
Konkrete Not Wiederverheirateter berücksichtigen
Beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen ist nach den Worten des Feldkircher Bischofs Benno Elbs "nicht so sehr eine Gesetzesveränderung die Lösung", sondern der pastorale Umgang mit einer Notsituation der Betroffenen. "Nähe und Barmherzigkeit" seien für ihn zwei Leitworte im Blick auf das Scheitern und bedrückende Lebenslagen, sagte der Bischof im Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Furche" (Donnerstag). Elbs vertritt die Österreichische Bischofskonferenz bei der Familiensynode 2015 im Vatikan, bei der Entscheidungen zum Sakramentenempfang von wiederverheirateten Geschiedenen - ein bei der vorbereitenden, außerordentlichen Synode vom Oktober heiß diskutiertes Thema - erwartet werden.
Es gelte dabei zwei Brennpunkte zu beachten, sagte Bischof Elbs: die biblisch begründete unauflösliche Ehe einerseits und eben die konkrete Situation der Betroffenen. "Wenn man diese beiden Pole im Blick hat, dann findet man in der Einzelsituation die Lösung, in der ein Mensch gut leben kann."
Eine "Generallösung" - uneingeschränkter Sakramentenzugang für Geschiedene ohne Einzelfallprüfung - wird es nach Elbs' Einschätzung "kaum geben, weil die Kirche nie das Ideal der Ehe außer Kraft setzen will und kann". Andererseits wolle er auch nie jemanden, der in einer schwierigen Situation ist, verurteilen, fügte der Bischof hinzu. Einem seelsorglichen Umgang im Sinne Jesu entspreche, "im Einzelfall eine Lösung zu finden".
Elbs schätzt "Kultur des offenen Wortes"
Womöglich wäre es leichter gewesen, vor 40 Jahren und nicht im gegenwärtigen Pluralismus und Relativismus Priester zu sein, sagte Elbs. "Aber ich bin gerne heute Priester. Am meisten schätze ich die Freiheit einer Gesellschaft, in der man denken und sagen kann, was man auf dem Herzen hat - das ist ein unwahrscheinliches Geschenk." Diese von Papst Franziskus forcierte "Kultur des offenen Wortes" sei auch bei der Bischofssynode im Oktober geschätzt worden.
Heute sähen sich Menschen, die für etwas stehen, oft unter Druck, "immer für alle Seiten offen zu sein". Elbs' Rat, wie in dieser "Logik der modernen Gesellschaft" der Glaube gelebt werden kann, ist es, "als glaubwürdiger Christ zu leben und ansteckend zu sein, Freude auszustrahlen. Wie der Papst sagt: Das Problem vieler Christen ist, dass sie wie eine in Essig eingelegte Pfefferoni aussehen."
In der Gegenwart tue manchmal eine "heilsame Unterbrechung" gut, wies der Feldkircher Bischof auf eine Kurzdefinition des Theologen Johann Baptist Metz für Religion hin. "Daher ist auch Religion so wichtig: dass man unterbricht und nachdenkt, worauf es eigentlich ankommt."
Anlass für das Gespräch von Benno Elbs mit "Furche"-Chefredakteur Rudolf Mitlöhner und Religionsressortleiter Otto Friedrich war die Präsentation seines Buches "Im Stallgeruch der Schafe. Wege pastoraler Arbeit im 3. Jahrtausend", erschienen bei "Styria". Seine Hauptthese darin: Vorrangige Aufgabe der Hirten von heute sei es, Wunden zu heilen, "Seelen zu wärmen" und den Gläubigen nahe zu sein.