
"Familie erfolgreichstes Produkt der Evolution"
Als "erfolgreichstes Produkt der Evolution" hat der Gynäkologe und Theologe Johannes Huber die Familie bezeichnet: Er erlebe dies in seiner ärztlichen Praxis immer wieder, so der Wiener Frauenarzt am Donnerstag bei einer von den "Salzburger Nachrichten" veranstalteten Diskussion über Anfang und Ende des Lebens, an der auch Erzbischof Franz Lackner teilnahm. Familie würde vor allem Verantwortung für das Leben übernehmen - etwas, das etwa im neuen Fortpflanzungsmedizingesetz zu kurz kommen, so Huber.
Das Christentum beschrieb Huber als "Religion des Lebens", die "dankenswerterweise auf den Wert des Lebens hinweist". In einer Zeit, in der alles erlaubt sei, was Spaß macht, sei das Leben gerade am Anfang und am Ende gefährdet, so der Mediziner. Ein drastisches Beispiel sei hier China, wo alte Menschen vor allem eine Last bedeuteten, "und 100 Millionen Kinder nicht mehr leben, weil sie als Mädchen geboren wurden".
Sowohl der Anfang wie auch das Ende des Lebens "weisen über sich hinaus und ins Göttliche hinein", so Salzburgs Erzbischof Franz Lackner in seinem Redebeitrag. Anfang und Ende seien für das Gelingen des Lebens äußerst wichtig, so der Erzbischof: "Das sind Orte des Hoffens und des Glaubens."
Eltern würden stets "ihr Kind, nicht irgendein Subjekt" zeugen, betonte der Philosoph Günther Pöltner. Das Dasein eines Menschen bringe etwas Neues, Unerklärbares in die Welt, wobei es "nicht um Subjekte oder Lebewesen, sondern um das Werden jedes einzelnen Menschen" gehe.
Dass Ärzte heute immer mehr zu Technikern würden, bedauerte Felix Unger, der Präsident der Europäischen Akademie der Wissenschaften. "Ärzte dienen dem Leben", so seine Feststellung.
Laut Angaben des Präsidenten der Deutschen Ärztekammer, Prof. Frank Ulrich Montgomery, wäre laut einer Befragung immerhin ein Drittel der Mediziner in Deutschland bereit, bei einer Tötung mitzuwirken. "Sogar 70 Prozent der Bevölkerung wünschen sich, dass der Arzt da mithilft", berichtete er.
Die Mediziner sollten jedoch vielmehr für eine gute Sterbebegleitung und für palliative Betreuung sorgen anstatt Gift zu reichen, meinte der Referent. "Der Aspekt der Barmherzigkeit muss mehr im Vordergrund stehen, um Patienten würdig ihr Leben zu Ende leben zu lassen", so der Hamburger Experte. Ein Arzt solle heilen, lindern und trösten, aber niemals töten.