Mehr Solidarität mit Griechen
Mehr europäische Solidarität mit den Griechen fordert der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Arsenios (Kardamakis), ein. Wie die Österreicher nicht für das Hypo-Debakel bluten dürften, sollten auch die Griechen nicht für ihre Politiker bestraft werden, so Metropolit Arsenios in einem Interview in der "Kleinen Zeitung" (Mittwoch). Der europäische Weg derzeit sei "nicht christlich", so der Metropolit. Wenn Europa sich als "eine europäische Familie" verstehen wolle, so bedeute dies, füreinander einzustehen. "Sollen wir auch die Österreicher wegen des Hypo-Skandals bestrafen? Wir Österreicher haben diese Entscheidungen nicht getroffen, aber wir müssen zahlen. Ich auch, weil ich hier lebe. So ist das."
Seit fünf Jahren gebe es für und in Griechenland ein rigoroses Sparprogramm, doch die wirtschaftliche Situation sei nicht besser, sondern schlimmer geworden. Griechenland habe mehr Schulden denn je und die neue Regierung null Bewegungsspielraum. Arsenios: "Wenn die Europäische Zentralbank keine Bewegungsmöglichkeiten schafft, ist es Ende März vorbei. Will das Europa? Muss der schlechte Schüler tatsächlich bestraft werden, oder hilft man ihm dabei, besser zu werden?" Deutschlands Politik sei für ihn eine Bestrafungspolitik, und das sei nicht christlich, unterstrich der Metropolit.
Er unterstütze als Grieche die neue griechische Regierung, so Arsenios: "Ich will, dass sie ihre Arbeit gut macht. Schafft sie das nicht, werden Hunderttausende Menschen hungern. Und das will ich nicht." Zugleich mahnte der orthodoxe Bischof die neuen Regierungspolitiker, zum Wohle der Bevölkerung tätig zu sein. Schließlich bestehe bei jedem Menschen, der an die Macht kommt, die Gefahr, "dass er sich im Machtrausch verliert, wenn er auf keinem stabilen charakterlichen Fundament steht". Er habe sich zum Beispiel auch gefragt, ob der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis "wirklich dem Land dienen will, oder ob er auf diesem Weg nur bekannt werden möchte, damit dem Wirtschaftsprofessor später noch mehrere Türen offenstehen. Ich bete, dass er zuerst an Griechenland denkt."
Die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Griechenland seien dramatisch, führte der Metropolit aus. Von einem Tag auf den anderen habe es in Griechenland für die Menschen nur noch das Notwendigste zum Leben gegeben. Mit der Krise seien aber auch Werte wie Solidarität, Menschenwürde und Mitmenschlichkeit wieder stärker geworden. Arsenios: "Jeder hilft, wo er kann; wohl auch, weil niemand weiß, ob morgen nicht er selbst derjenige ist, der Hilfe braucht." Da die griechisch-orthodoxen Priester vom griechischen Staat bezahlt werden, sei auch deren Gehalt um 30 bis 40 Prozent gekürzt worden, erläuterte der Metropolit. Mit dramatischen Auswirkungen vor allem für jene Geistlichen, die verheiratet sind und Familie haben.
Arsenios Kardamakis ist seit Ende 2011 Metropolit von Österreich, 2014 erhielt er auch die österreichische Staatsbürgerschaft: "In Österreich habe ich mich sofort zu Hause gefühlt, mehr als in Deutschland, muss ich sagen. Hier wurde ich sofort mit offenen Armen empfangen. Überall gibt es Freunde Griechenlands, und rundum haben mich die Menschen unterstützt, obwohl ich Ausländer war."
Dass die Kommunikation zwischen Deutschen und Griechen mitunter schwieriger sei, begründete der Metropolit mit den großen Mentalitätsunterschieden: "Ich glaube, der klassische Deutsche ist jemand, der sehr korrekt auf sein Ziel zusteuert. Oft aber fehlt ihm das Verständnis für den Schwachen, der sein Ideal nicht erreicht. In Griechenland ist die Gastfreundschaft legendär, auch der Fremde wird herzlich aufgenommen. Das Problem des Griechen ist, dass er nicht immer alles so genau nimmt und zwischendurch seinen Realitätssinn verliert. Aber im Grunde wollen beide einen guten Weg finden, und das müsste ja Hoffnung geben."