
Bodmann ist Caritas-Internationalis-Finanzchef
Kardinal Luis Antonio Tagle (57), Erzbischof von Manila, ist neuer Präsident von Caritas Internationalis. Die 20. Generalversammlung des Dachverbandes von 165 nationalen Caritasverbänden und anderen katholischen Wohlfahrtsorganisationen wählte Tagle am Donnerstag in Rom zum Nachfolger von Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (72). Der Generalsekretär der Caritas Wien, Alexander Bodmann, wurde zum Schatzmeister gewählt. Er folgt in dieser Funktion auf den Schweizer Jürg Krummenacher.
Alexander Bodmann wurde 1972 in Wien geboren und hat Betriebswirtschaft an der WU Wien mit Schwerpunkt Controlling studiert. Seine Tätigkeit für die Caritas begann 1997 als Zivildiener im Haus Miriam, einer Obdachloseneinrichtung für Frauen in psychischen und sozialen Notsituationen. Danach war er in mehreren verschiedenen Aufgabenbereichen innerhalb der Caritas tätig. 2004 übernahm er die Leitung des Bereichs Betreuen und Pflegen zu Hause, 2007 wurde er einer der beiden Geschäftsführer der Caritas der Erzdiözese Wien.
Der neue Caritas Internationalis-Präsident Tagle setzte sich unter den mehr als 300 Delegierten - darunter aus Österreich Präsident Michael Landau und die Generalsekretäre Bernd Wachter und Christoph Schweifer - gegen den maronitischen Erzbischof von Zypern, Youssef Soueif (52), durch. Die erforderliche Bestätigung Tagles durch den Vatikan gilt als Formsache. Nach zwei Amtsperioden von je vier Jahren stand Maradiaga nach den Statuten nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung. Als Generalsekretär von Caritas Internationalis wurde Michael Roy wiedergewählt.
Tagle ist seit 2011 Erzbischof der philippinischen Hauptstadt und einer der international bekanntesten Kardinäle Asiens. Im Januar war er während der Philippinen-Reise von Franziskus Gastgeber des Papstes. Der Präsident von Caritas Internationalis hat vor allem repräsentative Aufgaben. Er ist internationales Sprachrohr der Caritasverbände.
Im 1951 gegründeten Dachverband "Caritas Internationalis" sind heute 165 eigenständige nationale Caritas-Verbände und katholische Wohlfahrtsorganisationen zusammengeschlossen. Aufgabe von Caritas Internationalis ist vor allem die Koordinierung von Hilfsaktionen und Entwicklungsprogrammen auf weltkirchlicher Ebene. Der Vatikan hat in dem Dachverband weitgehende Mitspracherechte und muss die gewählte Leitung bestätigen. Das eigene Budget ist vergleichsweise gering und liegt bei etwa 4 Millionen Euro.
Bodmann: "Einsatz gegen Hunger und Armut geht weiter"
Der am Donnerstag gewählte Finanzchef des weltweiten Caritas-Dachverbandes, der Wiener Caritas-Generalsekretär Alexander Bodmann, will in der neuen Funktion "den Kampf gegen Armut und Hunger mit Leidenschaft angehen". Dies sehe er auch als Hauptaufgabe der Caritas Internationalis und als Grundanliegen von dessen neuen Präsidenten, Kardinal Luis Antonio Tagle, erklärte Bodmann am Freitag in einem ersten Statement nach der Wahl gegenüber "Kathpress". Präsident und Schatzmeister sind bei dem Zusammenschluss der 165 nationalen Caritas-Organisationen die einzigen von der Generalversammlung gewählten Funktionen und werden beide ehrenamtlich ausgeführt.
Caritas-Präsident Michael Landau würdigte Bodmann in einer ersten Stellungnahme gegenüber "Kathpress" als "ausgewiesenen Fachmann in wirtschaftlichen Fragen, der sich zugleich entschieden für soziale Gerechtigkeit einsetzt". Bodmann bringe reichlich Erfahrung aus der täglichen Caritas-Arbeit für sein neues Amt mit, so Landau.
Wie Bodmann gegenüber "Kathpress" weiter sagte, lege er in den neuen Caritas Internationalis-Präsidenten Kardinal Tagle lege er große Hoffnung. Der Erzbischof aus Manila werde wie dessen Vorgänger, der honduranische Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga, eine "starke Stimme für die Armen" sein können. Ein Richtungswechsel stehe beim Dachverband nicht bevor, vielmehr ein "intensives Weiterarbeiten an der Auslöschung von Armut und Hunger". Dies habe Tagle auch in bildlich dargestellten Botschaften - er war bei der Generalversammlung nur über Video zugeschaltet - eindeutig gezeigt.
Die Caritas Internationalis mit ihren Schwerpunkten der humanitären Hilfe und anwaltschaftlichen Arbeit beschrieb Bodmann als "Brückenbauerin der 165 nationalen Mitgliedsorganisationen". Besonders deutlich werde die Mittlerfunktion momentan bei der Flüchtlingstragödie am Mittelmeer. "Die Caritas ist an allen Orten präsent - in den Herkunftsregionen, aber auch in den aufnehmenden Ländern." Problematisch sei, dass die Politik gleichzeitig Mauern statt Brücken errichte, so der Caritas-Experte. Anzunehmen sei, dass sich die Generalversammlung zum Flüchtlingsthema in ihrer Schlussbotschaft äußern wird, die am Sonntag verabschiedet wird.
Bodmann äußerte sich gegenüber "Kathpress" erfreut über das von der Generalversammlung ausgesprochene Vertrauen. Als zusätzliche Aufgabe zu jener in Wien kommt nun die Verwaltung des Budgets der Caritas Internationalis mit ihren 35 Mitarbeitern in Rom, die vor allem Nothilfe-Anträge - in der vergangenen vier Jahren gab es 134 davon - abwickelt. Teil der Arbeit ist auch die Beratung nationaler Caritasverbände, u.a. bei der weltweiten Einhaltung der Finanz- und Managementstandards, die bei der Generalversammlung 2011 beschlossen wurden. "Die eine oder andere Reise in die eine oder andere Region wird notwendig sein", so Bodmann.
Zu seiner eigenen Person gab der neue Caritas International-Schatzmeister an, er habe Betriebswirtschaft studiert und zwei Jahre in einer Bank gearbeitet. "Dann kam der Entschluss, nicht für die Reichen, sondern für die Armen zu arbeiten", so Bodmann. Der Wahlprozess war "aufregend", außer ihm hatte auch ein Kandidat der US-amerikanischen Caritasorganisation "Catholic Relief Service" gute Chancen. Bodmann setzte sich schließlich mit 74 zu 58 Stimmen durch.