
Übergriffe auf Muslime nehmen zu
Einen drastischen Anstieg rassistischer Vorfälle gegenüber Muslimen bzw. als solchen wahrgenommenen Personen hat der Rassismus Report der Organisation "Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit" (ZARA) für 2014 festgestellt. Waren es 2013 noch 31 bei der Organisationen gemeldete Fälle, hat sich die Zahl 2014 auf 62 verdoppelt. Die Dunkelziffer dürfte aber noch viel höher liegen, so ZARA-Geschäftsführerin Claudia Schäfer am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien. Denn Eingang finden in den ZARA-Report nur jene Fälle, die der Organisation direkt gemeldet werden.
Die Übergriffe reichten von verbalen Attacken in Parks und öffentlichen Verkehrsmitteln über tätliche Angriffe und Vandalismus gegen Einrichtungen bis hin zu Hetze und Morddrohungen im Internet, konkretisierte Schäfer. 17 Prozent davon passierten im Internet, 19 Prozent im Bereich Wohnen, Nachbarschaft, Geschäfte und Dienstleistungsunternehmen und 20 Prozent im öffentlichen Raum.
Im Vormarsch begriffen seien auch Anfeindungen gegenüber Juden, Roma und Asylwerber. Insgesamt wurden 2014 ZARA 794 Fälle von rassistischer Diskriminierung gemeldet. Im Vergleich dazu: Im Jahr 2013 waren es noch 731 Meldungen.
Muslime Opfer von "Stimmungsmache"
Der sprunghafte Anstieg bei den Übergriffen auf Muslime stehe klar in Zusammenhang mit "politischer und medialer Stimmungsmache" und falle mit der Verbreitung der Gräueltaten der Terrorgruppe "IS" im Internet zusammen. Die Tendenz gehe in Richtung "Diffamierung einer ganzen Religionsgemeinschaft", warnte Schäfer. Das dabei angewandte "Othering" verstärke eine Unterteilung zwischen "Wir" und "den Anderen" und vermeide eine Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern und Versäumnissen. Dies leiste den ohnehin schon stark vorhandenen Ressentiments gegenüber "den Muslimen" Vorschub, so Schäfer.
Und auch neue Initiativen zur Bekämpfung von Rassismus, wie etwa die Bemühungen von Justizminister Wolfgang Brandtstetter um eine Novellierung des Verhetzungs-Paragraphen 283, seien nur vermeintlich gut; denn die neueren Initiativen würden unter dem Schlagwort "Extremismusbekämpfung" vor allem auf den Islamismus abzielen, anstatt den in Österreich starken rechten Extremismus in den Blick zu nehmen.
Rassismus gebe es auch am Arbeitsmarkt, informierte ZARA weiter. Die Folgen der Benachteiligung bestimmter Personengruppen seien kürzlich von einer Forschungsgruppe in den Blick genommen worden. "Wer sich ständig unerwünscht und abgelehnt fühlt und den Eindruck hat, ohne Grund nicht dieselben Chancen zu haben", laufe Gefahr einer Radikalisierung, so Schäfer.
ZARA wurde im Jahr 1999 mit dem Ziel gegründet, Zivilcourage und eine rassismusfreie Gesellschaft in Österreich zu fördern sowie alle Formen von Rassismus zu bekämpfen. Jedes Jahr berichtet die großteils spendenfinanzierte Organisation in ihrem über rassistische Übergriffe und Vorkommnisse in Österreich.