
Zulehner: Katholische Schulen sind "Kirche pur"
In katholischen Schulen findet sich "Kirche pur". Hier erfülle die Kirche ihren Auftrag, im Leben der Menschen und im Land präsent zu sein. Das hat der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner beim jüngsten "Tag der katholischen Privatschulen" im Stift Wilhering (Oberösterreich) betont. Diese Schulen seien - neben kirchlichen Kindergärten und Krankenhäusern - "Juwele der katholischen Kirche", so Zulehner. Hier zeige sich Kirche "wahrscheinlich viel intensiver als an einer theologischen Fakultät oder in einem Ordinariat. Denn das ist der Ernstfall der Kirche".
Die Besonderheit der katholischen Schulen komme nicht in erster Linie dadurch zum Vorschein, dass dort geprägte Zeiten und kirchliche Feste begangen werden, sondern in der täglichen Schulpraxis. Zulehner: "Der pädagogische Alltag macht die katholische Schule aus."
Das eigentliche Potenzial der katholischen Schulen seien die Lehrkräfte, wenn sie authentisch als Christen leben und den Schülern ein glaubwürdiges Vorbild sind. Berufungen zu fördern sei heute nicht mehr das vorrangige Ziel katholischer Schulen, meinte der Theologe. Sie sollten vielmehr "alle pädagogischen Fähigkeiten dafür einsetzen, dass aus den ihr anvertrauten Kindern liebende Menschen werden".
Gleichzeitig sprach sich Zulehner für eine Pädagogik aus, die Angst bekämpft. "Das heißt positiv: für das Vertrauen und gegen die Angst. Gegen Gewalt, gegen Gier, gegen Lüge. Machen Sie einen Pisa-Test dafür!", riet Zulehner den Schulverantwortlichen. Denn der jetzige Pisa-Test nehme die Schule in die "Geiselhaft wirtschaftlicher Effizienz". Katholische Schulen würden sich dieser Geiselhaft entgegenstellen und in erster Linie die Entwicklung des Menschen fördern wollen. Zulehners Fazit: "Wer das Glück hat, in eine ihrer Schulen aufgenommen zu werden, geht mit weniger Angst und mehr Liebe hinaus."
Zukünftige Herausforderungen
Ausgehend von seiner Langzeitstudie "Religion im Leben der Österreicher" stellt Zulehner eine geringer werdende Bindung zur Kirche und einen schrumpfenden Katholikenanteil in Österreich fest. Für katholische Schulen bedeute das, dass sie bei der Aufnahme von Schülern in die Breite gehen müssen. Vor den Schulerhaltern und Direktoren betonte Zulehner: "Ich garantiere Ihnen, sie werden viele Schulen zusperren müssen, wenn sie nur noch auf Katholiken setzen. Das herkömmliche Potenzial schrumpft, daher werden wir auch mit Andersgläubigen in guten Schulen wie ihren zusammen sein. Das ist nicht nur Not, sondern Berufung der katholischen Schule!" In dieser Vielfalt weiterhin eine katholische Schule zu sein, sei die Herausforderung der Zukunft.
Umfrage bescheinigt hohen Stellenwert
Eine Umfrage des Linzer Market-Instituts bescheinigt den katholischen Privatschulen der Diözese Linz einen hohen Stellenwert. Eltern schätzen die Qualität der Schulen, das weltanschaulich-soziale Engagement und das Bemühen um jeden Einzelnen. Rund 60 Prozent der Oberösterreicher sehen die katholischen Privatschulen grundsätzlich positiv. Knapp ein Drittel würde ihr Kind "auf jeden Fall" auf eine katholische Privatschule schicken.
In Oberösterreich gibt es 55 katholische Privatschulen in der Trägerschaft von Ordensgemeinschaften oder der Diözese Linz: sieben Volksschulen, neun Haupt- und Neue Mittelschulen, 13 allgemeinbildenden höheren Schulen und 26 berufsbildenden Schulen.