
Osterbotschaft hat Aktualität nicht verloren
Österreichs Bischöfe haben zu Ostern an die Aktualität der Botschaft von Tod und Auferstehung Jesu erinnert. "Die Auferstehung Jesu eröffnet eine Perspektive, die unserem Leben einen tieferen Sinn gibt, sie betrifft aber nicht nur das Leben nach dem Tod. Das wäre ein Irrtum. Sie betrifft auch das Leben jetzt", sagte etwa Diözesanbischof Klaus Küng in seiner Predigt am Ostersonntag im Dom von St. Pölten. Der Auferstandene zeige den Weg zum österlichen Menschen, "der bei Schwierigkeiten nicht einfach traurig wird oder aggressiv, sondern nach dem tieferen Sinn forscht, aufbricht nach oben und nach innen".
Auch angesichts "all der schlechten Nachrichten", sei Ostern deshalb ein Grund zur Freude, so Küng weiter. Christen seien mit ihrem Leben Zeugen der Botschaft Jesus und seiner Auferstehung. Deshalb ist es wichtig, "dass wir froh sind, denn auch für jene, die wir an unserer Seite haben, ist das wichtig".
Die Aktualität der Auferstehung Christi betonte auch der Grazer Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl. "Unser ganzes Leben kann von Ostern her, das heißt von unserer Begegnung mit Jesus Christus her, neu werden." Erfahrbar werde Ostern an den Begegnungen mit Menschen. "Wir haben den Glauben an Christus, den Auferstandenen nicht selbst erfunden oder uns ausgedacht, sondern empfangen und erneuern ihn durch das Zeugnis und Beispiel anderer Menschen."
Die Jahreszahl auf der Osterkerze mache außerdem darauf aufmerksam, "dass zur gleichen Zeit, in der wir leben, Menschen, die sich zu Jesus Christus bekennen, also unsere Schwestern und Brüder, ihres Glaubens wegen verfolgt, vertrieben, ja getötet werden", sagte Schnuderl. In ihrem Martyrium werde erkennbar, dass Christen sich vor allem in persönlicher Treue zu Jesus Christus bewähren müssten.
Scheuer gegen "Schweigen über die Auferstehung"
Wohin es führt, wenn die Osterbotschaft keinen Raum mehr im persönlichen Leben und der Gesellschaft hat, brachte Innsbrucks Diözesanbischof Manfred Scheuer zur Sprache. Gerade zu Ostern werde die von Papst Franziskus angesprochene "Krankheit des geistlichen Alzheimers" augenscheinlich. Dabei handle es sich um ein "fortschreitendes Absenken der geistlichen Fähigkeiten, die früher oder später zu einem schweren Handicap des Menschen führen und ihn unfähig werden lassen, autonom zu handeln, und ihn so in einem Zustand völliger Abhängigkeit von den von ihm selbst geschaffenen Selbstbildern leben lassen".
In diesem verordneten Schweigen über Gott und die Auferstehung wachse auch eine Gleichgültigkeit über das Schicksal des Anderen an. Menschenwürde und freie Persönlichkeitsentfaltung würden vermehrt nur auf das je eigene Ich bezogen, kritisierte der Tiroler Bischof. Dabei ginge die Sorge für die, denen der Atem ausgeht, verloren. "Die Alten, Kranken, Behinderten werden ihrem eigenen Schicksal überlassen und aus dem öffentlichen Blickfeld verbannt." Hier hätten Christen die Pflicht, "ein Bewusstsein von dem, was fehlt" zu schaffen und "die Sehnsucht nach dem ganz Anderen" zu erhalten.
Der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz verwies in seiner Osterpredigt auf die "Wichtigkeit der Osterbotschaft" auch in der heutigen Zeit. "In einer Welt, in der uns Tag für Tag Katastrophenmeldungen heimsuchen, sind die Erzählungen der Osternacht die Gegenbotschaften", sagte Schwarz. "Es sind Botschaften des Lebens, der Rettung, des Heiles und der Erlösung. Wir brauchen diese frohen Nachrichten und aufrichtenden Botschaften, die uns vom Leben erzählen."
Zsifkovics: Ostern gibt Sinn und Orientierung
Auf die Sinn und Orientierung gebende Kraft der Ostergeschichte verwies der Eisenstädter Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics. Ostern sei dabei keine Frage einer wissenschaftlichen Beweisbarkeit der Auferstehung, sondern viel mehr eine Begegnung mit Jesus Christus, die Auswirkungen auf das Leben habe. Im Angesicht dieser Begegnung müssten sich Christen "noch mehr herausfordern lassen, uns mit aller Kraft einsetzen für unseren Nächsten - besonders für den Armen, Kleinen, Schwachen, Benachteiligten, Verfolgten - für das Leben, für das Gute, für eine gerechte Welt. Müsste uns das nicht Mut machen, uns als Christen auch da noch zu engagieren, wo alle sagen: 'Das lohnt sich nicht, da kann man doch nichts machen, nichts verändern!'"
Mehr an Solidarität und Nächstenliebe
Ein "klares Bekenntnis zum Leben" formulierte der Kärntner Bischof Alois Schwarz an Ostern. Österliche Freude verheiße, so der Diözesanbischof von Gurk-Klagenfurt, "Hoffnung und Zuversicht, besonders auch für jene Menschen am Rande der Gesellschaft, deren Leben ohne Perspektive erscheint oder von Armut, Krankheit und Enttäuschung geprägt ist". Ostern zu feiern bedeute nicht, Leid und Tod aus dem Leben zu verbannen, sondern, so Schwarz, "mit Jesus Christus den persönlichen Leidensweg in unseren alltäglichen, nicht veränderbaren Lebenssituationen zu gehen, um dann mit ihm in der Kraft der Auferstehung zu neuem Leben zu gelangen".
Schwarz sprach sich für "eine neue Kultur des Leidens, in der nicht verzagt und deprimiert Leben geopfert wird, sondern in der man erkennt, dass wir Menschen als Sieger über den Tod hervorgehen können", aus. Es sei ein "bedeutender Zugewinn an Lebensqualität, wenn die Liebe nicht durch den Tod beendet wird, wenn die Liebe über den Tod hinaus zeigt, dass sie stärker ist als die Nacht der Finsternis".
Mit Blick auf die "materiellen, moralischen und sozialen Nöte" sowie "die zunehmende Gleichgültigkeit" in unserer Gesellschaft sei es für die "Zukunftsfähigkeit von Mensch und Gesellschaft" notwendig, "das Augenmerk auf das Wesentliche zu richten". Dazu benötige es eine "grundlegende Veränderung unseres Verhaltens und unserer Maßstäbe, eine neue Wachsamkeit für Vergebung, Erbarmen und Hoffnung sowie ein deutliches Mehr an Solidarität, Nächstenliebe, Liebenswürdigkeit und Barmherzigkeit".