
Mehr Geld für mobile Dienste nötig
Der Bedarf an mobiler Hospiz- und Palliativversorgung übersteigt das Angebot bei weitem: Das hat Salzburgs Caritas-Direktor Johannes Dines anhand der Situation seines Bundeslandes im Interview mit den "Salzburger Nachrichten" (Donnerstag) erklärt. Mehr Geld für die bislang nur zum Teil finanzierten Hospiz- und Palliativdienste sei dringend nötig, um die Patienten flächen- und bedarfsgerecht zu versorgen. "Wir haben immer wieder Situationen, in denen wir Menschen absagen müssen. Menschen am Ende ihres Lebens auf Wartelisten zu setzen, ist ein Hohn", sagte Dines. Für ein "schrittweises Vorankommen" in der Salzburger Versorgung seien zunächst 150.000 Euro nötig.
Das Sterben in Würde bezeichnete Dines aufgrund des christlichen Auftrags der Caritas als eines ihrer zentralen Anliegen. "Wir tun uns diese Arbeit an, weil uns das Thema wichtig ist und wir uns fragen: Was wäre, wenn wir es nicht tun würden?", so der Caritasdirektor. Etwa 400 Menschen seien im Vorjahr in den letzten Tagen ihres Lebens von 35 Mitarbeitern der mobilen Hospiz- und Palliativdienste der Salzburger Caritas betreut worden. Dass man der deutlich höheren Nachfrage nicht gerecht werde, liege an der Finanzierung, darüber hinaus sei auch die Suche nach ärztlichem Personal relativ schwierig: Die einzig leistbaren Anstellungen von 30 bis 35 Prozent seien für viele Mediziner uninteressant.
Dabei sei Hospiz- und Palliativarbeit laut Aussagen des Caritasdirektors "eine sehr schöne, wenn man sich gut mit dem Thema Leben und Sterben auseinandergesetzt hat: Wenn Menschen loslassen können, sich versöhnen und in Frieden gehen, kommt für die Mitarbeiter sehr viel zurück". Belastend sei bei der Tätigkeit in erster Linie der Versuch, den Bedarf mit zu wenig Personal abzudecken: Für die Hospizmitarbeiter sei es besonders schwer zu wissen, sie könnten vor Ort helfen, doch geht sich nur ein Handeln übers Telefon aus. "Das ist der größte Druck", so Dines.
Für das Gesundheitssystem sieht Dines durch eine bessere Hospiz- und Palliativversorgung sogar eine zumindest mittel- und langfristig finanzielle Entlastung: Bei Pflege daheim durch Angehörige hätten Menschen ohne mobile Teams bei Problemen keine andere Wahl als die stationäre Versorgung im Spital. Diese sei "das teuerste im Gesundheitssystem", würden doch die Betroffenen aufgrund der nur wenigen Palliativplätze in Akutbetten der Intensivstationen gelangen. Auch die Kosten im Pflegeheim seien deutlich höher als jene im mobilen Bereich, so der Caritasdirektor.
In Salzburg existiert bereits eine abgestufte Palliativversorgung, mit einer Palliativstation im Krankenhaus, dem stationären Raphael-Hospiz, einem Tageshospiz und der mobilen Betreuung, legte Dines dar. Keine Hospizdienste gebe es derzeit für Kinder und Jugendliche, zudem fehlten auch die Mittel für bedarfsgerechte und flächendeckende Angebote, besonders für Orte in der Peripherie abseits der jeweiligen Bezirkszentren, wo die Anfahrtskosten sehr hoch sind.