
Dialog zwischen Religionen darf nicht aufhören
Ein deutliches Bekenntnis zum Dialog unter den Religionen hat Feldkirchs Diözesanbischof Benno Elbs abgelegt. Ein Vorbild für den religiösen Dialog liefere das Konzilsdokument "Nostra Aetate", das angesichts einer Radikalisierung religiöser Gruppen und der Instrumentalisierung von Religion durch Terrormilizen an "Aktualität nicht zu übertreffen" sei, so der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Weltreligionen zuständige Bischof am Mittwochabend bei einem Festakt zum 50-Jahr-Jubiläum des Konzilsdokuments in Salzburg.
Die Aufforderung zum Dialog in "Nostrae aetate" beruhe laut Elbs auf der Annahme, jede Religion berge "Strahlen der Wahrheit in sich", die es im Gespräch miteinander zu entdecken gelte. "So können wir alle einander weiterbringen auf der allen Menschen gemeinsamen Suche nach einem gelingenden und glücklichen Leben im Heute, in dieser Zeit", so der Bischof. Schließlich sei der Friede zwischen den Religionen und der gegenseitige Respekt ein "unschätzbares Fundament für den sozialen Frieden in einer Gesellschaft". Der Dialog dürfe deshalb nie aufhören.
Alle Päpste hätten seither immer wieder die Wichtigkeit des Dialogs unter den Religionen betont. Dazu seien vier Voraussetzungen nötig: "Klarheit über den eigenen Standpunkt, Sanftmut, Vertrauen und pädagogische Klugheit."
Markus Ladstätter von der Katholisch-Pädagogischen Hochschule Graz zeigte in seinem Vortrag auf, dass "Nostra Aetate" nur zum Teil in der kirchlichen Wirklichkeit angekommen sei. Im Wesentlichen gehe es um die Haltung der Kirche zu den anderen Religionen, "und dass nichts abgelehnt wird, was ihnen heilig ist". Nur durch die positive Anerkennung der Differenz sei ein echter Dialog möglich, sagte Ladstätter.
Der zweite Teil des Konzilsdokuments beziehe das Johannesevangelium in dem Sinne mit ein, dass zwar andere Wahrheiten möglich sind, diese aber vom universalen Heilswillen Gottes aus gesehen werden sollten. Die Kirche bringe sich auf Augenhöhe ins Gespräch ein. "Gerade das hat auch Ablehnung ausgelöst", so der Theologe.
Kritisch bemerkte Ladstätter, dass spätere kirchliche Texte nicht mehr die Deutlichkeit von "Nostra Aetate" erreicht hätten. Es liege heute viel Potential brach, "und vielfach wird leider Religion als Störfaktor gesehen". In den Augen des Experten sollte auch die österreichische Kirche wieder Strukturen schaffen, die sich verstärkt dem Grundanliegen von "Nostra Aetate" widmen.