
"Aktion Leben" bekräftigt Kritik
Heftige Kritik am geplanten neuen Fortpflanzungsmedizingesetz hat einmal mehr die "Aktion Leben" geübt. "Aktion Leben"-Generalsekretärin Maria Kronthaler äußerte sich im "Kurier"-Interview (Montag) "extrem überrascht" über den Entwurf zum neuen Fortpflanzungsmedizingesetz, vor allem über das Erlauben der Eizellspende, die in Österreich zuvor noch kaum diskutiert worden sei. Der verständliche Kinderwunsch werde hier "auch um den Preis durchgesetzt, dass es anderen schlechter gehen kann", so Kronthaler.
Eine Eizellspende mache eine gesunde, fruchtbare junge Frau zur Patientin, die sich ohne Notwendigkeit einer anstrengenden und schmerzhaften Hormonstimulation unterziehen solle, so Kronthaler. Auch seien physische und psychische Folgen der Eizellspende noch kaum erforscht.
Empfängerinnen einer gespendeten Eizelle seien immer Hochrisikopatientin, kämen doch Schwangerschafts-Bluthochdruck und Präeklampsie bei ihnen "signifikant öfter vor". Auch sei das maximale Alter von 45 für die Empfängerin zu hoch. "Wir sollten Frauen sagen, wie sie ihre Gesundheit schützen können und nicht, wie sie sie gefährden", so die "Aktion Leben"-Generalsekretärin.
In anderen Ländern habe sich gezeigt, dass es zu wenige Eizellenspenderinnen aus dem Familienkreis gebe. Kronthaler: "Frauen, die gut aufgeklärt sind und nichts bezahlt bekommen, spenden kaum. Also wird es Aufwandsentschädigungen geben - in Spanien etwa ein Anreiz für Migrantinnen."
Als weitere Kritikpunkte am Gesetzesentwurf führte Kronthaler dessen Geringachtung der Kinderrechte an sowie die Nichteinbindung von Kinderärzten in der Gesetzeswerdung, zumal diese "zu den größten Kritikern der Auswüchse der Kinderwunschbehandlungen zählen"
| Gynäkologe Huber: "Sturzgeburt" |
| Bedenken zur geplanten Gesetzesnovelle äußert der Mediziner und Theologe Johannes Huber. Das Gesetz komme viel zu schnell, so Huber in der Sonntag-Ausgabe der "Kronenzeitung": "Das Gesetz ist, um in der Gynäkologensprache zu sprechen, leider eine Sturzgeburt." Es fehlten bei den angedachten Neuerungen die vorab nötigen wissenschaftlichen Studien. Man werde das Gesetz nun nicht mehr einfangen können, "aber man muss zumindest jene Menschen, die es künftig in Anspruch nehmen, unter Studienbedingungen begleiten, wie das in der Medizin üblich ist". So wisse man beispielsweise erst jetzt nach 30 Jahren künstlicher Befruchtung bei heterosexuellen Paaren, dass es sehr wohl Auswirkungen gebe, von denen man bislang noch nichts wusste, betonte Huber: Durch den Einstich in die Eizelle wird offensichtlich die Gen-Architektur, also der epigenetische Code der Zelle, verändert, was zu einer späteren Neigung zu Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck führen kann". Um die Rechte der Kinder kümmere sich niemand, kritisierte Huber weiter: "Sie haben keine Lobby. Genauso wie die Früh-Embryonen." Wenn die Bedürfnisse der künftigen Eltern befriedigt sind und überzählige Embryonen nicht mehr benötigt werden, müssen sie vernichtet werden. Für manche sind das ja nur Zellenansammlungen. Das ist ein Thema, das mich sehr bewegt." Wie Huber weiter sagte, sei es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch männliche Paare das Recht auf ein Kind zugesprochen bekommen. Hier wäre dann aber auch noch eine Leihmutterschaft notwendig: "Das Thema wird immer komplexer und hebt alle bisherigen Grenzen auf." Und es sei dann freilich auch nicht einsehbar, weshalb nicht auch alleinstehende Frauen eine künstliche Befruchtung in Anspruch nehmen dürften. Der Mediziner und Theologe kritisierte, dass die Politik von Lobbyisten getrieben werde, die nur wirtschaftliche Interessen verfolgten. Das Empfinden der meisten Menschen sei aber ein anderes. Das ignoriere die Politik. Huber: "Die Verantwortung gegenüber der Schöpfung wird dabei ebenfalls komplett außer Acht gelassen. Das meine ich gar nicht in erster Linie religiös, sondern einfach als größeren Zusammenhang ethischer, gesellschaftlicher, metaphysischer oder eben religiöser Dimension. Es gebe Menschen, "die überzeugt sind, dass unser Leben jenseits dessen, was wir sehen, noch eine andere Ebene hat, was angesichts der Quantenphysik auch wissenschaftlich nicht von der Hand zu weisen wäre". Diese Anschauung sei in der Menschheitsgeschichte die ältere und sei mit dem Bewusstsein des Menschen entstanden. Das habe wohl auch Kardinal Christoph Schönborn so gemeint, als er kürzlich im "Krone"-Interview davon sprach, dass es darum gehe, "was letztlich natürlich ist", so Huber. |
Die "Aktion Leben"-Generalsekretärin stellte auch die Kinder, bei denen Samen- oder Eizelle von Spendern stammen, in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen: "Die wenigsten Kinder erfahren das und wachsen mit einem Familiengeheimnis auf. Wir wissen aus der Adoptionsforschung, dass Familiengeheimnisse belastend sind. Den Kindern wird ein Teil ihrer Herkunft vorenthalten - das widerspricht den Kinderrechten." Deshalb sollten Eltern verpflichtet werden, ihre Kinder in einem gewissen Alter über die Spende kindgerecht aufzuklären - und sie sollten auf diesem Weg auch begleitet und unterstützt werden.
Zur geplanten bedingten Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) warnte Kronthaler vor möglichen Folgen. Es werde bereits davon gesprochen, dass man darüber nachdenken muss, auch auf ein erhöhtes genetisches Brustkrebsrisiko zu untersuchen. Das werde in England schon länger gemacht. Daran sehe man: "Die Tür steht offen und die ersten wollen schon durch diese Tür hindurch gehen. Und die PID ändert auch klimatisch etwas: Es besteht die Gefahr, dass dieses Gesetz zusätzliches Leid bei Menschen mit Behinderungen schaffen könnte. Manche fühlen sich infrage gestellt und als 'vermeidbar'."
Quelle: kathpress