
Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit bedenklich
Auf den "bedenklichen Anstieg" der Jugendarbeitslosigkeit in Österreich hat die Katholische Jugend Österreich (KJÖ) am Vortag zum "Tag der Arbeitslosen" (30. April) in einer Aussendung aufmerksam gemacht. Laut dem Arbeitsmarktservice (AMS) sei die Arbeitslosenrate Jugendlicher unter 25 Jahren von 2013 auf 2014 um 2.828 Betroffene oder 5,5 Prozent angestiegen. KJÖ-Vorsitzender Matthias Kreuzriegler appellierte an die österreichischen Politiker, "ihre Verantwortung wahrzunehmen und sich für bessere Arbeits- und somit Zukunftsperspektiven junger Menschen einzusetzen".
Die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen belaufe sich in Österreich zur Zeit auf fast 55.000 Betroffene, "Jugendliche in Schulungen noch nicht inbegriffen", so Kreuzriegler. An Strategien zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit führt laut dem KJÖ-Vorsitzenden kein Weg vorbei, wolle man das Szenario der viel zitierten "verlorenen Generation" vermeiden. Arbeit biete Jugendlichen Perspektiven und sei zudem ein grundlegendes Menschenrecht.
Frau am Arbeitsmarkt "stark benachteiligt"
Heftige Kritik an der Stellung der Frauen am Arbeitsmarkt hat die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) anlässlich des "Tags der Arbeitslosen" geübt: Noch immer würden Frauen als "kostengünstiger und flexibler Faktor am Arbeitsmarkt stark benachteiligt". In atypischen Beschäftigungsverhältnissen finden sich weiter überwiegend Frauen - "schlechter bezahlt als Männer, oftmals auch schlechter abgesichert", betonte die neue kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner am Mittwoch in einer Aussendung. Als Gegenmaßnahme fordert die kfbö die sozial- wie arbeitsrechtliche Gleichstellung aller Arbeitnehmer sowie die gerechte Verteilung von existenzsichernder Erwerbsarbeit auf beide Geschlechter.
Als Teilzeitbeschäftigte, aber auch als anderweitig atypische Tätige seien Frauen nicht selten dem Prekariat ausgesetzt. Pernsteiner dazu:
Wenn Arbeit nicht vor Armut schützt, müssen wir den Begriff von 'Arbeit' überdenken und Modelle sozialer Sicherung schaffen, die allen Menschen ein gutes Leben sichern.
Derzeit sind nach Angaben der Statistik Austria in Österreich 36 Prozent aller erwerbstätigen Frauen, aber nur fünf Prozent aller erwerbstätigen Männer teilzeitbeschäftigt. Weitere 14 Prozent aller Frauen sind - gegenüber zehn Prozent der Männer - anderweitig atypisch tätig, befänden sich also außerhalb eines "Normalarbeitsverhältnisses" im Sinne einer unbefristeten Vollzeitanstellung, die nicht Leih- oder Zeitarbeit ist.
Vor allem in Branchen im Bereich des Niedriglohnsektors, in dem überwiegend Frauen tätig seien, steige die Zahl atypischer Anstellungen; hier besonders deutlich bei den Reinigungs- und privaten Pflegekräften. Der Pflegesektor sei zugleich ein Feld für "neue Selbständige", d.h. Selbständige ohne Gewerbeschein. 60.000 von ihnen waren 2013 nach Angaben der Gewerkschaft der Privatangestellten im Sozialbereich gemeldet, 95 Prozent davon Frauen. Auch unter den "neuen Selbständigen" seien Frauen diejenigen, die weniger, im Schnitt nahezu nur halb so viel verdienen wie Männer: So liege das Einkommen von männlichen "neuen Selbständigen" im Schnitt bei 15.200 Euro brutto im Jahr, das von weiblichen bei 8.800 Euro, wies die kfbö hin.
Mit Sozialleistungen könne das deutlich geringere Einkommen von Frauen nicht ausgeglichen werden, betonte Pernsteiner und verwies zugleich auf den generellen "gender wage gap", also den Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern in Höhe von 29 Prozent. Damit liege Österreich im europäischen Vergleich im Spitzenfeld. "Wenn Erwerbsarbeit Männern wie Frauen gleichermaßen Existenz sichern können soll, braucht es viele einzelne Maßnahmen wie die sozial- und arbeitsrechtliche Absicherung aller Beschäftigungsverhältnisse, eine Definition von Mindesthonoraren oder die Anhebung von Löhnen in weiblich dominierten Branchen wie Pflege, Betreuung und Bildung - letztlich eine neue, geschlechtergerechte Bewertung und Verteilung von Arbeit".
In EU Wirtschaft wichtiger als Soziales
Walter Rijs, Präsident der Katholischen Aktion (KA) Wien, hob die Verantwortung der Politik auf EU-Ebene hervor und plädierte für die Förderung eines nachhaltigen, integrativen Wirtschaftswachstums sowie für produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle. Die Debatte im Europäischen Parlament zu "Menschenwürdige Arbeit - der Weg zur Würde für ALLE" stimme grundsätzlich positiv, "allerdings könnte es wieder still werden um das Thema, wenn da wieder einige Menschen darauf hinweisen, dass die EU eine Wirtschaftsunion und keine 'Sozialunion' ist". Die Fragen der Wirtschaft würden als EU-Anliegen bewertet, die sozialen Fragen fielen in die Zuständigkeit der einzelnen Mitgliedsstaaten, "so als hätte das eine mit dem anderen nichts zu tun", kritisierte Rijs.