
Diözese Linz hilft Asylwerbern in Oberösterreich
>Die Caritas betreut im Auftrag des Landes Oberösterreich aktuell 2.170 Asylwerber überwiegend aus Syrien, Afghanistan und der Russischen Föderation. Derzeit stellen kirchliche Einrichtungen wie Pfarren oder Orden etwa 200 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung, weitere Angebote werden gerade geprüft. Das gab Marion Huber, Leiterin der Caritas-Flüchtlingshilfe, am Montag in einer Pressekonferenz des OÖ. Journalistenforums in Linz bekannt. In Oberösterreich setze man auf die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen in überschaubaren Einheiten, heißt es in einer Zusammenfassung der Diözese Linz (Montag).
Bei der Pressekonferenz wurde unter dem Titel "Der Herr ist mein Hirte, der Pfarrhof mein Dach: Offene Türen für Flüchtlinge in der katholischen Kirche" ein Überblick über die kirchlichen Bemühungen für Asylwerber in Oberösterreich gegeben. Wie die kirchliche Unterstützung beim Start in eine lebenswerte Zukunft aussieht, verdeutlichten dabei neben der Caritas-Expertin auch Franz Zeiger, Pfarrer von Linz-St. Peter, Monika Weilguni, Pastoralassistentin in St. Georgen an der Gusen, und der irakische Journalist und Flüchtling Munjid Ali.
Marion Huber unterstrich, dass nicht jeder Wohnraum in Pfarren und Klöstern, der leer steht, auch als Unterkunft geeignet sei. Wichtig seien eine gute Infrastruktur in der unmittelbaren Umgebung sowie Zentralheizung, Sanitäranlagen und Kochmöglichkeit in den Räumlichkeiten selbst. Darüber hinaus müsse eine gute, effiziente Betreuung durch Caritas oder Volkshilfe gewährleistet sein, so Huber.
Enormes ehrenamtliches Engagement
Die Leiterin der Caritas-Flüchtlingshilfe OÖ hob das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge in vielen Pfarren hervor. "Die Menschen in den Pfarren sammeln Sachspenden, leisten finanzielle Unterstützung, organisieren und halten Deutschkurse, stellen für diese Kurse Räume unentgeltlich zur Verfügung, bieten Hilfe bei Behördengängen oder Einkäufen an und schaffen Möglichkeiten zur Begegnung", beschrieb Huber die vielfältige Unterstützung durch die Pfarren.
Als zunehmende Herausforderung sieht Huber die Integration anerkannter Flüchtlinge, die bereits Asyl zugesprochen bekommen haben und nur vier Monate in Grundversorgungsquartieren bleiben können. "Danach sollen sie sehr rasch leistbare Wohnungen finden - und natürlich auch Arbeit, obwohl sie noch kaum Zeit hatten, ausreichend Deutsch zu lernen", sagte Huber. Sie forderte von Seiten der öffentlichen Hand eine Finanzierung für den Ausbau von Unterstützungs- und Integrationsprojekten.
In der Pfarre Linz-St. Michael, für die Franz Zeiger als Pfarrprovisor verantwortlich ist, haben insgesamt 19 Flüchtlinge ein neues Zuhause gefunden. Dafür genüzt wurde das seit September leer stehende Pfarrhaus, das der Caritas für die Unterbringung von Asylwerbern angeboten wurde. Zeiger bemühte sich - wie er berichtete - bei den Menschen "seiner" drei Pfarren um Unterstützung - mit "überwältigendem" Erfolg: "Die Bevölkerung der Stadtteile Spallerhof, Bindermichl und Oed spendete Einrichtungsgegenstände, Küchenutensilien etc., zum Teil nagelneue Sachen. Und das in einer solchen Menge, dass wir bald einmal 'Stop' sagen mussten", schilderte Zeiger die enorme Hilfsbereitschaft der Menschen.
Schulterschluss in St. Georgen an der Gusen
Pastoralassistentin Monika Weilguni berichtete über die Pfarre in St. Georgen an der Gusen ähnlich Erfreuliches. Für die Unterstützung der 20 dort untergebrachten Flüchtlinge habe es einen "Schulterschluss über gesellschaftliche Grenzen hinweg" gegeben; Politik, Kirche und Vereine setzten sich mit vereinten Kräften für ein gutes Leben für die Asylwerber ein. Durch diese breite Vernetzung sei die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr hoch, berichtete Weilguni. So hätten sich etwa innerhalb einer Woche 10 Personen als Deutschlehrende zur Verfügung gestellt.
Munjid Ali, derzeit in einem Asylwerber-Quartier in St. Georgen/Gusen untergebracht, schilderte die Situation im Irak vor seiner Flucht. In seinen sieben Jahren als Fernsehjournalist habe er regimekritische Berichte gedreht und sei einige Male nur ganz knapp seiner Ermordung entkommen. Nach seiner Flucht über die Türkei und Serbien lebt er nun seit einem Monat in Österreich mit 19 anderen Flüchtlingen, die von der Volkshilfe betreut werden. Er sei "überglücklich, einen so guten Platz gefunden zu haben". Im Irak hatte ich keine Perspektive mehr - hier habe ich wieder eine Zukunft. Ich möchte gut Deutsch lernen und dann wieder in meinem Beruf arbeiten", hofft Ali.
Quelle: kathpress