
"Zweck heiligt nicht die Mittel"
Als "nicht vereinbar mit einem christlichen Menschenbild" hat Österreichs Jugendbischof Stephan Turnovszky die geplante Novelle zum Fortpflanzungsmedizingesetz kritisiert. Der Wunsch nach Kindern sei zwar verständlich, "der Zweck heiligt aber nicht die Mittel", so Weihbischof Turnovszky in der aktuellen Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".
Das Gesetz gebe grünes Licht für "umstrittene Technologien, die die Menschenwürde verletzen". Mit der Einführung der Eizellspende, der Präimplantationsdiagnostik (PID) und erweiterten Möglichkeiten für die Samenspende komme man vor allem den Bedürfnissen Erwachsener nach, "lässt das Kinderwohl aber außer acht".
Bedenklich sei, so der Jugendbischof, auch die Vorgehensweise der Regierung bei der Gesetzesbildung, die mit "den Erfordernissen der Demokratie" nicht vereinbar sei. Viel zu kurz war laut Turnovszky etwa die Begutachtungsphase und das "ausgerechnet bei einem ethisch so brisanten Thema". Über jede Änderung im Steuerrecht würde länger diskutiert als über solch grundlegende Fragen.
Die PID kritisierte Turnovszky als Verfahren, bei dem es "nie um die Heilung von Kindern geht, sondern darum, jene Kinder von vornherein nicht leben und sich entwickeln zu lassen, die krank sein könnten". Es handle sich um ein Verfahren der "gezielten Auslese von erwünschtem und unerwünschtem Leben".
Auch die Eizellspende berge ihre Risiken in sich und kann "eine Tortur sein". Dazu komme "natürlich", dass "da auch die Armut von Frauen ausgenutzt" werde, um sie gegen ein Entgelt zur Eizellspende zu bewegen, kritisierte der Bischof.
Als Jugendbischof schlägt Turnovszky vor, Kinder und Jugendliche zu fragen, "ob sie es für sich selbst wünschen würden, selektierte Überlebende oder das Produkt von fremden Ei- und Samenzellen zu sein". Nicht geklärt sei außerdem die Frage, was es für Kinder bedeute, nur zwei Mütter zu haben, so Turnovszky mit Bezug auf die Erlaubnis der Samenspende für lesbische Paare.
Über die Internetseite www.kinderbekommen.at sowie auf Twitter und Facebook laden alle großen Vereinigungen der katholischen Kirche ein, sich an die Abgeordneten zu wenden, damit sie der für den 21. Jänner angesetzten Beschlussfassung der Novelle nicht zustimmen und stattdessen die Gesetzesmaterie einer breiten umfassenden Diskussion zuführen.