
Neuer "Denk.Raum.Fresach"
Der "Denk.Raum.Fresach" hat am Mittwoch in Wien das Programm der ersten europäischen Toleranzgespräche vorgestellt. Mit dem neu gegründeten Forum möchte sich das Kärntner Bergdorf Fresach als Ort für den europäischen Dialog über Toleranz, Integration und Menschenrechte etablieren. Die ersten europäischen Toleranzgespräche finden von 21. bis 23. Mai 2015 unter dem Motto "Wie weit geht Toleranz? Aufgaben für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft" statt. International anerkannte Wissenschaftler, Philosophen und Schriftsteller nehmen daran teil, auch Europaparlamentspräsident Martin Schulz und Bundespräsident Heinz Fischer haben ihr Kommen zugesagt.
Der "Denk.Raum.Fresach" leiste einen wichtigen Beitrag, um der Intoleranz mit Mut und Entschiedenheit entgegenzutreten, betonte der evangelische Bischof Michael Bünker bei einer Pressekonferenz. Er wies auf die Bedeutung Fresachs für die evangelische Kirche als "Toleranzgemeinde" hin. Damit werden jene Gemeinden bezeichnet, die sich in Folge des Toleranzpatents von Joseph II. (1741-1790) gebildet hatten. In Fresach kämpfte die Bevölkerung über Jahrhunderte um Religionsfreiheit und Selbstbestimmung, ein Bethaus aus dem Jahr 1784 und das Evangelische Museum geben noch heute davon Zeugnis.
"Toleranz als Haltung der Offenheit, des Interesses aneinander und des Bemühens um Verständigung ist im Europa von heute notwendiger denn je", unterstrich Bünker. Die Zunahme von Islamfeindlichkeit, Rassismus und vor allem Antisemitismus, zeigten auf bedrohlich Weise, dass die Intoleranz in vielen Ländern auch heute weit verbreitet sei." Wir müssen eine Kultur des Dialoges und der Verständigung, des Respekts und der Anerkennung zu fördern, dafür kommt das Projekt in Fresach genau zur rechten Zeit", so der Bischof.
Hannes Swoboda ist "Denk.Raum"-Präsident
Auch der ehemalige Europaparlamentarier und neue Präsident des "Denk.Raum.Fresach", Hannes Swoboda wies auf die besondere Bedeutung des Orts hin. "Fresach ist aufgrund seiner Geographie und Geschichte ein hervorragender Boden für die Auseinandersetzung mit der Vielfältigkeit unserer europäischen Gesellschaft", sagte Swoboda. Gerade die jüngsten Ereignisse und das neue politische Misstrauen müssten durch Toleranz und Akzeptanz überwunden werden. Nur so könnten auch Vorurteile abgebaut werden.
Helmut Niederle, Präsident des PEN-Club Austria, betonte die Wichtigkeit der Toleranz für die künstlerische und literarische Arbeit. Für Alexander Loisel, vom Club Carinthia soll mit dem "Denk.Raum.Fresach" ein Forum entstehen, das darauf achtet, dass humanistische Werte im laufenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungsprozess nicht auf der Strecke bleiben.
Bisher haben rund zwanzig Fachleute ihre Teilnahme an den Toleranzgesprächen zugesagt, unter ihnen die Nahost-Expertin Karin Kneissl, die Genderforscherin Claudia Brunner, der Autor Alois Brandstetter und Ex-Siemens-Chef Peter Löscher, aber auch mehrere Journalisten wie der frühere "Salzburger Nachrichten"-Chefredakteur Ronald Barazon. Neben den Referaten ist auch ein "Toleranzfrühstück" geplant, bei dem die Zuhörer mit den Vortragenden in Kontakt treten können. In Zukunft sollen sich die Toleranzgespräche Fresach als alternatives Kommunikationsforum etabliert werden. Die Finanzierung erfolgt überwiegend aus privaten Mitgliedschaften und Sponsoring. (Info: www.fresach.org)