
"Wir müssen bereit sein, Allianzen zu schließen"
Der Grazer Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl hat die Notwendigkeit von Neuaufbrüchen in der kirchlichen Seelsorge unterstrichen. Die Kirche habe sich "bis dato zu sehr darauf verlassen, dass jeder Österreicher automatisch Katholik ist", sagte Schnuderl der "Kronenzeitung" (Samstag). Auf gesellschaftlicher Ebene müsse die Kirche darüber hinaus stärker den Schulterschluss im Interesse des Gemeinwohls üben: "Wir müssen bereit sein, mit allen Kräften der Gesellschaft Allianzen zu schließen". Dabei dürfe man auch nicht vor Atheisten halt machen, so Schnuderl.
Als eher unwahrscheinlich bezeichnete Schnuderl gegenüber der "Kronenzeitung" die Option, selber zum Bischof der Diözese Graz-Seckau ernannt zu werden. "Ich würde das nicht ablehnen, wahrscheinlich ist es aber nicht." Zugleich unterstrich Schnuderl, dass ihm im Blick auf wichtige Weichenstellungen in der Diözese die Hände gebunden sind: "Während der Sedisvakanz darf nichts verändert werden." Problematisch werde dies jedoch dann, so Schnuderl weiter, wenn es um die Frage der Priesterweihen geht. Sollte die Entscheidung über die Nachfolge Bischof Kapellaris sich über Monate ziehen, könne es sein, dass in der Diözese heuer keine Priesterweihen stattfinden werden. "Gerade in Zeiten des Priestermangels wäre das ein falsches Signal", warnt Schnuderl.
Ende Jänner war der bisherige Generalvikar Heinrich Schnuderl vom Grazer Domkapitel zum Diözesanadministrator gewählt worden. Die Wahl war notwendig geworden, nachdem Papst Franziskus den Rücktritt von Bischof Egon Kapellari angenommen hatte. Der Diözesanadministrator hat ähnlich einem Bischof Befugnisse und Pflichten eines Bischofs. Das Amt erlischt automatisch mit der Besitzergreifung der Diözese durch einen vom Papst ernannten neuen Diözesanbischof.