
Sterbebegleitung: Besserung durch Parteikonsens
In der Diskussion über den österreichweiten Ausbau und die bundesweite Vereinheitlichung im Hospiz- und Palliativwesen scheint es Bewegung zu geben: Die kürzlich abgehaltenen Sitzungen der Enquetekommission "Würde am Ende des Lebens" im Parlament hätten einen alle Parteien übergreifenden Konsens für den Ausbau ergeben, betonte Kommissions-Vorsitzende Gertrude Aubauer am Donnerstagnachmittag. "Damit ist die Chance natürlich groß, dass die Empfehlungen, die die Kommission Anfang März in einem Abschlussbericht an das Parlament weitergeben wird, auch wirklich umgesetzt werden." Aubauer äußerte sich gegenüber "Kathpress" bei einer Besichtigung des Caritas-Tageshospiz im 23. Wiener Gemeindebezirk.
In Österreich sterben jährlich rund 80.000 Menschen. Etwa 20 Prozent davon brauchen eine spezialisierte Hospiz- und Palliativversorgung. Zur Bedarfsdeckung im Jahr 2020 fehlten in Österreich noch 129 Palliativbetten, 192 Stationäre Hospizbetten, 6 Tageshospize, 81 Palliativkonsiliardienste, 18 Mobile Palliativteams beziehungsweise rund 103 Vollzeitkräfte und 183 Hospizteams, zitierte Aubauer aus einem Bericht des Dachverband "Hospiz Österreich".
Das spiegle sich auch in dem von Experten gezeichneten Bild aus der Praxis wider: "Was Menschen wollen, ist schmerzfrei sein und eine geeignete Betreuung bekommen." Sind diese Bedingungen erfüllt, gebe es kaum eine Nachfrage nach Sterbehilfe, so die Vorsitzende.
ÖVP-Gesundheitssprecher Erwin Rasinger zeigte sich erfreut darüber, "dass die Enquete eine umfassende Versammlung aller Repräsentanten und Player in Österreich war und bekräftigte, dass jetzt klare Taten im Dienst der Menschen selbstverständlich sein müssen". Finanziert solle der Ausbau auf längere Sicht durch eingesparte Spitalskosten werden. Denn, "in den letzten Lebenswochen auf Intensivstationen sinnlos Patienten zu therapieren, ist der falsche Ansatz", so Rasinger. In den ersten beiden Jahren werde es allerdings eine Anstoßfinanzierung in der Höhe von 18 Millionen Euro pro Jahr brauchen, ergänzte Aubauer.
Besonderes Augenmerk liege auf dem Bereich des Kinderhospizwesens. Rund 1.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit lebensverkürzenden Erkrankungen bräuchten in Österreich spezialisierte pädiatrische Hospiz- und Palliativbetreuung.
Bisher gebe es im Burgenland, in Kärnten, in Vorarlberg, Tirol und Salzburg keine mobilen Palliativteams zur Betreuung betroffener Kinder. Kinderhospizteams fehlten in Tirol, dem Burgenland, Kärnten und Salzburg, so der Bericht des Dachverbands. Pädiatrische Palliativbetten gebe es österreichweit überhaupt nur drei. Benötigt würden aber Betten in jeder Kinder- und Jugendabteilung.
Erneut Absage an aktive Sterbehilfe
Erneut eine klare Absage erteilten Rasinger und auch ÖVP-Behindertensprecher Franz Joseph Huainigg der Einführung der aktiven Sterbehilfe. Die aktuellen Zahlen aus Holland würden zeigen, wohin anfängliche Ausnahmeregelungen führen könnten, so Rasinger. Mittlerweile machten die Fälle von aktiver Sterbehilfe drei Prozent der Todesfälle pro Jahr aus. 2014 seien in Holland - auf der Basis nur der offiziellen Zahlen - mehr als 4.000 Menschen betroffen gewesen.
Vor allem auf Menschen mit Behinderungen werde mit der Erlaubnis der aktiven Sterbehilfe Druck ausgeübt, so Huainigg; "Weil man sich rechtfertigen muss, dass man am Leben ist und Pflege in Anspruch nimmt."
Sozialer Kontakt lindert Angst und Leid
Zwischen fünf und zehn Betroffene kommen jeden Dienstag und Donnerstag in das Tageshospiz der Caritas im 23. Bezirk. "Die meisten von ihnen suchen sozialen Kontakt zu Menschen, denen es ähnlich geht", berichtete Harald Weikl, Leiter des Caritas-Tageshospizes. Ohne die Mithilfe von Ehrenamtlichen könne das Tageshospiz nicht aufrecht erhalten werden. Jeden Dienstag und Donnerstag sorgen drei bis vier freiwillige gemeinsam mit zwei hauptamtlichen Mitarbeitern für einen reibungslosen Ablauf.
Das Tageshospiz am Wiener Erlaaer Platz verstehe sich als erste Anlaufstelle und niederschwelliges Angebot für Menschen mit unheilbaren Krankheiten und einer verkürzten Lebenserwartung. Im Vordergrund stehe dabei der soziale Kontakt, durch den "fast alle Symptome dieser Menschen gemildert werden können", so Weikl.