
Schnuderl fordert Neuausrichtung in der Seelsorge
Für eine Neuausrichtung in der Seelsorge hat sich der Grazer Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl ausgepsrochen: "Es geht um eine erneute Lektüre des Zweiten Vatikanischen Konzils - es ist der Kompass für die Erneuerung der Kirche", so Schnuderl in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" (Sonntag). Die Kirche müsse missionarisch werden und Glauben verkünden, denn "wir können uns nicht darauf verlassen, dass alle Österreicher katholiche sind".
Schnuderl sprach sich für eine Weitergabe des Glaubens "von Mensch zu Mensch" aus, "die jeden Gläubigen dort abholt, wo er gerade steht". Mission müsse über das "übliche und wichtige Feld des Pfarrnetzes" hinausgehen, in Kindergärten, in den Religionsunterricht, die Krankenseelsorge oder in die Trauerbegleitung. Die Grenze sei dort erreicht, "wo wir zum liturgischen Partyservice werden", der auf Wunsch des Gläubigen alles mache. "Da müssen wir darauf hinweisen, dass wir auch die Aufgabe haben, das Heilige zu hüten."
Vom zukünftigen Bischof erhofft sich Schnuderl, dass "er das Konzil sehr ernst nimmt, ein Gefühl für die Leute in der Steiermark hat und die Bereitschaft zeigt, die Vielfalt des Landes kennenzulernen". Sonst gelte für den Bischof auch das, das einen guten Seelsorger ausmache: "Auf die Leute hinhören. Einfühlen, was ihre HOffnungen, ihr Sogen sind. Ein guter Seelsorger muss auch Geduld haben. Seelsorger bedeutet auch, jemandem helfen, Gott kennenzulernen."
Mit Blick auf die Diskussion um die Möglichkeit zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene sprach sich der Diözesanadministrator für die Möglichkeit eines "Neustarts für Gläubige" aus; vorausgetzt, "der Glaube an das, was in der Kommunion geschieht, ist da". Außerdem müsse eine versöhnte Situation mit dem Ex-Partner und den Kindern gegeben sein. Eine "katholische Scheidung" werde es aber nie geben, stellte Schnuderl klar, "aber vielleicht eine zweite Ehe mit dem Segen Gottes".
Angepsrochen auf die sinkende Kathoikenzahl meinte der Diözesanadministrator: "Jeder, der sich verabschiedet, tut uns weh. Wir bemühen uns auch, dass sie wieder zurückkommen." Im Hintergrund der aktuellen Austrittszahlen stehe eine "veränderte Kirchenerfahrung". "Ich habe meine erste religiösen Schirtte zu Hause gemacht. Heute haben Eltern weniger Zeit für ihre Kinder. Und man kann sich auch nicht auf die gläubigen Großmütter verlassen, die sich um die religiöse Erziehung kümmern", so Schnuderl. Dringend nötig sei eine Investition in die Familienpastoral, sagte der Diözesanadministrator und verwies auf die für Oktober geplante Familiensynode im Vatikan.
Klare Worte fand Schnuderl auch zu den Anschlägen in Paris: "Ich verurteile die Anschläge, aber ich könnte nicht sagen 'Ich bin Charlie'". Schon bei den dänischen Mohammed-Karikaturen hätten die Religionsgemeinschaften in Graz gesagt: "Wir wollen keine Verächtlichmachung von Religion." Das sei notwendig für ein gutes Zusammenleben. Die Grenze müsse jeder selber ziehen.