
Fortpflanzungsgesetz "degradiert Frauen"
Der vorliegende Entwurf zum Fortpflanzungsmedizingesetz geht nicht nur zu Lasten der Kinder, sondern auch der Frauen. Wie die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, in der jüngsten Ausgabe der "Furche" warnte, "degradiert" die Novelle Frauen "zu Eizell-Lieferantinnen und Gebärmaschinen". "Da müssten eigentlich alle Frauenorganisationen aufschreien!" und dazu beitragen, das Gesetz "mit allen Mitteln zu verhindern".
Eine Weichenstellung wie die von der Regierung vorgesehene würden laut Schaffelhofer vorhersehbar auch den Weg zur Zulassung der Leihmutterschaft bereiten, sofern deren Verbot nicht in der Verfassung verankert werde. Ein mögliches Einfallstor bilde die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Schaffelhofer: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Verfassungsgerichtshof lesbischen Paaren ein Recht auf Kinder zugesteht, aber homosexuellen Männern nicht."
Auch in Bezug auf die Präimplantationsdignostik (PID) erneuerte die KAÖ-Präsidentin und "Furche"-Geschäftsführerin ihre massiven Bedenken wegen der damit verknüpften Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben. PID "nur in Ausnahmefällen" zu gestatten beinhalte die Gefahr, "dass Ausnahmefälle in Österreich schnell zur Regel werden".
Zum Einwand, wenn laut Strafgesetzbuch eine Abtreibung behinderter Föten bis kurz vor der Geburt erlaubt ist, sei es eigenartig, wenn Eizellen vor der Einsetzung in die Gebärmutter nicht auf Erbdefekte untersucht werden dürften, sagte Schaffelhofer, er sei berechtigt. Aber wenn diese eugenische Indikation schon einen "Dammbruch" darstelle, "legitimiert das keinen weiteren".
Das Fortpflanzungsmedizingesetz kurz vor Weihnachten mit gekürzter Begutachtungsfrist im Ministerrat "durchzuwinken", hält Schaffelhofer für eine "miese, politische Taktik". Der "zweite Wahnsinn" bestehe darin, dass ausgerechnet jene Experten als Berater tätig sind, "die durch ein liberaleres Gesetz Gewinne wittern". Die Forderung der KAÖ-Präsidentin: "Deshalb braucht es endlich eine Entschleunigung für eine ideologiefreie Debatte." Die zusammen mit dem Katholischen Familienverband, der "Aktion Leben", der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände und den Ordensgemeinschaften gebildete Protestplattform "kinderbekommen.at" werde "alles tun, um die Abgeordneten davon zu überzeugen.
Probleme mit "Fremdem im Bauch"
In dem "Furche"-Gespräch kamen auch Gertraude Steindl, die Präsidentin der "Aktion Leben", und die Kinderärztin und Psychotherapeutin Katharina Kruppa zu Wort. Zum Thema Eizellspende berichtete Steindl, die "Aktion Leben"-Beratungsstellen seien schon jetzt mit Frauen konfrontiert, die nach einer Befruchtung mit einer fremden Eizelle im Ausland nun "massive Probleme haben, das "Fremde in ihrem Bauch" anzunehmen". Kruppa wies auf die erhöhten gesundheitlichen Risiken durch die Gesetzesänderung hin: Die in Österreich ohnehin hohe Frühgeburtrate von elf Prozent liege bei assistierter Reproduktion mehr als doppelt so hoch, nämlich bei 23 Prozent. Zur Elternpsychologie sagte die Ärztin und Therapeutin, sie wisse aus ihrer langjährigen Berufserfahrung, "dass es einen Unterschied macht, ob Kinder als Geschenk oder Produkt gesehen werden".
Der umstrittene Gesetzesentwurf soll am 21. Jänner im Parlament zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Via soziale Medien und E-Mails sollen die Abgeordneten zu einem Aufschub und zu eingehender Debatte über diese weitreichende Regelung aufgefordert werden. (http://www.kinderbekommen.at)