
"Erster Schritt zum Designerbaby"
"Auch wenn es geleugnet wird, das ist ein erster Schritt zum Designerbaby": Peter Schipka, Generalsekretär der Bischofskonferenz, hat im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Dienstag-Ausgabe) die Position der katholischen Bischöfe bekräftigt und heftige Kritik an der Novelle zum geplanten Fortpflanzungsmedizingesetz geübt. Die Frage, was der Entwurf für das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Politik bedeute, beantwortet der Generalsekretär so: "Der Schutz des ungeborenen Lebens wird weiter ausgehöhlt. Das ist eine weitere Wunde, was den Lebensschutz betrifft."
Die Österreichische Bischofskonferenz hatte in ihrer offiziellen Stellungnahme zum Gesetzesentwurf am Montag von einem "ethischen Dammbruch" und "großen Irrtum" gesprochen. Dieser schaffe "unüberbrückbare Probleme und Leiden" im Namen einer "naiven Fortschrittsgläubigkeit", so die Bischöfe zur Novelle, die eine Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in bestimmten Fällen, der Eizell- und Fremdsamenspende für die In-vitro-Fertilisation (IVF) und für gleichgeschlechtliche Partnerschaften vorsieht. In ihrem Gutachten fordern die Bischöfe eine Rücknahme des Vorschlags und eine breite gesellschaftliche Diskussion über die geplanten Änderungen.
Scharfe Kritik übte Generalsekretär Schipka im "Presse"-Interview an VP-Justizminister Wolfgang Brandstetter: "Ich halte den Gesetzesentwurf für einen Kniefall des Justizministers vor der reproduktionsmedizinischen Lobby. Für die ist das auch ein gutes Geschäft." Er habe ein Gespräch mit dem Ressortchef geführt, ohne einen Sinneswandel herbeizuführen. Schipka: "Gerade von jemandem, der aus der Wissenschaft kommt, würde ich erwarten, dass er Argumenten zugänglich ist."
Von der ÖVP zeigte sich Schipka generell enttäuscht: "Ich stelle mir schon die Frage, ob das Parteiprogramm noch gilt. Man hat nicht den Eindruck, dass gelebt wird, wozu sich die ÖVP mit ihrem Grundsatzprogramm verpflichtet, zur uneingeschränkten Achtung vor dem menschlichen Leben - dem geborenen und dem ungeborenen."
"Mit christlichem Menschenbild unvereinbar"
Er selbst und alle Bischöfe würden sich grundsätzlich gegen Präimplantationsdiagnostik (PID) wenden, so Schipka weiter. Dabei "geht es nur darum, Embryonen herzustellen, um sie dann zu töten, wenn sie genetisch nicht passen".
Auch die kurze, nur zwei Wochen lange Begutachtungsfrist zur Novelle sei zu kritisieren. Schipka: "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Demokratie und von Menschen, die sich für die menschliche Würde einsetzen." Es wäre gerade in einer so sensiblen Frage notwendig, dass das Thema breit in der Gesellschaft diskutiert wird.
Sowohl die PID als auch die Eizellspende durch Dritte und die Fremdsamenspende seien mit einem christlichen Menschenbild unvereinbar, erläuterte Schipka: "Weil die genetische und die soziale Mutterschaft und Vaterschaft getrennt werden. Deswegen widersprechen Fremdsamenspende und Eizellspende dem Kindeswohl. Außerdem hat das Kind ein Recht auf Vater und Mutter. Durch das Gesetz werden bloß Erwartungen von Erwachsenen erfüllt." Ein generelles Verbot der Fremdsamenspende sei möglich und würde die Vorgaben des Verfassungsgerichtshofs erfüllen.