
Österreich für Familien ein Hochsteuerland
"Familien spielen in Österreichs Steuersystem dann eine große Rolle, wenn es um die Belastung und Finanzierung geht" - mit diesen Worten übt Rosina Baumgartner, Generalsekretärin des Katholischen Familienverbands (KFÖ), Kritik an der aktuellen Familienpolitik, die Österreich für Familien zum "Hochsteuerland" mache. Die Bestätigung dafür liefere die aktuelle OECD Studie "Taxing Wages 2015", laut der Österreich bei der Belastung durch Steuern und Abgaben auch bei Familien im Spitzenfeld liege. Die Belastung der Durchschnittseinkommen einer Alleinverdiener-Familie mit zwei Kindern lag 2014 bei 38,8 Prozent. Der OECD-Schnitt betrug in diesem Bereich 26,9 Prozent.
"Österreich ist für Familien ein Hochsteuerland. Dieses beschämende Ergebnis wird sich auch mit der bevorstehenden Steuerreform nicht wesentlich verbessern", ist Baumgartner überzeugt. "Denn die explizit familienorientierten Entlastungen sind minimal." Im geplanten Steuerreformpaket ist für Familien lediglich die Verdoppelung des Kinderfreibetrages von 220 auf 440 Euro/Jahr vorgesehen. "Das entlastet Familien um etwa sechs Euro pro Monat und Kind. Eine familienfreundliche Steuerreform sieht wirklich anders aus; vor allem wenn Familien bei den geplanten Gegenfinanzierungsmaßnahmen wie der Erhöhung der Grunderwerbssteuer oder Mehrwertsteuer kräftig mitzahlen müssen."
Damit Familien sich zumindest jenes Geld vom Finanzamt zurückholen, das ihnen zusteht, bietet der Katholische Familienverband am 19. Mai 2015 den österreichweiten Steuerinfotag an. An diesem Tag informieren die Steuerberater/innen des Katholischen Familienverbandes kostenlos persönlich, telefonisch oder per E-Mail über Familien-Steuerangelegenheiten und geben Steuertipps.
Studie: Anstieg um zwei Prozentpunkte
Angestiegen ist die Belastung in diesem Bereich in Österreich damit um knapp zwei Prozentpunkte. Nur in Griechenland (43,4 Prozent), Belgien (40,6), Frankreich (40,5), Italien (39,0) und Finnland (38,9) war die Belastung von Alleinverdiener-Familien größer. Am geringsten innerhalb der 34 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung war die Belastung in der Schweiz (9,8 Prozent), Chile (7,0) und Neuseeland (3,8).
Auch bei den Einkommen eines unverheirateten Angestellten ohne Kinder stieg in Österreich die Belastung gegenüber 2013 an - und zwar um 0,17 Prozentpunkte und damit in ähnlicher Höhe wie jene bei Familien. Dies bedeutete für Singles eine Belastung derer Arbeitseinkommen von 49,4 Prozent. Der "Steuerkeil" lag damit auch hier erneut weit über dem Durchschnitt der OECD-Staaten, der 36,0 Prozent betrug. Mit den 49,4 Prozent wies Österreich hinter Belgien (55,6 Prozent) die höchste Belastung bei unverheirateten Angestellten ohne Kinder auf.
Bei der Steigerung der Belastungen befand sich Österreich mit den genannten 0,17 Prozentpunkten hingegen näher am Schnitt: Dieser stieg OECD-weit 2014 um 0,1 Prozentpunkte an (bei den unverheirateten Singles). Im deutschsprachigen Raum war Österreich hingegen das OECD-Land mit dem größten Anstieg: In Deutschland blieb die Belastung 2014 mit einem Plus von 0,09 Prozentpunkten stabil, der Steuerkeil betrug 49,3 Prozent. Auch in der Schweiz waren die Änderungen marginal (+0,1 Prozentpunkte), die Abgabenquote lag bei 22,2 Prozent an den Gesamtarbeitskosten - damit wies die Schweiz die sechst-niedrigste Steuerquote auf Arbeit auf.
Das OECD-Land mit der geringsten Abgaben-Belastung bei Single-Angestellten ohne Kindern war im Vorjahr Chile mit 7,0 Prozent. Auch Neuseeland (17,2), Mexiko (19,5) und Israel (20,5) lagen am unteren Ende der Skala.