Gegen "Zuckerl für Wirtschaft" aus dem FLAF
Alfred Trendl, Präsident des Katholischen Familienverbandes (KFÖ) und scharfer Kritiker der seiner Überzeugung nach wenig familienfreundlichen Steuerreform, lässt nicht locker: Vor dem Hintergrund laufender Verhandlungen der Bundesregierung über steuerlich relevante Konkretisierungen äußerte er am Dienstag im "Kathpress"-Interview Einwände gegenüber der Senkung der Arbeitgeberbeiträge für den Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) und auch gegen eine drohende Verschlechterung für innerhalb der Familie vererbte Immobilien. Obwohl die Steuerreform insgesamt durchaus positive Entlastungen für Niedrigverdiener - "die sehr zu begrüßen ist" - gebracht habe, bleibt Trendl bei seiner Einschätzung: Es handle sich für Familien um die "kleinste Steuerreform aller Zeiten".
Beim FLAF ortet Trendl eine Reaktion der Regierung auf gezieltes Lobbying seitens der Wirtschaft und vor allem der Industriellenvereinigung. Das geplante Bonus-Malus-System bei der Beschäftigung älterer Arbeitnehmer soll laut Sozialminister Rudolf Hundstorfer durch das "Zuckerl an die Wirtschaft" abgegolten werden, mit einer Senkung der Beiträge zum FLAF Lohnnebenkosten zu verringern - für Trendl eine Arbeitszeitlösung auf Kosten des ohnehin "nicht adäquat angehobenen" Familienfonds und letztlich der Generationengerechtigkeit. Die Wirtschaft dürfe sich vor ihrer Verantwortung für das Wohl der Familien nicht drücken.
Bei der Grunderwerbssteuererhöhung brauche es eine "Hauptwohnsitzbefreiung", damit die Weitergabe des Familienwohnsitzes nicht verunmöglicht wird, erklärte der KFÖ-Präsident und hauptberufliche Steuerberater weiter. Der Witwe bzw. dem Witwer eines verstorbenen Ehepartners drohe sonst durch erhöhte Mehrkosten - die Grunderwerbssteuer soll beim Schenken und Erben innerhalb der Familie auf Basis von Verkehrswerten statt auf Basis des dreifachen Einheitswerts berechnet werden - eine unzumutbare Belastung. In der erst 2012 beschlossenen Immobilienertragssteuer gibt es laut Trendl ein Vorbild für eine solche "Hauptwohnsitzbefreiung", Ähnliches müsse fairerweise auch beim Erbrecht verankert werden.
Als weitere bittere Pille für Familien, die öffentlich noch kaum wahrgenommen worden sei, nannte Trendl nun nicht mehr steuerlich absetzbare Topf-Sonderausgaben; dies würde Alleinverdiener und -erziehende sowie Familien mit drei und mehr Kindern treffen.
Mit Kindern sinkt der Lebensstandard, weiß der Leiter einer Wiener Steuerberatungskanzlei nur zu gut. Angesichts dessen müsse die Politik gegensteuern und für einen Belastungsausgleich mit Kinderlosen sorgen, der letztlich der gesamten Gesellschaft zugute komme.