
Nicht an Kooperation Kirche-Staat rütteln
Forderungen, am bestehende Staat-Kirche-Verhältnis in Österreich zu rütteln und bewährte Kooperationen abzuschaffen, hat der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer zurückgewiesen. Staat und Kirche müssen grundsätzlich getrennt sein, es dürfe aber keine ideologische Trennung zwischen den beiden Sphären geben, sondern es brauche eine Zusammenarbeit, "wo sich die Anliegen überschneiden und eine Kooperation sinnvoll erscheint", sagte Scheuer. Der Bischof äußerte sich bei einer Tagung in Innsbruck, die sich mit dem Staat-Kirche-Verhältnis in Österreich befasste und am Donnerstagabend zu Ende gegangen war. Vertreter fast aller staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften nahmen an der Tagung an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck teil.
Die innerkirchlichen Kritiker am bestehenden Modell seien oftmals begeistert von dem vitalen religiösen Leben in den USA und der dortigen belebenden Konkurrenzsituation eines Religionsmarktes, führte Scheuer aus. Diese Kritiker sehnten sich deshalb nach dem amerikanischen Modell einer strikten Trennung von Staat und Kirche, "das oftmals verkürzt und ohne Hinweis auf die spezielle amerikanische Situation und Tradition als Ursache für das rege religiöse Leben dort angesehen wird".
Von diesem US-Modell einer strikten Trennung bei gleichzeitig hoher öffentlicher Präsenz der Religionen unterscheide sich das französische Modell einer strikten Trennung, "bei dem versucht wird, das Religiöse aus der Öffentlichkeit zu verdrängen", so Scheuer: "Viele Kirchenkritiker würden unsere Beziehungen von Staat und Kirche gerne hin zu diesem französischen Modell drängen, zu einem Verdrängen der Religion aus der Öffentlichkeit." Dies würde aber den gesellschaftlichen Pluralismus gefährden, warnte der Bischof.
Die Laizität, die in Frankreich Staatsräson ist, beruhe im Kern darauf, "dass aus einer Missionsangst in allen öffentlichen Bereichen, der Pluralismus verdrängt wird, dass sich also Menschen in ihrer Unterschiedenheit und Vielfalt nicht zeigen dürfen". Damit werde aber nicht eine Neutralität und Freiheit erzielt, "sondern das Monopol bestimmter Gruppen, die letztlich den Atheismus als Staatsgrundlage ansehen", so Scheuer: "Damit aber missachtet der Staat selbst seine Grundlage, er ist nicht neutral." Die Rede von der weltanschaulichen Neutralität des Staates sei entweder ungenau oder falsch.
Scheuers Fazit: Es wäre undemokratisch und die pluralistische Gesellschaft würde sich in Totalitarismus auflösen, wenn religiös motivierte Menschen sich nicht öffentlich und politisch äußern, einbringen und betätigen dürften. Demokratie und Menschenrechte würden ihre eigenen Voraussetzungen untergraben, wenn in Öffentlichkeit und Politik die religiösen Traditionen total ausgeblendet würden und auf ihr humanes und solidarisches Potential verzichtet werden müsste.