
Caritas fordert Maßnahmenpaket für pflegende Angehörige
Die hohe Anzahl von Pflegebedürftigen, die zuhause von Angehörigen - darunter viele Kinder und Jugendliche - betreut werden, erfordert ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Entlastung dieser Pflegenden. Das hat Caritas-Präsident Michael Landau am Mittwoch in Reaktion auf eine Studie des Sozialministeriums gefordert. "Wenn in Österreich 43.000 Kinder und Jugendliche Familienangehörige zuhause pflegen, dann ist das auch ein Beweis dafür, dass Pflege in unserem Land längst nicht für alle Menschen leist- und verfügbar ist", betonte Landau.
In Österreich gibt es mittlerweile 454.000 Pflegegeldbezieher. Knapp 80 Prozent werden von ihren Angehörigen zuhause gepflegt. Das mache die Angehörigen zu den "eigentlichen Pflegekräften der Nation" und somit zum "größten und wichtigsten Pflegeanbieter im Lande", so Landau. Zwar sei er froh darüber, dass die Politik das Problem nun offensiv angehen möchte, aber: "Das Thema an Schulen zu plakatieren, wird nicht genügen." Die Politik solle für ein echtes Maßnahmenpaket sorgen, das pflegende Angehörige entlastet.
Konkret forderte Landau dreierlei: "Es geht einerseits darum, dass der Pflegefonds über 2016 hinaus verlängert und zu einem gemeinsamen Steuerungsinstrument für den gesamten Pflegebereich weiterentwickelt wird. Zweitens müssen rasch zusätzliche Entlastungsangebote für pflegende Angehörige geschaffen und drittens das Pflegegeld für die Betroffenen selbst erhöht werden." Angesichts des Wertverlustes von 30 Prozent seit Einführung der Leistung 1993 brauche es mehr als die angekündigte Erhöhung von zwei Prozent ab 2016.
Dringend nötig seien leistbare Entlastungsdienste für pflegende Angehörige, die tage- oder stundenweise unterstützend zur Seite stehen. Die 24-Stunden-Betreuung sei zwar ein wichtiger Baustein in der Pflege, doch die "Lücke die zwischen den Angeboten der mobilen Dienste und der 24-Stunden-Betreuung klafft, ist groß".
Besorgt zeigte sich der Caritas-Präsident über den mit 1. Jänner in Kraft getretenen, erschwerten Zugang zu den Pflegestufen 1 und 2. "Das ist angesichts der heute bekannt gewordenen Zahl das falsche Signal." Immerhin sei der öffentlich geförderte Zugang zu Sachleistungen, wie zum Beispiel der Heimhilfe, erst mit der Bewilligung des Pflegegeldes gegeben. Knapp 30 Prozent der Klienten der mobilen Dienste der Caritas befänden sich heute in den ersten beiden Pflegestufen.
Diakonie: "Kinder sind keine Pflegekräfte"
Dass "Kinder keine Pflegekräfte sind", betonte auch Martin Schenk, Sozialexperte des evangelischen Hilfswerks Diakonie in einer Aussendung (Mittwoch). Die Sozialministeriums-Studie bestätige, dass es dringend mehr Dienste brauche, um Kinder von diesen aufgaben zu entlasten. Allen voran brauche es mehr Pflege- und Betreuungsdienstleistungen. Dies könne aus der Sicht der Diakonie vor allem mit der Ausweitung von mobilen Diensten erreicht werden, die derzeit nicht ausreichend verfügbar sein.
"Mobile Dienste, Hauskrankenpflege oder Haushaltshilfen sind Dienstleistungen, die derzeit nur kontingentiert, das heißt, beschränkt vergeben werden. Maximal drei Stunden am Tag - das ist in vielen Fällen zu wenig", so Schenk. er fordert daher einen massiven Ausbau: "Ein Investitionspaket könnte nicht nur Entlastung für die Kinder, sondern auch den ersehnten wirtschaftlichen Aufschwung befördern, denn in der Pflege werden regionale Arbeitsplätze geschaffen."