
"Einhellige Ablehnung aller Kirchen"
Eine "einhellige Ablehnung" der "Pegida"-Bewegung durch alle christliche Kirchen in Österreich hat der Pressesprecher der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente", Erich Leitenberger, festgestellt: Der Dialog der Religionen funktioniere in Österreich "so gut wie in keinem anderen europäischen Land", erklärte Leitenberger am Montag gegenüber "Radio Vatikan". Bereits im Vorfeld der am Montagabend durchgeführten erstmaligen Demonstration eines Österreich-Ablegers der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" in Wien sei es deshalb zu einem Schulterschluss der christlichen Kirchen gekommen.
Maßgebliche Vertreter hätten gegen die islamfeindliche Bewegung Stellung bezogen, berichtete Leitenberger. Sie hätten damit zum Ausdruck gebracht, dass es "zweifelsohne keine Lösung" sei, vorhandene Probleme damit zu beantworten, "dass man Ängste schürt und verschiedene Entwicklungen der jüngsten Zeit instrumentalisiert, um Menschen auszugrenzen." An dem "ausgezeichneten" ökumenischen Klima in Österreich sei viele Jahre gearbeitet worden, "man hat stetig versucht, einander auf Augenhöhe zu begegnen".
Als Besonderheit hob der "Pro Oriente"-Sprecher auch die Situation des Dialogs zwischen Christen und anderen Religionen in Österreich hervor. Eine Reihe von Initiativen wie etwa die "intensive Zusammenarbeit der katholischen und der muslimischen Jugend" würden auch mit dem bereits 1912 verabschiedeten Islamgesetz zusammenhängen, das eine Anerkennung der islamischen Glaubensgemeinschaft ähnlich wie jene der christlichen Kirchen und der Israelitischen Kultusgemeinschaft gesichert habe.
Zur ersten "Pegida"-Veranstaltung in Österreich waren am Montagabend 350 Anhänger - die Verantwortlichen berichten von 2.000 - sowie rund 5.000 Gegner, begleitet von einem enormen Polizeiaufgebot, auf die Wiener Freyung gekommen. Die Gegendemonstranten verstellten den Islamkritikern den geplanten Weg zum nahe gelegenen Platz "Am Hof", woraufhin die "Pegida"-Verantwortlichen die Protestveranstaltung nach einer Stunde für beendet erklärten. Neben Anzeigen nach dem Versammlungsgesetz wegen nicht angemeldeter Gegendemonstrationen gab es offenbar auch Verstöße nach dem Verbotsgesetz durch rechtsgerichtete "Pegida"-Anhänger. Die Polizei nahm 13 Personen fest und wertet derzeit Videos und Fotos zur Beweisaufnahme aus.