
Filmporträt über den Grazer "Retter von Gotha"
Josef Ritter von Gadolla wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs durch Befehlsverweigerung zum "Retter von Gotha" und danach zum Märtyrer - er steht nun im Mittelpunkt einer neuen TV-Dokumentation, die am 18. April in ORF III erstmals im Fernsehen gezeigt wird. Vorgestellt wurde das Filmporträt des mutigen Österreichers am Freitag in seiner Heimatstadt Graz im Beisein hochrangiger Medienvertreter, Landespolitiker und Kirchenvertreter; auch der Oberbürgermeister der Stadt Gotha in Thüringen war extra zu diesem Anlass angereist.
Und eine weitere Ehrung wurde dem erst vor einigen Jahren rehabilitierten und 2012 offiziell als Märtyrer anerkannten Spross einer steirischen Adelsfamilie zuteil: Die Adresse des neuen Styria Media Centers am neu geschaffenen Platz zwischen der Grazer Stadthalle und dem Verlagsgebäude trägt hinkünftig den Namen Gadollaplatz 1.
Am 4. April 1945 hatte der Grazer Offizier als Kampfkommandant im thüringischen Gotha bewusst gegen den "Führerbefehl" gehandelt, die Stadt bis zum letzten Mann zu halten. Zum Schutz der Zivilbevölkerung übergab er diese an die heranrückenden US-Truppen und rettete damit Tausenden Einwohnern das Leben. Von Wehrmachtssoldaten abgefangen, wurde Gadolla noch am selben Tag zum Tode verurteilt und am 5. April 1945, unmittelbar vor Kriegsende, von der NS-Militärjustiz als Verräter hingerichtet. In Gotha wird Gadolla heute noch als Held gefeiert, in Graz erinnert seit 2013 ein Denkmal bei der Münzgrabenkirche an den Soldaten. Die Lebensgeschichte des 1897 in Graz geborenen Veteranen zweier Weltkriege und christlich motivierten Helden wird in der ORF-III-Dokumentation "Josef Ritter von Gadolla - Der Retter von Gotha" nachgezeichnet, zu sehen ist sie im Rahmen des Programmschwerpunkts zu 70 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg am kommenden Samstag um 21.55 Uhr in ORF III.
Präsentiert wurde der Film am 10. April vom Vorsitzenden des "Katholischen Medien Vereins", Johann Trummer, vom Vorstandsvorsitzender der Styria Media Group, Markus Mair, und von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Unter den zahlreichen Gästen im Messe Congress Graz waren der steirische Landeshauptmann Franz Voves, sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer, der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl, der Gothaer Oberbürgermeister Knut Kreuch, Diözesanadministrator Heinrich Schnuderl, der evangelische Superintendent Hermann Miklas sowie Caritasdirektor und ORF-Stiftungsrat Franz Küberl.
"Damit Gotha leben kann, muss ich sterben!"
Der Grazer Priester und Medienfachmann Johann Trummer erinnerte daran, dass Josef Gadolla aus seinem christlichen Gewissen handelte und "wusste, was er damit riskierte". Ein Zeuge seiner Hinrichtung habe dessen letzte Worte überliefert: "Damit Gotha leben kann, muss ich sterben!" Trummer: "Wir können an seinem Beispiel nachdenklich werden, um im entscheidenden Augenblick nach dem Gewissen und zum Wohl der Menschen zu handeln."
ORF-Generaldirektor Wrabetz bezeichnete es als "eine der schönsten Pflichten" des ORF - "das elektronische Archiv des Landes" - bei der Aufarbeitung von Zeitgeschichte, Menschen ins Gedächtnis zu rücken, "die dem Unmenschlichen getrotzt haben und zu Helden ihrer Zeit wurden - wie Josef Ritter von Gadolla".
"Styria"-Chef Mair würdigte den Mut, gegen Ungerechtigkeit, Gewalt und Diskriminierung aufzutreten. Dieser Mut und auch Demut sollten für Qualitätsjournalismus stehen, dem sich das Grazer Verlagshaus verpflichtet wisse.
Durch Gadollas Wirken sei Gotha von weiterem Blutvergießen und größerer Zerstörung verschont geblieben, "wofür wir ihm ewig in Dankbarkeit verbunden bleiben", versicherte Oberbürgermeister Kreuch.
Koproduziert wurde die Doku "Josef Ritter von Gadolla - Der Retter von Gotha" von ORF III und Pammer Film, als Unterstützer wirkten der "Katholische Medien Verein", der Zukunftsfonds der Republik Österreich und das Land Steiermark.