
Schwangerschaftsabbruch endlich enttabuisieren
Es sei hoch an der Zeit, das Thema Schwangerschaftsabbruch zu enttabuisieren, denn jede Abtreibung sei eine zu viel: Das war der Tenor eines Diskussionsabends der "Aktion Leben" unter dem Titel "Für immer ein Tabuthema?" am Mittwochabend in Wien. Diskutiert haben "Aktion-Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler und der Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Falter" Florian Klenk. Anlass war die noch bis 15. Dezember laufende Bürgerinitiative "Fakten helfen!", mit der die "Aktion Leben" auf der Basis gesicherter Daten ein zielgerichtetes Gegensteuern gegenüber Abtreibungen erreichen will. "Man sollte Frauen unter die Arme greifen, damit sie nicht abtreiben müssen", meinte auch Klenk.
Österreich liege mit mindestens 30.000 Abtreibungen jährlich im europäischen Spitzenfeld, argumentierte Kronthaler dafür, dass Schwangerschaftsabbrüche politisch und gesellschaftlich viel stärker Thema werden müssten. Drei Maßnahmen seien erforderlich, um Frauen in Zukunft Alternativen zur Abtreibungsklinik anzubieten: Zuerst müsse die Prävention in Österreich flächendeckend ausgebaut werden. Im Vergleich zu anderen Staaten, die beispielsweise gratis Verhütungsmittel für Jugendliche ausgeben, hinke Österreich gewaltig hinterher.
Weiters plädierte Kronthaler für eine Meldepflicht der Ärzte: Zurzeit könne man nur grob schätzen, wie hoch die Zahl an Abtreibungen in Österreich tatsächlich ist. Der dritte Ansatzpunkt müsse eine Änderung kinder- bzw. familienfeindlicher Haltungen und Strukturen sein. Solange Mütter mit kleinen Kindern immer noch mit massiven Benachteiligungen, beispielsweise in der Arbeitswelt, zu rechnen hätten, würde es auch Abtreibungen geben, so Kronthaler. "Scheinheilig" nannte sie es, wenn erwerbstätige Mütter ihr Kind ein Jahr nach der Geburt in Betreuung geben und dafür "schief angeschaut" werden.
Die Abtreibungsdebatte sollte als sozialpolitische Debatte und weniger moralisch geführt werden, forderte Chefredakteur Klenk bei der Podiumsdiskussion. Bereits 2013 hatte er im "Falter" geschrieben, die hohe Abtreibungsrate in Österreich sei "kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis schlechter Politik". Klenk vermisst - wie er sagte - eine Analyse gesellschaftlicher Zustände: Warum bzw. in welchen prekären Situationen treiben Frauen ab? Wer ist besonders betroffen? Sei Abtreibung eine Armutsfrage, könne die Politik etwas dagegen tun, erklärte der Journalist. Länder, die gute familienpolitische Rahmenbedingungen schaffen, hätten eine höhere Geburtenrate. Ebenso wichtig sei es, den Bildungsauftrag wahrzunehmen, unterstrich Florian Klenk.
Das "Schwarz-Weiß-Denken" gelte es in der Abtreibungsfrage endlich beiseitezuschieben, forderte Klenk. Die Thematik sei hoch emotionalisiert, zwischen den Extrempositionen gebe es anscheinend keinen Mittelweg.
"Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung"
Einig waren sich die Diskutanten, dass die Zahl der Abtreibungen möglichst gering sein sollte. "Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung", so Martina Kronthaler. Die "Aktion Leben"- Generalsekretärin vermisst ein deutliches Bekenntnis der Politik, die Zahl der Abtreibungen senken zu wollen.
Dass Abtreibung ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, als Recht der Frau verankert und staatlich finanziert werden sollte, wofür Klenk plädierte, könne die "Aktion Leben" hingegen nicht mittragen. "Dann hätten die ungeborenen Kinder gar kein Recht mehr. Es geht darum, dass die Gewissensfreiheit von Ärztinnen und Ärzten, die keine Abtreibung durchführen wollen, erhalten bleibt. Und es müssen Mindeststandards erhalten bleiben, wie das im ohnehin sehr liberalen österreichischen Abtreibungsrecht der Fall ist", so Kronthaler.
