
Aktionen zur Fastenzeit angelaufen
Mit einer Vielzahl von Aktionen ist die Katholische Kirche in Österreich am Aschermittwoch in die Fastenzeit gestartet. Die Diözesen und kirchlichen Organisationen bieten eine breite Palette an Hilfestellungen für die Gläubigen, um die vorösterliche Bußzeit bewusster zu begehen und beim Fasten auch Schritte konkreter Solidarität, der Überprüfung des eigenen Lebensstils oder des Umweltschutzes zu setzen.
So sind etwa in den Pfarren der Diözese St. Pölten derzeit 190.000 "Fastenwürfel" in Umlauf. Die Gläubigen sind aufgerufen, während der Fastenzeit auf manches im Alltag zu verzichten und das dabei Ersparte in Solidarität mit Menschen in Not für kirchliche Hilfsprojekte in Österreich, Afrika, Asien und Lateinamerika zu spenden. "Fasten, Spenden und Beten waren immer schon die wesentlichen Elemente der Fastenzeit", betont Karin Hintersteiner, Geschäftsführerin des diözesanen Hilfswerks "Fastenaktion".
Im laufenden Jahr unterstützt die Fastenaktion Brunnenprojekte in Tansania, Gesundheitsprojekte in Indien, die Ausbildung von Priesterseminaristen in Brasilien oder der Arbeitslosenfonds der Diözese St. Pölten. Seit Beginn im Jahr 1963 wurden von den Pfarren im Most- und Waldviertel über 28 Millionen Euro für die Aktion gespendet. Bildung und Selbsthilfe sind Schwerpunkte vieler der geförderten Projekte. (Spendenkonto IBAN: AT90 3258 5000 0120 0666, BIC: RLNWATWWOBG, http://fastenaktion.kirche.at)
Weniger Auto und Fleischkonsum
Bereits zum zehnten Mal lädt die österreichweite Aktion "Autofasten" dazu ein, die eigene Mobilität zu überprüfen und Auto-Alternativen wie Fußgehen, öffentlicher Verkehr, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften auszuprobieren. Die Initiative mit u.a. Gewinnspielen, Versicherungen und Online-Tools mit jährlich über 15.000 Registrierungen regt heuer erstmals auch zur Bildung von "Autofastengruppen" an. (Infos: www.autofasten.at)
Einen weiteren Verzichts-Schwerpunkt für die Fastenzeit setzt die Kirche bei der Ernährung, speziell beim Fleischkonsum. Dessen globale Auswirkungen könne von den Konsumenten durchaus beeinflusst werden, heißt es bei der Aktion "Fleischfasten" der Diözese Graz-Seckau. Angeregt wird zum Ausprobieren der Alternativen zum Fleisch, da diese zu mehr lokaler und globaler Gerechtigkeit, zur eigenen Gesundheit und zum Umwelt- und Tierschutz beizutragen würden. (Anmeldung: www.fleischfasten.at)
Aktionen für Familien und Schulen
Speziell an Familien, Kindergärten, Schulen und Jugendzentren richtet sich die "Aktion Verzicht", mit der der Katholische Familienverband (KFÖ) die sechswöchige Fastenzeit begeht. Ob dabei auf Alkohol, Süßigkeiten, Konsumgüter oder Fleisch verzichtet wird, legt jeder selbst fest, zentral geht es darum, "gutes Gespür für eigene Gewohnheiten zu entwickeln". Anregungen und Materialien dazu können über die Homepage (www.aktion-verzicht.net) und über die Diözesanverbände bezogen werden.
Welt verändern durch Fasten
Einer Pflasterbox für die Fastenzeit, die vor "Risiken und Nebenwirkungen" des Fastens - darunter die "Veränderung der Welt" warnt, bietet die Diözese Feldkirch in ihrem Jugend-Fastenprogramm "Halt amol". Lebensstil-Veränderung öffnet den Blick für Neues und kann neue Gewichtungen im Leben auslösen, erklärt Ute Thierer vom Fachbereich "Junge Kirche" in einer Aussendung. In der Box enthalten sind echte Pflasterstreifen wie auch ein Beipackzettel mit 40 Denkanstößen, die auch als Newsletter bezogen werden können (Infos: www.haltamol.at).
