
Gottesdienst im Stephansdom am 8. April
Am Mittwoch, 8. April, feiert die Roma-Gemeinschaft der ganzen Welt ihren internationalen Tag, die österreichischen Roma und Sinti stehen im Mittelpunkt einer Gedenk- und Gebetsstunde im Wiener Stephansdom. Geleitet wird der Gottesdienst um 18 Uhr von Roma-Seelsorger Pfarrer Helmut Schüller.
Eine aktuelle Ausstellung in Wien belegt die hohe Bedeutung der jährlichen Wallfahrt nach Mariazell für die jahrhundertelang unterdrückte Minderheit: "Romane Thana. Orte der Roma und Sinti" lautet der Titel der noch bis 17. Mai zugänglichen Schau im Wien Museum (Karlsplatz), die dazu beitragen soll, "Orte und Plätze, an denen Roma und Sinti gelebt haben, zu dokumentieren und dadurch die Vielfalt ihrer Lebensweisen und die Formen des Zusammenlebens mit der Mehrheitsbevölkerung zu zeigen". Und ein ganz zentraler Ort für die traditionell sehr gläubigen Roma und Sinti ist seit Jahrhunderten der steirische Wallfahrtsort der "Magna Mater Austriae".
Die Anziehungskraft der Mariazeller Marienstatue reicht laut den Ausstellungsgestaltern zumindest bis ins 19. Jahrhundert zurück. Eine radikale Zäsur erfuhr die Roma-Wallfahrt in die obersteirische Gemeinde durch den nationalsozialistischen Völkermord, dem circa 90 Prozent aller österreichischen Roma und Sinti zum Opfer fielen.
Alljährlich am 8. April gedenken die Roma jenes Treffens in London, bei dem im Jahre 1971 die Flagge der Roma-Gemeinschaft und die Nationalhymne eingeführt wurden. Dabei wird auch an den "Porajmos" (Völkermord an den europäischen Roma durch das NS-Regime; wörtlich "das Verschlingen) gedacht.
Rund 500.000 Roma und Sinti wurden während des Holocaust ermordet - Opfer der rassistischen Verfolgungspolitik Hitler-Deutschlands. Die Überlebenden wurden jahrzehntelang nicht als Opfer anerkannt und erhielten nur geringe oder überhaupt keine Entschädigungszahlungen für ihren verlorenen Besitz.
Roma in Städten brauchen Notherbergen
Für die Einrichtung von Notherbergen und anderen Hilfsmaßnahmen zugunsten von Roma in österreichischen Städten hat sich die Grazer Vinzenzgemeinschaft Eggenberg ausgesprochen. Seit 1996 kümmert sich die Gruppe rund um Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher um "jene Menschen, die in ihrer verzweifelten Situation nach Graz kommen, um hier auf unseren Straßen Hilfe zu erbitten". Die meisten kämen aus Hostice in der Südostslowakei und fänden in Einrichtungen wie "VinziNest", "VinziSchutz" und "VinziHerz" Aufnahme und Betreuung. "Leider reichen diese Notherbergen nicht aus, erklärte Pucher in seiner Aussendung anlässlich des Welt-Romatages. Es brauche in allen Großstädten und besonders in Graz zusätzliche Hilfsangebote.
Die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg bemüht sich aber auch in der Slowakei vor Ort um Hilfe zur Selbsthilfe. Es wurden Wohnungen gebaut und saniert, ein Beschäftigungsprojekt und die Initiative "VinziPasta - Arbeiten statt Betteln" ins Leben gerufen. In Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister von Hostice, Frantisek Racz, selbst ein Rom, wurde das aktuelle Hilfsprojekt der Vinzenzgemeinschaft - "VinziJause" - gestartet. Es kommt jenen rund 100 Kindern in der Pflichtschule von Hostice zugute, "die sich keine Schuljause leisten können und deshalb aus Scham oft zu Hause bleiben". Für die dafür benötigten 1.000 Euro pro Monat erbittet die Vinzenzgemeinschaft Spenden auf ihr Konto bei der Steiermärkischen Sparkasse (IBAN: AT75 2081 5022 0040 8090), Verwendungszweck "VinziJause".
Die romantische Vorstellung vom "lustigen Zigeunerleben" treffe für die zwölf Millionen Roma in Europa keinesfalls zu, heißt es in der Aussendung. "Wohl kein anderes Volk wird mit einer derartigen Fülle an Vorurteilen überfrachtet." Zum Internationalen Roma-Tag wolle die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg "jenen Menschen eine Stimme geben, die sonst gerne überhört werden".