Auferstehung und Reinkarnation sind unvereinbar
Das christliche Verständnis vom Weiterlebens nach dem Tod durch die Auferstehung ist unvereinbar mit der Reinkarnationslehre fernöstlicher Religionen, von der heute eine "westliche Adaption" feststellbar ist: Das hat der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück in der Osterausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag" erklärt. Als unüberbrückbare Unterschiede nannte der Theologe widersprüchliche Sichtweisen, wie der Mensch Vervollkommnung erlangen kann, sowie das Menschenbild und Zeitverständnis. Dennoch fänden Reinkarnationsvorstellungen im christlich geprägten Abendland Anklang, weil hier der neuzeitliche Fortschrittsgedanken zum Ausdruck komme: "Es wird schon besser werden, wenn wir uns nur genügend anstrengen."
Das Christentum setze mit dem Glauben an die "zuvorkommende Gnade Gottes" deutlich andere Akzente hinsichtlich der religionsübergreifend unbestrittenen Erkenntnis, "dass menschliches Leben faktisch immer vervollkommnungsbedürftig ist", sagte Tück. Erlösung von Sünde und Schuld ist für Christen nicht das Produkt menschlicher Leistung, sondern zunächst unverdiente Gnade Gottes. Dies befreie "vom Zwang, sich selbst erlösen zu müssen". Westliche Spielarten der Reinkarnation gingen dagegen von einem dynamischen Lern- und Entwicklungsprozess aus, der sich über viele Inkarnationen erstrecken könne - "eine Vorstellung, die mit der verbreiteten Fortschritts- und Leistungsmentalität gut zusammengeht", wie Tück anmerkte.
Christentum: Jede Biographie ist einmalig
Die Reinkarnationslehre folge einem Zeitmodell des Zyklus' oder der Spirale. Das christliche Zeitverständnis dagegen gehe von der Einmaligkeit jeder Biographie, von Befristung und Unwiederbringlichkeit aus.
Schließlich ist laut Tück auch der Dualismus - also die Körper-Seele-Aufspaltung - der Wiedergeburtslehre nicht mit dem Menschenbild der jüdisch-christlichen Überlieferung in Einklang zu bringen. "Aus christlicher Sicht ist es inakzeptabel, den Leib zu einer austauschbaren Hülle abzuwerten", betonte der Theologe, vielmehr gehöre er konstitutiv zur Identität einer Person dazu. Die Reinkarnationsvorstellung würde die Identität in die Seele als "durchhaltenden Träger" und in verschiedene Leiber als "wechselnde Ausdrucksmedien" auseinanderreißen. Damit werde - wie der Dogmatiker ausführte - "die einmalige Freiheitsgeschichte einer Person zu einer vorläufigen Etappe im Kreislauf der Wiedergeburten herabgewürdigt".