
Stephansdom: "dem Himmel entgegen..."
"Dem Himmel entgegen...": Unter diesem Titel ist während der Fastenzeit im Wiener Stephansdom eine Licht- und Kunstinstallation des deutschen Künstlers Stefan W. Knor zu sehen. Er schuf eine mit farbigem Licht beleuchtete Fastentuchskulptur vor dem Hochaltar, bestehend aus 40 mit Leinenbändern verwobenen Kuben, die täglich ihr Aussehen ändern. Besucher können Gebetsanliegen in diese Kuben einknoten und so die Skulptur "auf Ostern hin von Tag zu Tag dichter" machen, wie die Wiener Dompfarre mitteilte.
An jedem Tag der Fastenzeit wird ein Kubus aus dem Gebilde herausgenommen und am großen Gitter im Eingangsbereich aufgestellt. Dort können die Besucher des Stephansdoms ihre Anliegen zum Thema "Was möchte ich dem Himmel entgegen bringen?" aufschreiben und in den jeweiligen Kubus hineinknoten. "Werden Sie Teil der Skulptur", ermuntert die Dompfarre auf ihrer Website. Jeder angefüllte Kubus wird dann wieder in die Fastentuchskulptur am Hochaltar eingebaut und durch einen anderen ersetzt.
Am Karsamstag wird die Installation abgebaut und ab Ostermontag zu einer abstrakten Himmelsleiter umgebaut. Die Kuben mit den Gebetsanliegen werden an Drahtseilen aufgehängt und vom Haupteingang in Richtung Hauptaltar aufsteigend durch den Kirchenraum dem Himmel entgegenstreben. Die so entstehende Großskulptur "scheint das Gewölbe optisch zu durchbrechen und wird so ins Unendliche fortgesetzt", so die Idee des "Lichtkünstlers".
Stefan W. Knor ist auch Theologe und fast schon so etwas wie ein Stammgast in Bezug auf die künstlerische Ausgestaltung des Stephansdoms zu besonderen Anlässen. Sein Grundanliegen, "Transzendenz durch Kunst erlebbar zu machen", konkretisierte der 1975 geborene Nordrhein-Westfale bereits in der vorjährigen Fastenzeit mit einer Lichtinstallation im Dom. Auch in der "Langen Nacht der Kirchen" 2014 war dort die Lichtinstallation "LichterGlanz" zu sehen. (Info und Fotos: www.dompfarre.info/Pfarrgruppen/Kulturelle_Gruppen/Kunst_im_Dom)
Innsbruck: Kunstprojekt mit Asche und Kreuz
Auch in anderen österreichischen Domkirchen - in Innsbruck und Klagenfurt - werden in der vorösterlichen Zeit künstlerische Zugänge zum Kern des christlichen Glaubens gesucht. Mit Asche und Kreuz, zwei zentralen Symbolen der Fastenzeit, beschäftigt sich das diesjährige Projekt "Kunst am Dom" in der Tiroler Landeshauptstadt. Auf Einladung von Propst Florian Huber und dem Arbeitskreis "Kunstraum Kirche" hat die aus Völs stammende Künstlerin Heidi Holleis acht Objekte gestaltet, die mit Baumwolle bespannt und mit Asche in Eitempera bemalt sind. Die kreuzförmigen Kunstwerke wurden an den tragenden Säulen des Doms befestigt.
Unter dem Titel "Poly X" bietet die Kunstinstallation ein markantes Wechselspiel zwischen reduzierter Gegenwartskunst und der barocken Üppigkeit des Innsbrucker Doms. "Mit der bewusst gewählten Schlichtheit des Materials und der reduzierten Formgebung eröffnet die Künstlerin einen Raum für eigene Gedanken zur Bedeutung von Fasten, Kreuz und Leid im Leben", heißt es in einer Aussendung der Diözese Innsbruck.
In der Domkirche in Klagenfurt stehen in der Fastenzeit sieben Hürden entlang einer Tartanbahn im Mittelgang auf dem Weg zum Altar, darüber schweben sieben knallig-bunte Stoffbahnen - ebenfalls in hartem Kontrast zur Farb- und Formgebung der barocken Kirche. Der Kärntner Grafikdesigner Hans Gerhard Kalian will damit unter dem Titel "sichtbar" die Wahrnehmung des Kirchenraumes und die sichere Gewohnheit der Begegnung verändern, der durch die Fahnen nach oben gelenkte Blick lasse die Hürden am Boden überwinden.