
Bischof Küng: Familie ist kein Auslaufmodell
Die Familie ist kein Auslaufmodell und die vatikanische Bischofssynode müsse die Familien dabei unterstützen, ihre Aufgabe als Keimzelle des Glaubens und des Christseins wahrzunehmen. Das hat der St. Pöltner Bischof Klaus Küng betont. Genauso müssten von der Synode Hilfestellungen ausgehen für Familien, "die sich in Schwierigkeiten befinden, auch für jene, die den Weg zu einer definitiven Familiengründung noch nicht gefunden haben oder gescheitert sind", so Küng weiter.
Der Bischof hielt am Mittwochabend einen Vortrag bei der Festveranstaltung zu seinem 10-jährigen Amtsjubiläum als Diözesanbischof, zu der die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten eingeladen hatte. Küng ist in der Österreichischen Bischofskonferenz u.a. für Familienfragen zuständig.
Nach der außerordentlichen Bischofssynode im vergangenen Oktober solle es nun in allen Diözesen zu einer weiteren Vertiefung der Familienthemen kommen, forderte Küng im Blick auf die kommende ordentliche Bischofssynode im Herbst 2015: "Ich hoffe sehr, dass der ganze Vorgang ein Werk des Heiligen Geistes ist, und durch eine zeitgemäße Familienpastoral eine neue Ausrichtung der kirchlichen Sendung in der heutigen Welt erreicht wird."
Es gebe einen breiten Konsens darüber, dass die Familie der wichtigste Lernort für Verantwortung, Zusammenarbeit und Solidarität sei, ohne die eine Gesellschaft "zunehmend egoistischer und dekadent" werde. Die Sehnsucht nach einer Familie auf der Basis einer stabilen Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau - die gerade bei jungen Menschen weiterhin ganz oben auf der Werteskala stehe - entspreche der Schöpfungsordnung und sei von Gott "von Anfang an dem Menschen tief ins Herz verwurzelt". Dies werde auch im Schlussbericht der Synode (Relatio synodi) in mehreren Punkten dargelegt.
Die hohe Zahl an Scheidungen - auch von kirchlich getrauten Ehepaaren - liege auch daran, dass "oft das Glaubensleben und die Glaubenspraxis sehr wenig entwickelt" seien, wie Küng erklärte. In der Synode sei mehrfach zur Sprache gekommen, dass "der Krise der Familie unter den Gläubigen eine Krise ihres Glaubens vorangegangen" sei.
Küng zeigte sich erfreut, dass im Schlussbericht die Empfehlung ausgesprochen ist, die Ehevorbereitung zu verbessern. Wichtig sei dabei die Beteiligung von erfahrenen Ehepaaren sowie die Begleitung der jungen Paare, insbesondere in den ersten Jahren nach der Hochzeit.
Der Bischof zeigte sich davon überzeugt, dass "die Seelsorge bei uns eine neue Orientierung nötig hat, die uns die Bischofssynode im kommenden Jahr hoffentlich bringen wird". Wie Papst Johannes Paul II. gelehrt habe, führe der Weg der Kirche über die Familie. "Die Familie gehört ins Zentrum gerückt", so Küng. Die Pfarre der Zukunft sei die "Heimat der Familien" und werde "weitgehend von christlichen Familien getragen" werden. Im Abschlussbericht der Synode sei auch mehrmals von Hauskirche die Rede, die Küng als einen "hoffnungsvollen Ansatz" bezeichnete.
"Kirche muss dem Evangelium treu sein"
Den Aspekt der Sexualität habe die Synode sehr wohl angesprochen, "auch wenn es von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurde", wie Küng sagte. Im Schlussbericht werde mehrmals die Enzyklika "Humanae vitae" von Papst Paul VI. erwähnt. Es sei zu hoffen, "dass die Synode im kommenden Herbst auch diesbezüglich Ansätze aufzeigen und ermutigend wirken wird". Besonders die von Papst Johannes Paul II. entwickelte "Theologie des Leibes" sei "ein Schatz, der noch nicht gehoben ist". Auch in diesem Zusammenhang brauche es vor allem Ehepaare, die entsprechend leben und erfahren sind.
Zu anderen "offenen Fragen" sagte Küng, dass es sicher noch weitere Beratungen geben werde: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in den Prinzipien zu großen Änderungen kommt: Die Kirche muss dem Evangelium treu sein." Sicher sei jedoch, dass "gerade der Glaube an Christus für alle Hilfe vermittelt".
Im Schlussbericht der Synode werde angeführt, was Papst Franziskus schon in seiner Enzyklika "Evangelii gaudium" geschrieben habe, "nämlich dass die Kirche, ihre Priester und alle Gläubigen 'die Kunst des Begleitens' lehren muss und dass wir allen mit einer positiven Haltung begegnen, sie verstehen und ihnen beistehen müssen, indem wir sie einladen, dem näher zu kommen, der das Heil der Welt ist".
Im Rahmen der Festveranstaltung wurde auch Bischof Küngs Buch "Damit sie das Leben haben", das bereits im September im Verlag Pustet erschienen ist, vorgestellt. Dem Bischof wurde zudem die Ehrenmitgliedschaft des Vereins der Freunde der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Pölten verliehen.