
Jugendliche heute bewusster gläubig als Eltern
Die französische Soziologin Isabelle Jonveaux hat angesichts rückläufiger Gläubigenzahlen in Europa eine positive Sicht auf die Entwicklung der Katholischen Kirche gefordert. "Wer sich auf Negatives konzentriert, verpasst die Gelegenheit zu sehen, was neu wächst", erklärte die Soziologin im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Mehrwert Glaube" im oberösterreichischen Stift Kremsmünster. Es sei richtig, dass "junge Leute zwar weniger in die Pfarrkirche gehen als ihre Großeltern, aber dafür suchen nicht wenige neue Formen der Gemeinschaft wie Pilgerreisen, große Glaubensfeste oder Gebetsgruppen". In Frankreich sei es mittlerweile "Mode" für junge Katholiken, ein soziales Jahr in ärmeren Ländern zu verbringen.
Charakteristisch für den religiösen Glauben vieler junger Menschen sei heute die bewusste Entscheidung, die dahinter stecke. "Die jüngeren Generationen entscheiden sich heute vielfach bewusster als ihre Eltern für ein religiöses Leben, während dieses früher oft reine Konvention war", so die Soziologin. Junge Gläubige hätten auch keine Scheu, öffentlich für ihren Glauben einzustehen, etwa durch Kleidung mit religiösen Aufschriften oder auf Facebook-Einträgen - für die Soziologin insgesamt ein "lebendiges, zukunftsträchtiges Zeichen für die Religion".
Ein niederschwelliges Angebot für Menschen, die institutionalisierten Religionsformen sonst kritisch gegenüber stünden, sieht Jonveaux in den Ordensgemeinschaften. Über touristische oder kulturelle Veranstaltungen würde sich oft ein tiefgehender Kontakt zwischen Kirchenfernen und Ordensleuten entwickeln.
Mit dem Internet hat sich ein neues Wirkungsfeld für die Kirche ergeben. "Wie im alltäglichen Leben das Internet an großer Bedeutung gewonnen hat, so ist das virtuelle Netz ein unausweichlicher Weg für die Religion, besonders um die Jugend zu erreichen", betonte die Soziologin, die 2013 in ihrer Forschungsarbeit "Gott online" die Beziehung zwischen Glaube und sozialen Netzwerken in den Blick genommen hat.
Gleichzeitig habe der zunehmende Internetkonsum bei jungen Katholiken den Trend ausgelöst, "angesichts der Risiken des übertriebenen Internetkonsums in bestimmten Zeiten auf das Surfen und die Kontaktpflege in sozialen Netzwerken zu verzichten - oder diese zumindest einzuschränken".
Die Kremsmünsterer Veranstaltungsreihe "Mehrwert Glaube" widmet sich bis 3. Juli dem Themenfeld "heute.glauben.leben". Beim nächsten Termin am 27. März wird der Journalist Helmut Obermayr das Matthäusevangelium lesen. (Infos: www.stift-kremsmuenster.net)