Vinzi-Pfarrer Pucher: "Geiz ist Geil" ist Sünde
Scharfe Kritik am Konsumverhalten in den reichen Industrieländern hat Vinzi-Pfarrer Wolfgang Pucher geübt. Das oft vorherrschende Prinzip "Geiz ist Geil" bezeichnete Pucher in einem Interview mit der Tageszeitung "Presse" (Sonntag) als Sünde. "Wenn ich, obwohl ich es mir leisten könnte, nicht Dinge kaufe, die zwar etwas teurer sind, aber andere Menschen schützen, dann ist das eine Sünde", so Pucher wörtlich. "Shoppen" heiße, "ich brauche gar nichts, aber habe so viel Geld, dass ich schauen muss, ob ich etwa für mein Geld finde".
Der Armenpfarrer forderte zu einem Nachdenken im Konsum auf, denn oft werde übersehen, "dass wir uns unseren Luxus nur leisten können, weil für uns fern von uns Sklaven arbeiten, die im Elend sind". Dadurch seien wir in die "verdammte Pflicht" gerufen, dort, wo es Berührungspunkte mit diesen Menschen gibt, Solidarität zu üben; "diesen Sklaven, sofern sie es schaffen, zu uns zu kommen, eine Chance zu geben".
Die Wirtschaft sieht Pucher durch einen Rückgang im Konsum nicht in Gefahr. Schließlich gehe es nicht um ein "schwarz-weiß"-Denken sondern um eine Grundeinstellung, die nicht sofort Verzicht auf Alles bedeute, sondern zu einem ethisch reflektierten Konsum auffordere. Der Trend müsse weggehen von einer Logik, die alles, das leistbar ist, auch als kaufbar befindet. "Es gibt eine Verantwortung vor Gott und Menschen."
In diesem Zusammenhang nahm Pucher auch die Europäische Union in die Pflicht. Diese sei "leider eine Wirtschafts- und keine Werteunion". Produkte, die unter Bedingungen zustande kommen, die nicht gewissen Standards entsprechen, dürften gar nicht erst in die EU importiert werden, so Pucher.
Gefordert sei aber auch die Kirche und mit ihnen die Pfarren. "Wenn in Österreich jeder leere Raum eines Pfarrhauses für einen Obdachlosen zur Verfügung gestellt werden würde, wäre die Obdachlosigkeit in Österreich überwunden." Und auch von den Bischöfen werde zu wenig gemacht. Das gelte aber auch für alle anderen Institutionen und die gesamte Gesellschaft. "Wir müssen insgesamt menschlicher werden, solidarischer, mitleidsvoller, als Christ sage ich barmherziger."
Angesprochen auf die bevorstehende Familien-Synode in Rom äußerte Pucher eine "Beunruhigung, weil die heißen Eisen alle nicht angegriffen wurden". Das Christentum lebe von der Barmherzigkeit, davon sei momentan aber zu wenig spürbar. "Unsere Kirche ist zu sehr legalistisch, zu sehr gesetzesorientiert", so Pucher. Schließlich sprach sich der Priester auch für eine Freistellung des Zölibats aus.