiesen, dass die Wiederzulassung der Betroffenen zur Kommunion "schnell zur Regel werden" könne. Sie bemängelten außerdem, dass der Begriff der Sünde in der sogenannten Relatio so gut wie gar nicht vorkomme, und warnten dabei vor einer Annäherung an den Zeitgeist.
Als weiteren Kritikpunkt nannte die Vatikan-Erklärung die entgegenkommenden Ausführungen des Zwischenberichts über Homosexuelle. Die Kirche müsse diese Menschen willkommen heißen, aber "mit der richtigen Vernunft", hieß es. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, die Kirche vertrete eine positive Wertschätzung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften.
Der ungarische Kardinal Peter Erdö, der als Generalrelator der Synode für den Zwischenbericht verantwortlich ist, hatte nach der Aussprache der Synodalen über den Text am Montag mitgeteilt, unter den 41 Rednern seien 15 Kritiker gewesen.
Der südafrikanische Kardinal Wilfrid Fox Napier äußerte bei einer Pressekonferenz im Vatikan am Dienstagnachmittag Unmut über einzelne Formulierungen des Zwischenberichts. Zuweilen erwecke das Dokument den Eindruck, die Positionen seien Konsens der gesamten Synode.
Napier betonte zwar, das Dokument stehe im Einklang mit der katholischen Lehre, sei aber nur ein Arbeitspapier, über das nun in den sogenannten kleinen Zirkeln intensiv diskutiert werde. Viele Medien berichteten aber so, als gebe es bereits Beschlüsse. Der Erzbischof von Durban leitet die Diskussion in einem der insgesamt zehn Sprachzirkel, die in dieser Woche über den Zwischenbericht debattieren und am Donnerstag vor dem Synodenpräsidium ihre Positionen vortragen.
Ein weiterer Moderator einer solchen Diskutantenrunde, Kurienkardinal Raymond Leo Burke, zeigte sich als scharfer Kritiker des Synodenverlaufs. Die Informationspolitik über die Bischofsversammlung werde in eine Richtung manipuliert, sagte der Präfekt der Apostolischen Signatur der italienischen Tageszeitung "Il Foglio" (Dienstag). Er sehe die Gefahr, dass mit dieser Synode eine neue Praxis in der Pastoral durchgesetzt werden solle, die mit der katholischen Lehre nicht vereinbar sei.
Das Schlussdokument der Außerordentlichen Synode zu Ehe und Familie soll am Samstag per Abstimmung verabschiedet werden. Es bildet die Grundlage für die Vorbereitung der zweiten, Ordentlichen Synode zu dem Thema im Herbst 2015. Franziskus wollte, dass dieses wichtige Dokument auf eine breite Basis gestellt ist, und ernannte deshalb zusätzlich zum "Synodenleitungs-Trio" - Kardinal Peter Erdö (Synodenrelator), Kardinal Lorenzo Baldisseri (Synoden-Generalsekretär) und Erzbischof Bruno Forte (Theologischer Sondersekretär) - sechs weiter Redakteure. Berufen wurden dabei Personen, die bereits jetzt die Synode mitgeprägt haben und wohl zu ihren Stars gehören. Es handelt sich um Kurienkardinal Gianfranco Ravasi (Kulturrat), US-Kardinal Donald Wuerl, Jesuitengeneral Adolfo Nicolas, den argentinischen Erzbischof Victor Manuel Fernandez, den Präsidenten des Lateinamerikanischen Bischofsrates Erzbischof Carlos Aguiar Retes (Mexiko) und den koreanischen Bischof Peter Kang U-il.
Am Samstagmittag wird im Rahmen einer Pressekonferenz ein Kurzdokument zur Synode vorgestellt, die "Messaggio" (Botschaft).
Quelle: kathpress