Sie warb für die Bürgerinitiative "Fakten helfen!". Darin fordert die "Aktion Leben" eine anonyme Statistik über Abtreibungen sowie die Erforschung der Motive durch eine regelmäßig durchgeführte Motiveerhebung auf freiwilliger Basis. (Informationen: www.fakten-helfen.at)
Dieser Text stammt von der Webseite http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/65851.htmldes Internetauftritts der Katholischen Presseagentur Österreich.Es sei hoch an der Zeit, das Thema Schwangerschaftsabbruch zu enttabuisieren, denn jede Abtreibung sei eine zu viel: Das war der Tenor eines Diskussionsabends der "Aktion Leben" unter dem Titel "Für immer ein Tabuthema?" am Mittwochabend in Wien. Diskutiert haben "Aktion-Leben"-Generalsekretärin Martina Kronthaler und der Chefredakteur der Wochenzeitung "Der Falter" Florian Klenk. Anlass war die noch bis 15. Dezember laufende Bürgerinitiative "Fakten helfen!", mit der die "Aktion Leben" auf der Basis gesicherter Daten ein zielgerichtetes Gegensteuern gegenüber Abtreibungen erreichen will. "Man sollte Frauen unter die Arme greifen, damit sie nicht abtreiben müssen", meinte auch Klenk.
Österreich liege mit mindestens 30.000 Abtreibungen jährlich im europäischen Spitzenfeld, argumentierte Kronthaler dafür, dass Schwangerschaftsabbrüche politisch und gesellschaftlich viel stärker Thema werden müssten. Drei Maßnahmen seien erforderlich, um Frauen in Zukunft Alternativen zur Abtreibungsklinik anzubieten: Zuerst müsse die Prävention in Österreich flächendeckend ausgebaut werden. Im Vergleich zu anderen Staaten, die beispielsweise gratis Verhütungsmittel für Jugendliche ausgeben, hinke Österreich gewaltig hinterher.
Weiters plädierte Kronthaler für eine Meldepflicht der Ärzte: Zurzeit könne man nur grob schätzen, wie hoch die Zahl an Abtreibungen in Österreich tatsächlich ist. Der dritte Ansatzpunkt müsse eine Änderung kinder- bzw. familienfeindlicher Haltungen und Strukturen sein. Solange Mütter mit kleinen Kindern immer noch mit massiven Benachteiligungen, beispielsweise in der Arbeitswelt, zu rechnen hätten, würde es auch Abtreibungen geben, so Kronthaler. "Scheinheilig" nannte sie es, wenn erwerbstätige Mütter ihr Kind ein Jahr nach der Geburt in Betreuung geben und dafür "schief angeschaut" werden.
Die Abtreibungsdebatte sollte als sozialpolitische Debatte und weniger moralisch geführt werden, forderte Chefredakteur Klenk bei der Podiumsdiskussion. Bereits 2013 hatte er im "Falter" geschrieben, die hohe Abtreibungsrate in Österreich sei "kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis schlechter Politik". Klenk vermisst - wie er sagte - eine Analyse gesellschaftlicher Zustände: Warum bzw. in welchen prekären Situationen treiben Frauen ab? Wer ist besonders betroffen? Sei Abtreibung eine Armutsfrage, könne die Politik etwas dagegen tun, erklärte der Journalist. Länder, die gute familienpolitische Rahmenbedingungen schaffen, hätten eine höhere Geburtenrate. Ebenso wichtig sei es, den Bildungsauftrag wahrzunehmen, unterstrich Florian Klenk.
Das "Schwarz-Weiß-Denken" gelte es in der Abtreibungsfrage endlich beiseitezuschieben, forderte Klenk. Die Thematik sei hoch emotionalisiert, zwischen den Extrempositionen gebe es anscheinend keinen Mittelweg.
"Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung"
Einig waren sich die Diskutanten, dass die Zahl der Abtreibungen möglichst gering sein sollte. "Keine Frau wünscht sich eine Abtreibung", so Martina Kronthaler. Die "Aktion Leben"- Generalsekretärin vermisst ein deutliches Bekenntnis der Politik, die Zahl der Abtreibungen senken zu wollen.
Dass Abtreibung ganz aus dem Strafgesetzbuch gestrichen, als Recht der Frau verankert und staatlich finanziert werden sollte, wofür Klenk plädierte, könne die "Aktion Leben" hingegen nicht mittragen. "Dann hätten die ungeborenen Kinder gar kein Recht mehr. Es geht darum, dass die Gewissensfreiheit von Ärztinnen und Ärzten, die keine Abtreibung durchführen wollen, erhalten bleibt. Und es müssen Mindeststandards erhalten bleiben, wie das im ohnehin sehr liberalen österreichischen Abtreibungsrecht der Fall ist", so Kronthaler.
Sie warb für die Bürgerinitiative "Fakten helfen!". Darin fordert die "Aktion Leben" eine anonyme Statistik über Abtreibungen sowie die Erforschung der Motive durch eine regelmäßig durchgeführte Motiveerhebung auf freiwilliger Basis. (Informationen: www.fakten-helfen.at)