
"Werden Orden sehr wahrscheinlich ablösen"
Säkularinstitute werden "ziemlich wahrscheinlich die Lebensform der Orden zu einem Großteil ablösen": Das hat Maria Hochleitner, Generalleiterin der Gemeinschaft "Maria della Strada", im Interview mit "Kathpress" dargelegt. Die Säkularinstitute, deren Angehörige als Einzelpersonen in ihrem jeweiligen Umfeld und Zivilberuf leben und dabei Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam geloben, stehen im heurigen "Jahr des geweihten Lebens" gemeinsam mit den Orden im besonderen Fokus der Weltkirche.
Zwar sind die Säkularinstitute mit ihrer Sonderform geweihten Lebens in Europa bislang kaum bekannt und der Altersdurchschnitt mit jenem der Orden identisch, international verzeichnen sie aber deutlichen Aufwind, so die Generalleiterin. "Besonders in Ländern, wo die Kinder die Eltern im Alter zu betreuen haben, bekommt diese Lebensform immer mehr Bedeutung. Es wird kein Ordenshaus benötigt, wodurch sie auch dort praktizierbar ist, wo Religionen angegriffen werden. Die Treffen finden einfach in Privatwohnungen statt."
Herausfordernd sei der Alltag allerdings schon: Als Mitglied müsse man "viel Eigenständigkeit und Verantwortungsgefühl" mitbringen, gelte es doch, alle Probleme des Lebens alleine zu bewältigen, "und da niemand dahintersteht und kontrolliert, wie das Gebetsleben gestaltet wird", so Hochleitner. Nur ein bis zwei Tage pro Monat treffen sich die Frauen von "Madonna della Strada" zum gemeinsamen Gebet oder zu Gottesdiensten, Bibellesungen, Vorträgen oder Weiterbildungen, letzteres oft mit Gruppen anderer Gemeinschaften. Jedes Mitglied hat zudem eine Person, mit der sie Lebensentscheidungen bespricht und gemeinsam mit ihr regelmäßig den Alltag reflektiert.
Kirche an neuen Orten verständlich machen
Hochleitner ist in Österreich die einzige noch berufstätige der 36 Frauen ihres Instituts. Die übrigen, einst beschäftigt in Berufen von Kindergärtnerin, Lehrerin und Sozialarbeiterin bis hin zur Rechtsanwältin oder Schauspielerin, hätten nun neue Aufgabengebiete: "Sie erteilen Flüchtlingskindern und auch Erwachsenen Nachhilfeunterricht, sind im Hochhausapostolat gegen die Vereinsamung von Bewohnern tätig oder betreiben in den Pfarren Sozialdienste, Bibelarbeit oder Exerzitienkurse", schilderte die Generalleiterin. Auch die Mitarbeit im Obdachlosenwerk "Vinzidorf", in der Krankenbetreuung oder bei Spendensammlungen für bedürftige Menschen zählen zu den Bereichen, in dem sich die Pensionistinnen ehrenamtlich engagieren.
Säkularinstitute sehen als ihre besondere Aufgabe, "im Verborgenen, dort wo keine offiziellen Vertreter der Kirche hinkommen, die Liebe Gottes zu leben und somit in die Welt zu bringen", so Hochleitner. Konkret bedeute dies, das Leben mit Menschen der Umgebung zu teilen, ihnen Begleitung, Beistand, Trost und Heimat zu bieten, "stellvertretend für sie zu glauben und zu hoffen, wenn sie sich selbst aufgegeben haben und nichts Gutes mehr zu erhoffen wagen und die unverständliche Kirchensprache zu verheutigen und in das tägliche Leben umzusetzen". Man wolle "gemeinsam unterwegs sein", wobei das Religionsbekenntnis des anderen keine Rolle spiele.
Im "Jahr des geweihten Lebens", das in den Medien verkürzt auch "Jahr der Orden" heißt, hat die weltweite Gemeinschaft "Maria della Strada" zudem den Bischöfen Gebetsdienst für Priester angeboten. "Je Mitglied wird ein Priester durch Gebet und Opfer durch dieses Jahr begleitet. In Österreich, der Slowakei und in Jamaika haben sich auch andere Säkularinstitute angeschlossen, die dieses Apostolat mittragen", berichtet Hochleitner.
Virtuelle Gemeinschaft
Dass es in der Gemeinschaft derzeit - zumindest in Österreich - keinen Nachwuchs gibt, hängt laut Hochleitner auch mit der über lange Zeit gelebten absoluten Diskretion zusammen: Schon kurz nach der Gründung am 18. Februar 1936 im oberösterreichischen Steyr - damals durch den Jesuiten Carl Dinkhauser und die erste Leiterin, Maria Elisabeth Strachotinsky - konnte die Gemeinschaft ihr Wirken nur im Untergrund fortsetzen, zumal ihr im Nationalsozialismus ein öffentliches Auftreten untersagt war. Das einst "Gemeinschaft unserer Lieben Frau vom Wege" genannte Institut wurde vom Papst 1953 anerkannt, orientiert sich an der Jesuiten-Ordensregel und hat seinen weltweiten Sitz weiterhin in Wien.
Außerhalb ihres Gründungslandes verzeichnet die Gemeinschaft dennoch beachtliche Aufbrüche - laut Hochleitner besonders in Indien, Taiwan, Korea oder auf den Philippinen sowie in Europa in der Slowakei, wo binnen weniger Jahren eine neue Gruppe entstand. Besonders profitiere das Institut dabei von den technischen Möglichkeiten. "Alle neuen Mitglieder kamen über das Internet zu uns", so die Generalleiterin. Zumal bei einem Eintritt das berufliche Umfeld nicht gewechselt wird, geschieht heute auch die Einführung aus Praktikabilitätsgründen gleich online. So wird es möglich, dass derzeit etwa erstmals aus Nigeria eine Frau die Einführungsphase absolviert.