
Wiederverheiratete: Viele Fragezeichen nach Papstantwort
Papst Franziskus wird nach Einschätzung des Mailänder Kardinals Angelo Scola keine Änderungen im kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen vornehmen. In einem Interview sagte er der italienischen Tageszeitung "Corriere della Sera" am Dienstag auf die Frage, ob der Papst in dieser Frage eine Entscheidung treffen werde, die von den früheren Päpsten nicht geteilt worden wäre: "Ich glaube eigentlich nicht, dass er eine solche treffen wird."
Scola gilt als einer der profiliertesten Verteidiger der gegenwärtigen offiziellen kirchlichen Praxis, nach der wiederverheiratete Geschiedene vom Kommunionempfang ausgeschlossen sind.
Zugleich würdigte Scola in dem Interview die lebhafte Debatte über den Umgang mit wiederverheiraten Geschiedenen und Homosexuellen während der Bischofssynode im Oktober. Eine solche Debatte habe es bislang nicht gegeben.
Bei der "fliegenden Pressekonferenz" am Sonntagabend war Franziskus auch auf eine Frage zur Synode eingegangen, obwohl Vatikansprecher P. Federico Lombardi zuvor die Journalisten gebeten hatte, ausschließlich Fragen zu Nahost, Türkei, Dialog und Ökumene zu stellen. Eine amerikanische Journalistin stellte dann aber doch die Frage zur Synode, zu Wiederverheirateten und zu homosexuellen Paaren.
Der Papst bekräftigte in seiner Antwort, dass die Synode aus seiner Sicht "ein Weg, ein Prozess" sei. Auch die Schlusserklärung der Synode vom vergangenen Oktober sei "ein provisorischer Text". Alle ihre Punkte seien in das Grundlagenpapier (Lineamenta) eingegangen, das vor kurzem für die nächste Synode (Oktober 2015) erarbeitet wurde.
"Es wurde den Bischofskonferenzen zugeschickt. Sie sollen darüber diskutieren, ihre Änderungsvorschläge schicken, daraus wird dann ein weiterer Text, und dann wird die kommende Synode ihre machen. Das ist ein Prozess. Darum kann man nicht nur eine Meinung, eine Person oder einen Entwurf betrachten - die Synode müssen wir in ihrer Ganzheit sehen. Auch ich bin mit einigem nicht einverstanden, aber das ist meine Meinung, nicht wahr? Die will ich nicht allen anderen überstülpen. Ich bin nicht einverstanden, wenn man sagt: 'Heute hat dieser Synodenvater dies gesagt und jener Synodenvater hingegen jenes' - nein. Man soll berichten, was gesagt wurde, aber nicht von wem. Warum? Weil die Synode kein Parlament ist. Sie ist ein geschützter kirchlicher Raum, und dieser Schutz ist dazu da, dass der Heilige Geist sein Werk tun kann", so die wörtliche Antwort des Papstes.