
Kirche wird sich nie mit Abtreibung abfinden
"Unsere katholische Kirche kann und wird sich mit der Auslöschung noch ungeborener Menschen durch Abtreibung nie abfinden": Das hat der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari am Freitagabend bei einer Predigt im Bildungshaus Mariatrost vor der Vollversammlung des Diözesanrats klargestellt. Den Schutz des Lebens an dessen Anfang und Ende - ein Thema des Treffens - bezeichnete Kapellari als "Dauerauftrag", den die Kirche auch dann beharrlich vertreten müsse, wenn dies ungelegen sei. Begründet sei dieser Einsatz durch die biblischen Beschreibungen von Gott als "Freund des Lebens" - und darin, dass "auch der Embryo eine Person ist".
Die Kirche wisse sich "unverzichtbar verpflichtet, gegen Abtreibung in der öffentlichen Meinung mit Argumenten anzugehen und in Konfliktsituationen ideelle und materielle Hilfe zu geben", so der Bischof. Statt dabei eine "katholische Sondermoral" zu vertreten, suche sie Allianzen für Lebensschutz auch jenseits ihrer Einflusssphären, zumal besonders in der postmodernen Gesellschaft das menschliche Leben besonders an seinem Anfang und Ende bedroht sei. Nötig sei es, entschieden Nein zu sagen zur Öffnung von Grenzen, die ungeborenes Leben schützen und einen kollektiven Dammbruch verhindern sollen.
Die Kirche setze sich ebenso entschieden für geborenes Leben ein, erklärte Bischof Kapellari weiter. "Sie hilft auch unzähligen Geborenen zu einem materiell und spirituell besseren Leben." Als Beispiele nannte Kapellari den Einsatz für Straßenkinder, Aidswaisen und Hungernde sowie die "zahllosen kirchlichen Sozialeinrichtungen" wie Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Alten- und Behindertenheime oder auch die Beratungs- und Unterstützungsangebote in Bezug auf Ehe und Familie.
Im Hinblick auf die offenen Frage des Umgangs mit der Not infolge von Krieg und Terror in Syrien und Irak sowie mit dem Immigrationsdruck aus Nordafrika betonte Kapellari, die Kirche sei "nicht zum Nichtstun verurteilt", auch wenn die Pfarren und Diözesen keine langen Hebel zum Besseren besitzen würden und global wenig ausrichten könnten. "Regional und lokal können wir unverdrossen viel Gutes tun", ermutigte der Bischof zu vielen kleinen Schritten. Diese könnten in Gesamtheit zu einer "Globalisierung der Solidarität" beitragen.