
"Weltgebetswoche für die Einheit der Christen"
Von 18. bis 25. Jänner findet die diesjährige "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" statt. Während der Gebetswoche kommen weltweit Christen aus unterschiedlichen Konfessionen zusammen, um gemeinsam für die Einheit der Christenheit zu beten. Internationales Leitthema der Woche ist heuer eine Stelle aus dem Johannes-Evangelium: "Gib mir zu trinken" (Joh 4,7). In Österreich sind in den acht Tagen zahlreiche Veranstaltungen in allen Diözesen vorgesehen.
In engem Zusammenhang mit der Weltgebetswoche begehen die Kirchen am 17. Jänner den "Tag des Judentums". Das Christentum ist in seinem Selbstverständnis wesentlich mit dem Judentum verbunden; damit dies den Christen immer deutlicher bewusst wird, hat der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) im Jahr 2000 den "17. Jänner - Tag des Judentums" als Gedenktag im Kirchenjahr eingeführt. Dabei sollen sich die Christen in besonderer Weise ihrer Weggemeinschaft mit dem Judentum bewusst werden und zugleich des von ihnen an jüdischen Menschen und ihrem Glauben begangenen Unrechts in der Geschichte gedenken.
Heuer steht der "Tag des Judentums" zusätzlich unter einem besonderen Vorzeichen: Vor 50 Jahren wurde auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) das Dokument "Nostra Aetate" verabschiedet. Die Katholische Kirche definierte damit 1965 ihre Beziehungen zu den anderen Religionen neu. Sie anerkannte Wahres und Heiliges in den anderen Religionen und bestätigte die bleibende Erwählung des Judentums, in dem das Christentum wurzelt. Dies markierte eine Abkehr von einem antijüdisch definierten Absolutheitsanspruch.
Das Datum für den Tag des Judentums ist bewusst gewählt: Den Geist dieses Tages sollen die Kirchen in die anschließende weltweite "Gebetswoche für die Einheit der Christen" (18. bis 25. Jänner) weiter tragen. Denn bei allen Trennungen der Christenheit untereinander sei allen Kirchen gemeinsam, dass sie im Judentum verwurzelt sind, so die Veranstalter.
» Tipp: Dossier zur "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen"
Das Material für die diesjährige Gebetswoche wurde vom Nationalen Rat der christlichen Kirchen in Brasilien (CONIC) zusammengestellt. CONIC berief dazu eine Arbeitsgruppe ein, die sich aus Repräsentanten der Mitgliedskirchen und der angegliederten ökumenischen Organisationen zusammensetzte.
ÖRKÖ-Gottesdienst, Seminare und Studientage
Der Tag des Judentums wird in ganz Österreich mit verschiedenen Veranstaltungen und Gottesdiensten begangen. Der zentrale Gottesdienst des ÖRKÖ zum "Tag des Judentums" findet am Samstag, 17. Jänner, um 18 Uhr in der Wiener altkatholischen Heilandskirche (Rauchfangkehrergasse 12, 1150 Wien) statt. Das biblische Motto des Gottesdienstes ist dem Buch der Psalmen entnommen: "Lobet den Herrn, alle Völker! Preist ihn, alle Nationen!" (Ps 117,1). Die Predigt hält der Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit und frühere methodistische Superintendent Helmut Nausner.
Das Christlich-jüdisches Komitee Steiermark lädt am 17 Jänner (19 Uhr) zu einem Gottesdienst in die Grazer Heilandskirche (Kaiser Joseph Platz 9). Der Gottesdienst steht unter dem Motto: "Ist die Wurzel heilig, sind es auch die Zweige".
Anlässlich des Jubiläums von "Nostra Aetate" veranstalten alle wissenschaftlichen katholisch-theologischen Einrichtungen in Österreich - darunter die vier Fakultäten in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz - sowie viele weitere Einrichtungen rund um den 17. Jänner Seminare, Studientage oder Vorträge zur bleibenden Relevanz des Konzilsdokuments.
An der Universität Wien ziehen beispielsweise internationale Referentinnen und Referenten am 15. Jänner (14-18 Uhr, HS 47) Bilanz über den christlich-jüdischen Dialog. Beim Studiennachmittag (15-19 Uhr) zum Thema "Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" am 15. Jänner an der Universität Salzburg geht es zentral um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Dialog von Christentum und Judentum. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Karl Franzens-Universität Graz macht sich bei ihrer Veranstaltung am 14. Jänner (9-21 Uhr) mit dem Titel "Religionen und die Begegnung mit dem Anderen" auf "den Weg zu einer neuen Kultur des Miteinanders". Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck beleuchtet am 16. Jänner (14-17 Uhr) u.a. die wechselhafte und spannungsreiche Geschichte des Konzilsdokuments.
Die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten weist am 15. Jänner auf unterschiedliche theologische Dimensionen von "Nostra Aetate" ein. Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck beleuchtet am 16. Jänner (14-17 Uhr) u.a. die wechselhafte und spannungsreiche Geschichte des Konzilsdokuments. Die Hochschule Heilgenkreuz beschäftigte sich schon am 12. Jänner mit Abraham Josuah Heschel und jüdischen Impulsen für das Konzilsdokument. Die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Pölten beleuchtet am 15. Jänner (13.30-18 Uhr) die Wirkungsgeschichte von "Nostra Aetate". Die Katholisch Theologische Privatuniversität Linz hat am 19. Jänner (19.30 Uhr) die Darstellung des Judentums in den Gesangbüchern der Kirchen im Fokus.
Das Ordens- und Begegnungszentrum "Quo Vadis" am Wiener Stephansplatz lädt am 19 Jänner um 19 Uhr zur Veranstaltung "Entwurzelt Warum die jüdische Religion für Christen unverzichtbar ist": Otto Friedrich (Die Furche) im Gespräch mit Maximilian Gottschlich. Der Abend ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung "Kunst der Balance" mit Bildern von Maximilian Gottschlich (16. Jänner bis 1. April 2015). Im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt referieren am 19 Jänner (19 Uhr) namhafte Experten zum Thema "Was Christinnen und Christen vom Judentum wissen sollten".
Koordiniert von Weltkirchenrat und Vatikan
Die Erarbeitung des liturgischen und biblischen Materials für die "Weltgebetswoche" wird seit 1968 gemeinsam vom Weltkirchenrat (ÖRK) bzw. seiner "Kommission für Glauben und Kirchenverfassung" (Faith and Order) und vom Heiligen Stuhl bzw. dem Päpstlicher Rat für die Einheit der Christen koordiniert.
1908 initiierte der nordamerikanische anglikanische Priester Paul Wattson die "Oktav für die Einheit". Die "Bewegung für Glaube und Kirchenverfassung" veröffentlichte 1926 erstmals "Vorschläge für eine Oktav des Gebets für die Einheit der Christen". 1966 begannen die ÖRK-Kommission für Glaube und Kirchenverfassung (Faith and Order) und das damalige vatikanische Sekretariat zur Förderung der Einheit der Christen (heute: Päpstlicher Rat für die Einheit der Christen) offiziell damit, gemeinsam Materialien für die "Weltgebetswoche" vorzubereiten.
Die gemeinsame Veröffentlichung von identischen Texten begann im Jahr 2004, seit 2006 druckt der Weltkirchenrat alle Broschüren. Die Texte sowie zusätzliches Gottesdienstmaterial für die Gebetswoche sind inzwischen auf der Website des Weltkirchenrats auf englisch, französisch, deutsch, spanisch und portugiesisch verfügbar.
Quelle: Kathpress