
Ordensleben darf niemals Selbstzweck sein
Mit einer Vesper in der Stiftskirche Klosterneuburg ist am Donnerstagabend das internationale Symposion "Wind of Change - Orden im 3. Jahrtausend" eröffnet worden. Dem Gottesdienst stand Propst Bernhard Backovsky vor. Er betonte in seiner Predigt, dass das Ordensleben niemals Selbstzweck sondern stets als Dienst an den Menschen aufgefasst werden müsse. "Die Menschen auf dem Weg zu Gott mitnehmen" sei Aufgabe der Orden, so Backovsky. Bis Samstag beraten die Teilnehmer des Symposions über neue Perspektiven für Orden, gegenwärtige Probleme und anstehende Herausforderungen.
Abtpräses Christian Haidinger, Vorsitzender der Superiorenkonferenz der Männerorden, wies in seinen Ausführungen am Donnerstagabend darauf hin, dass die Orden in Österreich noch sehr stark präsent seien. Das zeige sich etwa daran, dass 20 Prozent aller Krankenhausbetten in Ordensspitälern stehen oder 50.000 Schüler bundesweit Ordensschulen besuchen. Dazu kämen etwa auch noch viele Senioren- und Pflegeheime oder Einrichtungen für Behinderte. Und dennoch belaste die stets latente Sorge, wie diese Werke weitergeführt werden könnten.
In einzelnen Kommunitäten, Haidinger verwies u.a. auf das Zisterzienserstift Heiligenkreuz, boome der Nachwuchs. Gesamt gesehen gehe die Zahl der Ordensleute freilich deutlich zurück.
Papst will "andere Orte"
Haidinger verwies auf Papst Franziskus. Dieser spreche vom gottgeweihten Leben als "Reserve für die Zukunft" der Kirche. Die Ordensleute müssten die Welt aufwecken und als Propheten Zeugnis geben von Jesus Christus. Sie müssten "andere Orte" schaffen, wo die Logik des Evangeliums nach Hingabe, Liebe und Geschwisterlichkeit gelebt wird, fordere der Papst.
Solche Orte gebe es bereits, führte Haidinger weiter aus. Neben den geschichtlich gewachsenen Werken seien dies etwa der Einsatz von Ordensfrauen für Zwangsprostituierte, die Betreuung von Flüchtlinge und Asylanten sowie die neuen Initiativen im Bereich von Hospiz- und Palliativeinrichtungen oder bei der Begleitung von Demenzkranken.
Es gelte, "dankbar auf die Vergangenheit zu schauen, die Gegenwart mit Leidenschaft zu leben und die Zukunft voll Hoffnung zu ergreifen", so Abtpräses Haidinger in Anspielung auf Papst Franziskus.
Propst Backovsky wies darauf hin, dass die Pfarrseelsorge in Österreich wesentlich von Ordensmännern mitgetragen wird. Das bringe freilich auch Spannungen mit sich, das sich das Gemeinschaftsleben innerhalb eines Orden oft nur schwer mit den Aufgaben der Pfarrseelsorge vereinbaren lasse. Eine neue Herausforderung für die Orden stelle auch die Tatsache dar, dass immer mehr Novizen erst im fortgeschrittenen Alter in einen Orden eintreten. Diesen falle die Anpassung an ein Gemeinschaftsleben oft schwerer.
In Österreich gibt es derzeit 105 Frauenorden, ihnen gehören 3.900 Ordensfrauen an. In den 85 Männerorden leben 1.950 Ordensmänner. Insgesamt gibt es im Land rund 850 Ordensniederlassungen. Die Orden führen mehr als 230 Schulen und 30 Spitäler mit über 20.000 Mitarbeitern. Österreichweit gibt es rund 500 Ordensbibliotheken bzw. -archive mit insgesamt mehr als vier Millionen Büchern.
Das Symposion im Stift Klosterneuburg findet im Rahmen des "Jahres der Orden 2015" statt. Veranstalter sind die Ordensgemeinschaften Österreich, das Stift Klosterneuburg sowie die Katholische Universität Vallendar.