
Fastenhirtenbriefe zur Glaubenserneuerung
Die Fastenzeit als Chance zur Besinnung und Auffrischung christlicher Spiritualität betonen die Diözesanbischöfe Franz Lackner (Salzburg), Ägidius Zsifkovics (Eisenstadt) und Ludwig Schwarz (Linz) in ihren aktuellen Fastenhirtenbriefen. Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner appelliert darin an die Gläubigen, die Fastenzeit zu nützen, um ihr Leben wieder stärker an Gott auszurichten. "Bei den letzten Fragen - wie sie manchmal genannt werden - also bei der Frage nach Gut und Böse, nach dem Tod und der Hoffnung, nach dem Sinn und dem Gelingen des Lebens usw. steht am Ende immer eine Glaubensentscheidung. Welcher Meinung, welcher Überzeugung, welchen Einsichten vertraue ich? Und dahinter steht immer auch die Frage: Wem schenke ich mein Vertrauen?" schreibt Lackner.
Der gemeinsame Nenner dieses Glaubens in seinen unterschiedlichen Ausprägungen sei das Vertrauen zu Jesus Christus und der Glaubensüberlieferung, die die Menschen durch die Gemeinschaft der Kirche mit ihm verbinde. Der Erzbischof spricht auch Hindernisse für den Glauben an: "Wenn Menschen den letzten Fragen des Lebens ausweichen, wenn sie sich keine Zeit zum Nachdenken nehmen, an der Oberfläche bleiben, sich durch falsche Vorstellungen oder Vorurteile vom Glauben abhalten lassen". Und natürlich könne auch das Verhalten von Menschen und Vertretern der Kirche es schwer machen, sich auf den Glauben einzulassen.
Das eigene Leben bewusst auf Gott auszurichten bedeute laut Lackner zugleich, sich auf die Armen einzulassen: "Papst Franziskus erinnert uns immer wieder daran: Als Christ glauben hat als Konsequenz, dass wir uns den Menschen zuwenden, die an Seele und Leib bedürftig sind. Es gibt sie überall, oft genug schon in der Nachbarschaft. Wir müssen zu ihnen gehen, uns ihr Schicksal, ihre Not, ihre Fragen, ihre Klagen zu Herzen gehen lassen. Wir müssen ihnen selbstlos, ohne Nebengedanken und Erwartungen begegnen. Aber genau dann werden wir in ihnen unweigerlich Christus begegnen."
Zsifkovics: Beichte neu entdecken
Der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovis hat die Katholiken im Burgenland ermutigt, das Sakrament der Beichte neu zu entdecken. Die Beichte sei in der Vergangenheit zunehmend zu einem vergessenen und in Folge unbekannten Sakrament geworden. Es gehe ihm deshalb darum, "die befreiende und belebende Wirkung der Beichte neu zu entdecken". Zsifkovics: "Als Beichtvater wie als Sünder, der selbst zur Beichte geht und genau weiß, wie schwer dieser Schritt sein kann, bin ich überzeugt: der Beichtstuhl ist der Ort, an dem nicht nur der Einzelne, sondern die ganze Welt ihre größte Reparatur erfahren kann." Ein Mensch, der sagt, dass er ohne Sünde sei, die Beichte nicht brauche und alles mit und für sich selbst regeln könne, belüge sich selbst.
Die Priester seiner Diözese ruft der Bischof auf, den Gläubigen eine gute Beichte zu ermöglichen und diese gut auf die Beichte vorzubereiten, etwa durch Bußfeiern oder Abende der Barmherzigkeit. Solche Formen der Vorbereitung seien wichtig, sie ersetzten aber nicht die persönliche Beichte und dürften auch nicht gegen die Beichte ausgespielt werden, hebt der Bischof hervor. "Anders als in der pharmazeutischen Industrie ist das Sakrament der Buße und der Versöhnung ein Heilmittel, für das es keine billige Ersatzmedizin, kein Genericon und kein Placebo gibt", so Zsifkovics wörtlich.
Schwarz: Gebet ist Beziehung zu Gott
Die Bedeutung des Gebets für das christliche Leben hat der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz in seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit unterstrichen. "Wenn ich bete, führe ich keine Selbstgespräche - nein, ich spreche mit Gott, zu dem ich 'Du' sagen darf", schreibt der Bischof. Wie jede zwischenmenschliche Beziehung müsse auch die Beziehung zu Gott im Gebet gepflegt werden. Es müsse auch Zeit und Hingabe investiert werden.
Christen seien aber keine Einzelgänger, betont der Bischof: "Im Gebet ist in verdichteter Form diese Gemeinschaft im Glauben erfahrbar: Welche Kraft geht doch von einem Vaterunser aus, das von einer ganzen Gottesdienstgemeinde gebetet wird." Gemeinschaftsformen des Gebets gebe es aber auch in kleinem Kreis, besonders in der Familie. Schwarz: "Die Formen der Spiritualität sind mitunter sehr unterschiedlich. Aber alle sollen sie von der Kraft der Gemeinschaft getragen sein. Und die Betenden haben die Gewissheit, dass Gott mitten unter ihnen ist."
Er wolle vor allem auch Eltern und Großeltern ermutigen, "mit den Kindern zu beten und sie mit den biblischen Geschichten vertraut zu machen". Kinder übten sich so in den Glauben ein; ein Glaube, der ihnen von den Erwachsenen vorgelebt werden müsse, betont Bischof Schwarz.