
Bischöfe betonen Seelsorge-Mahnungen des Papstes
In mehreren österreichischen Diözesen haben sich am Mittwoch die Bischöfe mit den großen Teilen des vor Ort tätigen Klerus versammelt, um die traditionelle Chrisam- (Ölweihe-)Messe zu feiern. Dabei standen die Frage nach dem Leben des Priesters und die Empfehlungen des Papstes zur Seelsorge im Mittelpunkt der Ansprachen.
Auf die Bedeutung des Gebetes wies der Kärntner Bischof Alois Schwarz hin: "Beten ist nicht bloß das Verrichten einer geistlichen Pflichtübung, sondern der Versuch, Gott zu erfahren und in der Haltung der Gegenwart Gottes zu leben."
| Kapellari betet in Graz für Nachfolger |
| In Graz stand der emeritierte Bischof Egon Kapellari der Chrisammesse vor, bei der die für Taufe, Krankensalbung und Firmung erforderlichen Öle geweiht werden. Diese Weihe sei einem Bischof vorbehalten, und so leite er diese Liturgie in der Zeit der Sedisvakanz, erklärte Kapellari zu Beginn der Messe. Er bete zu diesem Anlass in besonderer Weise für den künftigen Bischof der Diözese Graz-Seckau. In seiner Predigt ging der emeritierte Bischof auf den spezifischen Dienst des Priesters ein: "Inmitten der Kirche und inmitten ihrer Gemeinden ist der Platz der Priester. In der Leitung der Eucharistie stehen sie der liturgischen Gemeinde aber auch unverwechselbar gegenüber. Das erlaubt keinen alten oder neuen Klerikalismus, das erlaubt aber auch keine Reduktion des Weihesakramentes auf eine bloße Funktion." |
Im Klagenfurter Dom sagte Schwarz, im Mittelpunkt des Gebetes stehe das "Hineinwachsen in eine Liebesbeziehung mit Gott, die uns lebendig hält". Im Gebet entstehe ein "Netzwerk der Verbundenheit mit Gott und untereinander", so der Bischof, der dazu aufrief, das Gebet als Lebenshaltung und die Christusverbundenheit als Lebensprogramm zu gestalten.
Segnen und Vergeben seien zentrale Grundaspekte christlichen Lebens in der Welt von heute, sagte Schwarz weiter: "Segnung ist die Erfahrung, dass Gott mit uns ist", so der Bischof, der dazu einlud, die Kartage in besonderer Weise dazu zu nutzen, "Vergebung zu schenken und nach einer reuevollen Hinwendung zu Gott und den Mitmenschen einen Neuanfang zu setzen".
Bei der "Missa chrismatis" weihte der Kärntner Bischof 24 Liter der drei heiligen Öle, nämlich Chrisam-, Katechumen- und Krankenöl, die während des Jahres für die Sakramentspendung in der Diözese Gurk verwendet werden.
Bei der anschließenden Recollectio, der geistlichen Zusammenkunft der Priester im Klagenfurter Slomek-Heim, dankte Bischof Schwarz für das Miteinander in der priesterlichen Gemeinschaft sowie für das gemeinsame Tragen der seelsorglichen Verantwortung und stellte Gedanken von Papst Franziskus aus dessen Apostolischem Schreiben "Evangelii Gaudium" zur Predigt in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die Predigt sei "Gespräch zwischen Gott und dem Volk", so Schwarz in Anlehnung an den Papst. Der Bischof ermunterte die Priester und Diakone seiner Diözese zu einer sorgfältigen Predigtvorbereitung auf der Basis der Impulse von Franziskus.
Zu den Menschen gehen und beistehen
Bischof Manfred Scheuer sagte in seiner Ansprache im Innsbrucker Dom, dass alle kirchlichen Erneuerungsprozesse im Letzten das Ziel hätten, "Kirche so lebendig zu gestalten, dass sie für heimatlos gewordene, suchende Menschen ein Zuhause bietet". Er habe die "Vision einer Kirche, in deren Gemeinschaft die Sinn Suchenden Sinn finden, die Verängstigten und Verunsicherten wieder Mut und Hoffnung schöpfen". Ziel aller Initiativen und Veränderungen müsse es sein, "Kirchengemeinden als geistlich lebendige Räume zu stärken, in denen und an denen das heilsame Evangelium Jesu Christi wirklich erlebbar wird".
Bischof Scheuer verwies auf Papst Franziskus, der für eine Kirche stehe, die sich "insbesondere der Armen und Bedrängten aller Art annimmt". Es brauche eine Kirche, "die zu den Menschen geht und ihnen beisteht, wo sie des Beistands bedürfen, eine Kirche, die heilend wirkt, wo Menschen verletzt und gedemütigt wurden".
Die anwesenden Priester ermutigte der Bischof, nahe bei den Not leidenden Menschen zu sein und ihnen die Barmherzigkeit Gottes zu vermitteln - in der Predigt, in Gesten, Zeichen, in seelsorglichen Entscheidungen wie auch im Sakrament der Buße. Ausdrücklich dankte der Bischof schließlich den Priestern seiner Diözese für den vielfältigen Dienst an den Menschen in den Pfarren und vielen anderen Aufgabenbereichen.
Zeit für Seelsorge und Gebet
Auch der St. Pöltner Bischof Klaus Küng unterstrich in seiner Predigt bei der Chrisammesse im St. Pöltner Dom die notwendige Zuwendung der Priester zu den Armen, Kranken, Heimatlosen und Notleidenden. In der gegenwärtigen Wohlstandsgesellschaft sei allerdings oft die geistige Not die häufigste, "der wir uns widmen müssen".
Die Priester müssten ihre Arbeit so einteilen, dass sie für seelsorgliche Gespräche Zeit hätten und die Rat und Hilfe Suchenden "uns auch finden können" und "wir erreichbar sind". Das sei "wichtiger als vieles andere", so Küng: "Zeit für Kranke und Sterbende werden wir uns immer nehmen. Sie haben eindeutig Vorrang. All das muss möglich sein, auch dann, wenn ein großer Pfarrverband zu betreuen ist."
Der Bischof ermutigte die Priester und Diakone seiner Diözese, Vertrauen in die Führung des Heiligen Geistes zu haben, der die Kirche lenkt. "Das Vertrauen, dass der Heilige Geist Papst Franziskus, der Kirche, unserer Diözese jetzt und auch in Zukunft beisteht; dass wir getrost in die Zukunft blicken dürfen. Durch alle Wirren der Zeit und trotz aller Schwächen der Menschen hat die Kirche der Heilige Geist bis hierher geführt. Er wird sie auch weiter führen."
Küng rief die Priester dazu auf, die Gläubigen zur rechten Feier der Eucharistie hinzuführen und sich um eine unverkürzte Vermittlung des Glaubens zu bemühen. Sie müsse sich auf die heutigen Gegebenheiten einlassen und auch Fernstehende ansprechen.
Das sei nur möglich, wenn sich die Priester auch genügend Zeit für ihr persönliches Gebetsleben nehmen. Auch der regelmäßige Empfang des Bußsakramentes sei unbedingt nötig, sonst gehe "die Luft aus". Schließlich sei Erholung notwendig. "Wenn wir wahrnehmen, dass unser Gebet, die geistige Lesung oder gar die Feier der Eucharistie zu kurz kommen, ist eine Neuordnung unserer Arbeit unabdingbar", so Küng.