
Friede, Flüchtlinge größte Aufgaben 2015
Arbeit am Frieden im umfassenden Sinn - militärisch, sozial, innerfamiliär, religiös - und Hören des Hilfeschreis der Flüchtlinge an der EU-Südgrenze sind die größten Aufgaben für Politik, Zivilgesellschaft und Kirche im neuen Jahr 2015. Das haben Salzburgs Erzbischof Franz Lackner und Innsbrucks Bischof Manfred Scheuer am Mittwoch zum Jahreswechsel betont. "Vertrieben zu werden, die angestammte Heimat verlassen zu müssen, gehört zu den ganz schweren Schicksalsschlägen im Leben", sagte Lackner im Salzburger Dom. "Wie können die Kriegsschauplätze im Kleinen und im großen befriedet werden? Wie kommen wir mit den Nachbarn und Kollegen halbwegs zusammen? Aber auch: Wir suchen nach einem Turn-around, einem Gesinnungswandel im Umgang mit Flüchtlingen, Asylanten und Fremden", so Scheuer.
Erzbischof Lackner würdigte in diesem Zusammenhang das Flüchtlingsengagement vieler Menschen in der Erzdiözese Salzburg. Er erinnerte zudem an weitere Gruppen von Menschen in Notsituationen - "Verlierer im Wohlfahrtsstaat, die nicht die Umgebung oder Unterstützung erfahren die sie bräuchen", - und er erwähnte u.a. Kinder, die nicht geboren werden, oder Kinder, die in einer problematischen Konstellation zur Welt kommen.
"In Kürze wird im Parlament das neue Fortpflanzungsmedizingesetz beschlossen werden. Damit muss eine Ungleichbehandlung behoben werden, um so die Grundlage für eine Gleichbehandlung zu schaffen, der ein Wunsch voraus geht, der lautet: Ein Kind um jeden Preis. Mit einher wird allerdings eine Tür wie ich meine gedankenlos geöffnet: Bestimmte Kinder um keinen Preis. Die Stimme des Kindes wurde in einer unverständlicherweise sehr kurzen Begutachtungsfrist nicht gehört", kritisierte der Erzbischof.
Bischof Scheuer sagte im Innsbrucker Jakobsdom, dass seine Tiroler Diözese 2014, im Rahmen des 50-Jahr-Jubiläums und zum sogenannten "Sozialen Herbst", bewusst einen ganz starken Akzent für die Caritas in den Bereichen Armut, Not und Sucht gesetzt habe und diesen weiterhin setzen werde. Wenn das Jubiläum auch "eine vitale Kirche" erfahrbar gemacht habe, so habe es doch auch "Wunden und Niederlagen" gegeben.
Konkret erwähnte Scheuer in diesem Zusammenhang die Exkommunikation der "Wir sind Kirche"-Vorsitzenden Martha Heizer und ihres Ehemanns. Sie hätten nicht zu einem Umdenken bewegt werden können, nachdem sie wegen ihres Messe-Simulierens in Probleme geraten waren.
Scheuer ging auch auf die Enzyklika "Evangelii Gaudium" von Papst Franziskus ein. "Um aus tiefster Seele Verkünder des Evangeliums zu sein, ist es auch nötig, ein geistliches Wohlgefallen daran zu finden, nahe am Leben der Menschen zu sein, bis zu dem Punkt, dass man entdeckt, dass dies eine Quelle höherer Freude ist. Die Mission ist eine Leidenschaft für Jesus, zugleich aber eine Leidenschaft für sein Volk", schreibe der Papst in diesem seinen viel beachteten Dokument zu seiner Glaubenssicht. Der Innsbrucker Bischof erwähnte, dass er hierzulande bereits "Spuren dieser Freude an der Kirche" wahrnehme, "Zeichen des Aufbruchs und der Hoffnung", wofür er sehr dankbar sei.