Auf Veränderung durch das Gebet setzt die Aktion "Sie bitten - wir beten", mit der die 190 in Österreich vertretenen Ordensgemeinschaften in die Fastenzeit gestartet sind. Sei vielen Menschen das Beten auch fremd geworden, glaubten die Orden dennoch fest, "dass im gemeinsamen Gebet miteinander und füreinander viel Kraft und Solidarität liegt", wie Superiorenkonkferenz-Vorsitzender Abtpräses Christian Haidinger dazu erklärte. An mehr als 400 Ordensniederlassungen in ganz Österreich wurden deshalb Bücher aufgelegt, die Anliegen, Sorgen und Dankbarkeiten von Menschen "einsammeln". (Infos: www.ordensgemeinschaften.at).
Fokus auf Flüchtlinge
Zur Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung regt die Katholische Jugend (KJ) Oberösterreich in der Fastenzeit an: Das Nord-Süd-Gefälle sei heute verschärft, Europa werde zur Festung ausgebaut und die Polemik gegenüber Migranten nehme zu, heißt es seitens der KJ, die dazu in zwei "Flüchtlingszelten" am Linzer Domplatz unter Mitwirkung von Experten aus der Flüchtlingsbetreuung Impulse gibt und informiert. (Infos: www.ooe.kjweb.at/zuflucht, Tel. 0676/8776 3308).
Zum Gebet für Menschen in Not ruft das "Pfarrnetzwerk Asyl" in der Fastenzeit besonders auf. Ein von der Initiative veröffentlichter Gebetstext nimmt darauf Bezug, dass die Welt "aus den Fugen geraten" scheine und Millionen Menschen auf der Flucht, in Elend oder anderen schwierigsten Bedingungen lebten. Auch hier ist es ein besonderes Anliegen, mehr Bewusstsein für die Probleme von Flüchtlingen zu schaffen. (Infos: www.pfarrnetzwerkasyl.at)
Papst-SMS, E-Mail-Fastenkalender und Kunst
Tägliche Fastenzeit-Kurzimpulse via SMS von Papst Franziskus hat das Medienreferat der Bischofskonferenz zusammengestellt. Durch eine SMS mit dem Kennwort PAPST an die Telefonnummer 0664/6606651 erhalten Interessierte von Aschermittwoch bis Karsamstag täglich eine kostenlose SMS auf ihr Handy zugesandt. Die Botschaften seien Impulse für den persönlichen Glauben und zu aktivem christlichen Leben, zu Entschleunigung und Besinnung auf das Wesentliche, wie Medienreferats-Leiter Paul Wuthe darlegt.
Auch über E-Mail gibt es mehrere Angebote, in der Fastenzeit Anregungen und Texte zum Nachdenken zu erhalten. Dazu gehört der "Fastenkalender", den die Marienschwestern vom Karmel, der Karmelitenorden und die Edith Stein Gesellschaft gemeinsam anbieten (Anmeldung: http://eepurl.com/BAJ0j). Ebenfalls aus Linz ist die E-Mail-Aktion "Aufatmen" des Linzer Bibelwerks (http://www.bibelwerklinz.at) sowie der Fastenkalender der Pfarre St. Peter (www.fastenkalender.or.at).
Glaubenssymbole neu entdecken
In der Diözese Eisenstadt werden in der Fastenzeit christliche Symbole im öffentlichen Raum verhüllt. Den Auftakt dazu machte Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics am Mittwochvormittag, als er im Eisenstädter Martinsdom das dortige große Kreuz verhüllte. Die Diözese wolle aufzeigen, dass christliches Heil "keine Privatangelegenheit" ist, sondern die "Verpflichtung zur Nächstenliebe" beinhalte, betonte Zsifkovics. Motto ist nach Schwerpunkten auf Glaube und Hoffnung in diesem Jahr "Aktion Liebe".
Künstlerische Impulse, die eine herausfordernde und qualitativ äußerst anspruchsvolle Annäherung an die Botschaft der Fastenzeit sind, bieten darüber hinaus die Kunstinstallationen, die derzeit in zahlreichen Domkirchen - dieses Jahr u.a. in Wien, Innsbruck, Klagenfurt und Graz - zu sehen sind. Kunstinteressierten sind zudem die Fastenausstellungen in St. Pölten und Graz zu empfehlen.