
Religiöse Minderheiten in der Türkei
Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat den Mitgliedern nicht-muslimischer Minderheiten im Land die vollen Rechte als Staatsbürger zugesichert. Seine Regierung unterscheide die Bürger nicht nach Zugehörigkeit zu einer Religion, einer Konfession oder Ethnie, sagte Davutoglu am Freitag bei einem Treffen mit Vertretern der religiösen Minderheiten der Türkei in Istanbul, wie die Nachrichtenagentur Anadolu meldete.
Davutoglu verwies darauf, dass unter der Regierung der von ihm geführten islamisch-konservativen Partei AKP die Rückgabe enteigneter Immobilien an Nicht-Muslime begonnen habe. Angehöriger aller Religionen müssten ihre Stimme gegen Ausgrenzung erheben, so der Ministerpräsident. Er verwies auf eine wachsende Islamfeindlichkeit und einen zunehmenden Antisemitismus in Europa. Dort würden Moscheen angegriffen, sagte er mit Blick auf eine jüngste Serie von Brandanschlägen in Schweden. Ein entschiedenes Eintreten gegen Islamophobie richte sich nicht nur gegen die Diskriminierung von Muslimen, sondern gegen jedwede Ausgrenzung aufgrund von Religion.
Bau von Kirche genehmigt
Erstmals seit der Gründung der Türkischen Republik im Jahr 1923 genehmigte die Regierung in Ankara nun den Bau einer neuen christlichen Kirche. Sie soll im Istanbuler Stadtteil Yesilköy errichtet werden, der auf der europäischen Seite der Stadt am Ufer des Marmarameeres liegt. Das Gotteshaus der christlichen syrischen Minderheit solle auf städtischem Grund und Boden entstehen, hieß es am Samstag aus Kreisen der islamisch-konservativen Regierung in der Hauptstadt Ankara.
Bisher seien in der modernen Türkei - wie die APA a Samstag weiter berichtet - nur Kirchen saniert oder wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Ein Neubau sei aber nie genehmigt worden. Die neue Kirche soll den Angaben aus Regierungskreisen zufolge aus den Mitteln einer Stiftung bezahlt werden. Mit dem Bau soll demnach in den kommenden Monaten begonnen werden.
Nicht-Muslime machen in der Türkei nur eine kleine Minderheit von weniger als 200.000 unter 77 Millionen Einwohnern aus. Zu den größten Minderheiten gehören die Armenier mit geschätzt rund 80.000, die Katholiken mit 35.000, die syrisch-orthodoxen Christen mit rund 20.000 sowie die jüdische Gemeinde mit ebenfalls rund 20.000 Gemeindemitgliedern.